Wikileaks-Chef Assange hat Angst um sein Leben

London. Julian Assange hat sich erstmals nach den neuesten Wikileaks-Enthüllungen geäußert. Im Live-Chat mit der britischen Zeitung „Guardian“ sprach der Australier über die Todesdrohungen gegen ihn, Aliens und den US-Soldaten Bradley Manning.

Über 800 Fragen gingen in kürzester Zeit auf der Homepage der englischen Zeitung „Guardian“ für Wikileaks-Chef Julian Assange ein. Darin äußert er sich auch über die Drohungen gegen sein Leben. Er nimmt sie ernst und versucht sich so gut wie möglich zu schützen. „Die Drohungen gegen mein Leben sind eine verbürgte Tatsache. Wir treffen geeignete Vorsichtsmaßnahmen, soweit diese möglich sind, wenn man es mit einer Supermacht zu tun hat.“ Tom Flanagan, Chefberater des kanadischen Premierministers, hatte erst neulich gesagt, seiner Meinung nach sollte Assange einem Attentat zum Opfer fallen. „Es ist richtig, dass Mr. Flanagan und andere, die ernsthaft diese Aussagen machen, wegen Anstiftung zum Mord angeklagt werden sollten “, schreibt Assange im Chat.

Von Interpol gejagt, Staatsfeind Nummer eins in den USA: Julian Assange hat sich mit seinen Publikationen auf gefährliches Terrain vorgewagt. Um sicherzugehen, dass die geheimen Wikileaks-Dokumente auf alle Fälle veröffentlich werden, hat er Vorkehrungen getroffen. „Das Cablegate-Archiv und anderes wichtiges Material aus den USA und anderen Staaten ist an über 100.000 Menschen in verschlüsselter Form verteilt worden. Wenn uns etwas passieren sollte, werden die entscheidenden Abschnitte automatisch veröffentlicht. Außerdem ist das Cablegate-Archiv in den Händen von verschiedenen Nachrichtenorganisationen. Die Geschichte wird gewinnen. Die Welt wird zu einem besseren Ort werden. Werden wir überleben? Das hängt von Ihnen ab.“

Mutige Führungsperson

Seit Julian Assange sich als Gesicht von Wikileaks etabliert hat, hat es immer wieder Angriffe gegen seine Person gegeben. Ein User sieht das kritisch, weil sich Wikileaks durch diese Konzentration auf seine Person angreifbar mache und man weniger das Unternehmen Wikileaks und mehr den Mann Julian Assange wahrnehme. Auch Assange stimmt dieser Befürchtung zu, allerdings sei es seiner Meinung nach nicht möglich, eine Organisation wie Wikileaks quasi anonym zu führen. „Ursprünglich habe ich versucht, Wikileaks kein Gesicht zu geben, weil ich nicht wollte, dass Egos in unseren Aktivitäten eine Rolle spielen. Aber das hat sehr schnell zu einer riesigen Neugier auf uns geführt. Schlussendlich muss jemand der Öffentlichkeit gegenüber verantwortlich sein und nur eine Führungsperson, die bereit ist, in der Öffentlichkeit mutig zu sein, kann ehrlicherweise behaupten, dass Informanten Risiken für das größere Ganze eingehen.“

Auch gibt Assange zu, dass er schon immer an die globale Bedeutung von Wikileaks geglaubt habe. „Bis zu einem gewissen Grad ist das schon 2007 klargeworden, als das Portal die Wahl in Kenia beeinflusst hat.“ Allerdings hätte Assange erwartet, dass Wikileaks nur zwei anstatt vier Jahre benötigen würde, um diese globale Anerkennung zu erhalten, „deshalb hängen wir dem Zeitplan ein wenig hinterher und haben noch viel Arbeit vor uns.“

„Bradley Manning ist ein Held“

Auf die Frage, ob Wikileaks die Namen von afghanischen Informanten veröffentlichen würde oder ob Assange Namen zensieren würde, wenn er das Gefühl habe, damit jemanden in Gefahr zu bringen, antwortete der Wikileaks-Chef eher ausweichend. „Wikileaks publiziert schon seit vier Jahren. In dieser Zeit hat es keine glaubwürdige Anschuldigung von Seiten einer Organisation wie dem Pentagon oder einer Privatperson gegeben, dass jemand wegen unserer Aktivitäten zu Schaden gekommen ist. Und das trotz zahlreicher Manipulationsversuche, die die Leute vom Gegenteil überzeugen sollen. Dabei erwarten wir auch keine Veränderung.“

Assange lobte aber die geheimen Informanten: „Eines unserer Ziele in den letzten vier Jahren war es immer, die Quelle, die das richtige Risiko trägt und ohne die die Journalisten nichts wären, zu loben“, so der Wikileaks-Boss.
„Wenn es tatsächlich der Fall ist, dass laut Pentagon der junge Soldat Bradley Manning hinter einigen neuen Enthüllungen steckt, dann ist er ohne Frage ein unvergleichbarer Held“, so Assange weiter.

Anti-Christ bei einer Gartenparty

Auf die Frage, was denn aus den ganzen anderen Dokumenten geworden sei, die vor der Veröffentlichung der jüngsten Depeschen auf Wikileaks zu finden gewesen seien, sagt Assange, dass ein Großteil davon noch auf mirror.wikileaks.info zu finden sei. „Der Rest wird so schnell wie möglich wieder eingestellt, wenn wir die Zeit gefunden haben, die technischen Herausforderungen anzugehen. Seit April haben wir unseren Zeitplan auf die Handlungen von Teilen der US-Regierung gegen uns ausgerichtet. Aber lassen Sie mich Ihnen versichern, dass ich sehr unglücklich bin, dass die Ergebnisse von dreieinhalb Jahren Arbeit von mir und anderen für die Öffentlichkeit nicht so einfach zugänglich sind.“

Im Chat spricht der Wikileaks-Chef ebenfalls über sein Heimweh nach Australien. „Ich vermisse mein Land sehr. Aber in den vergangen Wochen haben die australische Ministerpräsidentin Julia Gillard und der Bundesstaatsanwalt Robert McClelland erklärt, dass meine Rückkehr nicht nur unmöglich wäre, sondern, dass sie aktiv der US-Regierung helfen, mich und meine Leute zu attackieren“, antwortete Assange auf eine entsprechende Leseranfrage.

Auch seltsame Anfragen bekommt Wikileaks-Chef Assange seinen eigenen Angaben zufolge immer wieder, beispielsweise über Ufos und Außerirdische. „Viele Spinner berichten uns von Ufos und wie sie entdeckt haben, dass sie der Anti-Christ sind, während sie mit ihrer Exfrau auf einer Gartenparty über Topfpflanzen gesprochen haben.“ Allerdings gibt Assange zu, dass in bisher unveröffentlichten Teilen der Geheimdokumente durchaus Äußerungen über Ufos zu finden sind.

Hier geht es zu den Antworten von Julian Assange: http://www.guardian.co.uk/world/blog/2010/dec/03/julian-assange-wikileaks

 
 

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