Wie Pater Beda zum Sammeln kam

Bei den ersten Sammlungen packte üater Beda auch noch selbst tatkräftig mit an. Fotoreproduktionen aus dem Buch 75 Jahre Pater Beda
Bei den ersten Sammlungen packte üater Beda auch noch selbst tatkräftig mit an. Fotoreproduktionen aus dem Buch 75 Jahre Pater Beda
Foto: Pater Beda

Holzwickede.. Nein, das Sammeln von Altpapier hat er nicht erfunden. Aber in den 80er Jahren war Pater Beda, mit seinem Helferkreis der größte Papiersammler Deutschlands: „Damals haben wir bisn zu 200 000 t Altpapier im Jahr gesammelt“, erzählt Pater Beda. Soviel bekommen seine Helfer inzwischen nicht mehr zusammen. Doch 60 t Papier haben sie auch dieses Jahr wieder allein in Holzwickede zusammengetragen – trotz blauer Tonne und eines abgebrannten Sammelcontainers bei der Sammlung vorigen Monat. Damals wie heute sammelt Beda für die Entwicklungshilfe in Brasilien.

Angefangen hat alles vor 46 Jahren in Hemer, wohin die Familie des gebürtigen Opherdickers gezogen war. Pater Beda war damals auf Heimaturlaub auf Brasilien. Mit einigen Jugendlichen fuhr er durchs Hönnetal. „Als wir an bei Tönnesmann in Lendringsen vorbeikamen und die Papierhaufen auf dem Gelände sahen, meinte einer der Jungs: ,Könnten wir nicht auch Papier sammeln?’“, erzählt Beda: „Wir hielten an und fragten bei der Papierfabrik nach – so fing alles an.“ Für die erste Sammlung in Hemer fuhr Bedas Bruder noch mit dem Trecker über die Dörfer. „Bei unserer ersten Sammlung sind wir noch sechs Wochen lang durch Hemer gefahren und haben 5 t zusammen bekommen“, erinnert sich Beda. „Damals sammelte ja noch keiner Papier. Die Idee war ganz neu.“

Im Januar/Februar 1964 sammelte Pater Beda das erste Mal auch in seiner alten Heimat – angeregt durch den Opherdicker Pastor Willeke und seinen Holzwickeder Kollegen Pastor Wandrowitz. „Bei uns holen die Messdiener alles ab“, hatte ihm der versprochen – und Wort gehalten. Das Papier wurde im Keller des Jugendheims hinter der Gaststätte Zur Glocke gebunkert. Unvergesslich bleibt Beda ein Vorfall bei dieser ersten Sammlung, der zum Glück glimpflich ausging: „Ein Junge geriet beim Umpacken auf der matschigen Böschung ins Rutschen und fiel durch Scheibe.“

Drei bis vier Tonnen Papier brachten die ersten Sammlungen in der Emschergemeinde - das beste Ergebnis waren später einmal 100 t.

In den Jahren danach warb Pater Beda unermüdlich in Städten, Gemeinden, Vereinen und Schulen für seine Idee und die Sammlungen - bis heute mit großem Erfolg. In den Blütejahren sammelte sein Helferkreis in 62 Städten und Gemeinden des Ems-, Oldenburger-, Münster- und Sauerlandes Papier und Textilien. Waren es anfangs nur ein paar sind es heute Tausende Helfer, darunter auch bekannte wie Nationalkicker Christoph Metzelder, der in Haltern als Messdiener für ihn Papier sammelte oder der aktuelle Beauftragte für die Weltkirche der Diözese Münster.

Schnell überstiegen die gesammelten Papiermengen die Kapazität der kleinen Fabrik Tönnesmann. „Da sind wir zu Himmelmann nach Fröndenberg gewechselt, wo wir einen Gleisanschluss hatten.“

Heute, im Zeitalter der Blauen Tonnen, vermarktet Pater Beda kein Papier mehr. Seine Helferkreise haben meist feste Abnahmeverträge mit Kreisen und Verbänden. „Im Emsland sammeln wir sogar über die Blaue Tonne“, sagt Pater Beda.

Immer wieder ist ihm und seinen Helfern in den fast 50 Jahren auch Kurioses widerfahren: „Ich erinnere mich an eine ganz tragische Sache, da hatte eine Mutter versehentlich die Examensarbeit ihrer Tochter bei uns im Altpapier entsorgt“, so Pater Beda. „Damals kamen unsere Waggons bei der Papierfabrik in Arnsberg an. Da standen die Eltern dann und haben stundenlang die Altpapierberge durchsucht - leider vergeblich.“ Ganz typisch auch Bedas alter Mathe-Lehrer aus Unna, der seine alten Anzüge, die seine Frau heimlich entsorgt hatte, aus der Sammlung zurückholte, als er dies bemerkte. „So etwas erleben wir immer wieder“, schmunzelt Pater Beda.

WR-Serie „Geschichte(n) aus Unna“

 
 

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