Willi Grewer: Der einzige Meister

Endspiel um die Deutsche Meisterschaft 1955: Der Dorstener Willi Grewer (5. v.l.) besiegt mit RW Essen in Hannover den 1. FC Kaiserslautern mit 4:3.
Endspiel um die Deutsche Meisterschaft 1955: Der Dorstener Willi Grewer (5. v.l.) besiegt mit RW Essen in Hannover den 1. FC Kaiserslautern mit 4:3.

Dorsten.. Dorsten hat viele große Sportler hervorgebracht, aber nur einer konnte die wohl berühmteste Deutsche Sporttrophäe in die Hand nehmen: Willi Grewer war als linker Läufer der direkte Gegenspieler von Fritz Walter, als RW Essen 1955 die Schale mit einem 4:3 über Kaiserslautern im Finale um die Deutsche Meisterschaft in den Pott holte.

„Das war damals die Sensation. Willi Grewer hatte mit Legenden wie Helmut Rahn und Fritz Herkenrath diesen Sieg möglich gemacht“, sagt Norbert Sutmann. Sutmann ist Zeitzeuge dieser Epoche des Fußballs. Leider endet die Geschichte von Willi Grewer tragisch, doch dazu später mehr.

„Willi war ein Sportsmann wie er im Buche steht und seine Laufbahn war auch für damalige Zeiten nicht typisch. Aufgegangen ist sein Stern in Hervest-Dorsten beim SuS. Das war damals die Mannschaft in Dorsten und die spielte in der Bezirksklasse“, sagt Sutmann. Der Fußballfan muss nicht lange nachdenken, um sich an die Lokalhelden des SuS jener Jahre zu erinnern: Reinhold „Tipper“ Wanjek, Heinz Kohmann, Theo Brahns, Hans Klingebiel und eben Willi Grewer und ihre Mannschaftskameraden waren die Helden von Hervest. In den 1950er Jahren veranstaltete der SC Blau-Weiß Wulfen regelmäßig ein Frühlingsturnier und im Weltmeisterschaftsjahr war die Reserve der Essener zu Gast und spielte als Turnier-Highlight gegen den SuS Hervest-Dorsten.

Frühes Aus im Pokal der Landesmeister

Das Ergebnis ist nicht mehr überliefert, aber die Essener wurden auf einen eleganten, technisch brillanten linken Läufer aufmerksam: Willi Grewer. Der linke Läufer war damals so etwas wie ein vorgeschobener Abwehrspieler, der sich auch offensiv bemerkbar machte. Man unterbreitete dem gelernten Heizungsmonteur und dann als Sportlehrer in der Lehrwerkstatt auf Leopold tätigem Grewer ein Angebot und der fuhr dann mit dem Bahn-Kraftomnibus nach Essen. Dort an der Hafenstraße war gerade das dunkle Zeitalter im Fußball überwunden worden: Die erste Flutlichtanlage der Republik erleuchtete den Rasen und der Dorstener Willi Grewer war dabei, als im Spiel gegen Racing Straßburg die Lichtanlage eingeweiht wurde.

Grewer war schnell als Stammspieler gesetzt und kickte mit Fußballgöttern wie Helmut „Boss“ Rahn in Essen. Trainer der Mannschaft, die damals unter anderem den Blauen vom Schalker Markt einen Strich durch die Meisterschaftsträume machte, war Fritz Szepan. Grewer wurde auch in die B-Nationalmannschaft berufen und absolvierte unter anderem ein Spiel gegen das Saarland, das damals noch nicht zur Bundesrepublik gehörte. Sepp Herberger gehörte zu den Stammgästen und Willi Grewer war in jenem Notizbuch des „Chefs“ notiert, das zur Legende wurde. Bei allem Ruhm: „Man war sparsam, und selbst ein „Boss“ Helmut Rahn hat von seiner Frau Schnittchen und Kuchenteilchen, die vom Mannschaftsschmaus übrig geblieben waren, einpacken lassen und als Verpflegung mit nach Hause genommen. Eine verrückte Zeit“, sagt Sutmann.

Aber die Mannschaft von Willi Grewer errang 1955 mit sechs Punkten Vorsprung souverän die Meisterschaft in der Oberliga West. Auch in der Endrunde lief es besser als noch drei Jahre zuvor: mit 10:2 Punkten beendete das Team von Helmut, August Gottschalk und eben Will Grewer ungeschlagen die Gruppenphase vor Bremerhaven 93, Kickers Offenbach sowie Wormatia Worms und sicherte sich somit die Finalteilnahme gegen den deutlich favorisierten 1. FC Kaiserslautern. Dort waren die Helden von Bern am Ball, allen vorweg Fritz Walter, und mit dem bekam es der Hervester Junge Willi Grewer zu tun. Grewer machte seinen Job gut: Das Finalspiel am 26. Juni 1955 im Niedersachsenstadion in Hannover gewannen die Essener überraschend vor 76 000 Zuschauern mit 4:3 und feierten somit den größten Erfolg ihrer Vereinsgeschichte.

Und Willi Grewer? Der ging weiter seinem Sport nach, erzielte in 86 Pflichtspielen 18 Tore und war mit nicht ganz 25 Jahren Familienvater und Sportler, der in Essen kickte und auf der Hervester Marxstraße lebte. Was dann 1957 geschah, kann man nur als Drama beschreiben: Willi Grewer verstarb völlig überraschend den Herztod. So schloss sich auf traurige Art ein großes Kapitel Dorstener Sportgeschichte.

 
 

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