Wie peinlich – von Stefan Schulte

Stefan Schulte

Sich das staatliche Glücksspiel-Monopol zurechtzubiegen, ist eine Sache. Und wenn Gerichte absurde Urteile fällen müssen, damit die Einnahmen als sauber verbucht werden dürfen – bitte sehr. Doch wenn es nötig wird, dafür Budenbesitzer und Arbeitslose auf alberne Weise in Haftung zu nehmen, darf man mal ins Grübeln kommen.

Der Hinweis sollte müßig sein, aber hier muss er wohl einmal aufgeschrieben werden: Kein Tabakladenverkäufer, der nebenbei Lottoscheine und Oddset-Wetten verkauft, sieht seinen Kunden an, ob sie arbeitslos sind. Dass sie sich Hartz IV auf die Stirn
filzen, wird nicht öfter vorkommen als jetzt. Buden rechtlich zu verbieten, wissentlich Sportwetten an Arbeitslose zu verkaufen, heißt praktisch: Macht weiter wie bisher.

Es wird auch niemand ernsthaft behaupten wollen, Arbeitslose vor ihrer Spielsucht bewahren zu können. Dann müsste man neben jeden Spielautomaten in jeder Kneipe einen Beamten setzen. Erwischt er einen Hartz-IV-Empfänger beim Verzocken der Staatshilfe, kann er ihm bei der Gelegenheit auch gleich das Bier wegnehmen. Aber hier geht es nicht um die Arbeitslosen, sondern um ein Feigenblatt für des Staates Monopol.