Wertvolles Archiv an die Stadt

Udo Schnücker
Bürgermeister Klaus Peter Sasse und Mitarbeiterin Monika Arens nehmen die Ordner mit den umfangreichen Ergebnissen der Ahnenforschung von Wolfgang Lampe (r.) in Empfang.
Bürgermeister Klaus Peter Sasse und Mitarbeiterin Monika Arens nehmen die Ordner mit den umfangreichen Ergebnissen der Ahnenforschung von Wolfgang Lampe (r.) in Empfang.
Foto: Udo Schnücker

Neuenrade. Wolfgang Lampe ist so etwas wie ein „freiwilliger Ahnenforscher“. Seit Jahrzehnten ist er wie ein Detektiv auf Spurensuche, wenn es um Namen geht, die irgendwie mit seiner Heimat Neuenrade in Verbindung gebracht werden können. Wenn es zu klären gilt, was für einen Berufsstand der Vorfahre hatte, wen er ehelichte, wie viele Kinder aus der Ehe hervorgegangen sind, wo und wann derjenige getauft oder gestorben ist.

Jetzt hat der inzwischen 88-Jährige, ein Hönnestädter Urgestein vom Scheitel bis zur Sohle, die Ergebnisse seiner Forschungsarbeit in 26 prall gefüllten Ordnern und sieben Schnellheftern an Bürgermeister Klaus-Peter Sasse übergeben mit der Übergabe seiner sorgfältigen Recherchen hat er maßgeblich dazu beigetragen, dass Stadtarchiv zu vervollständigen.

Wolfgang Lampe hat viele Anfragen von Menschen erhalten, die aus unterschiedlichsten Gründen auf der Suche nach ihren Vorfahren waren, teilweise auch nur den eigenen Familienstammbaum vervollständigen wollten. Immer dann, wenn diese Menschen mit der familiären Recherche nicht voran kamen, war das Wissen des Neuenraders gefragt, der mit viel Ausdauer und Akribie Licht ins Dunkel der Familienchronik brachte.

Wolfgang Lampe steckte seine Nase buchstäblich in alte Kirchenbücher, in denen über Jahrhunderte dokumentiert ist, wer mit dem Klerus aus welchen Gründe auch immer in Kontakt gekommen war.

Es war keine leichte Aufgabe, die Wolfgang Lampe bewältigte, teilweise hatte der Zahn der Zeit an den Kirchenbüchern genagt, die Tinte war blass geworden, Wörter und Buchstaben waren ebenso wenig zu lesen, wie die Schrift selbst. Aber Wolfgang Lampe wäre nicht er selbst gewesen, wenn er dieses Puzzele nicht wie ein Mosaik zusammengesetzt und wie ein Detektiv gearbeitet hätte.

Er wälzte Kirchenbücher, die teilweise bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts zurück gingen, suchte die Mithilfe des jeweiligen Pastors. Oder er stöberte in der Neuenrader Bürgerliste, wo Namen, Eheschließungen, Taufen und Beerdigungen von 1655 bis 1940 festgehalten waren.

Der Neuenrader Ahnenforscher („... das ist spannend!“) ließ nicht locker, wenn er einen Ansatz zum Namen gefunden hatte. Er kontaktierte Stadtarchive, die Zivilstandsregister oder das Personenstandsarchiv in Detmold. Manche externe Recherchen waren nur gegen Gebühr zu bekommen, die Lampe zunächst aus eigener Tasche zahlte, später beteiligte sich die Stadt Neuenrade an den Kosten, auch im Rathaus bestand großes Interesse an dem Ergebnis der ehrenamtlichen Arbeit des Neuenraders.

Zu seinen Ansprechpartnern zählte auch der ehemalige Ortsheimatpfleger Ludwig Kappe (†). Kappe, ein Experte und Insider der Neuenrader Geschichte, gab aus seinem Fundus manchen Hinweis. Das war auch der Zeitpunkt, an dem sich Wolfgang Lampe nebenher als Heraldiker (Wappenkundler) betätigte, denn es gibt Neuenrader Namen, die sich in einem Wappen wieder finden.

Was machte Wolfgang Lampe zum Ahnenforscher? Der Senior, Jahrgang 1923, lächelt etwas verschmitzt, denkt nach. Dann erzählt er von seiner Schulzeit zur Zeit des III. Reiches. Damals wurden alle Schüler seiner Klasse aufgefordert, einen Stammbaum zu erstellen, „....aus dem Ahnen und Vorahnen zu ersehen waren.....aber kaum einer wusste etwas...“ Dann der 2. Weltkrieg, Wolfgang Lampe wurde eingezogen zur Luftwaffe - hatte Glück und überlebte, kam wieder nach Hause.

Und er erinnerte sich an den Stammbaum, den er mangels Wissen nicht richtig erstellen konnte. Wolfgang Lampe schritt zur Tat, zuerst mit seinem eigenen Familiennamen, forschte nach seinen Vorfahren und bekam erste Hinweise von Ludwig Kappe. Danach wurden es viele Namen, nach deren Vergangenheit Wolfgang Lampe geforscht hat. Zum Teil kam weniger erfreuliches ans Tageslicht, wenn ehemalige jüdische Mitbürger ihn auf der Suche nach den Vorfahren um Mithilfe baten.

Namen wie Bleibetreu, Katz oder Alterauge wurden angefragt und erforscht, Wolfgang Lampe konnte mit Infos helfen. Und positive Erlebnisse sind ihm in Erinnerung: Er wurde zur Taufe eines Nachkommen der anfragenden Familie eingeladen.

Die hobbymäßige Ahnenforschung von Wolfgang Lampe hat Anerkennung gefunden, die Menschen sind ihm dankbar, dass er mit Infos helfen kann, die sie selbst wahrscheinlich nicht bekommen hätten. Selbst Behörden (natürlich auch die Stadt Neuenrade) suchten und fanden seine Mithilfe. Anfragen zur Abstammung, die im Rathaus nicht beantwortet werden konnten, wurden an Wolfgang Lampe weitergeleitet, der fast den Status eines „freien städtischen Mitarbeiters“ erhielt.

505 Familienblätter hat der Neuenrader handschriftlich aus Kirchenbüchern abgeschrieben, insgesamt hat er in 6535 Fällen Ahnenforschung betrieben. Seine Recherchen hat er sorgfältig aufgezeichnet, in Ordnern gesammelt und fein säuberlich abgeheftet. Selbst mit dem „Kollegen Computer“ hat er sich zwangsläufig, aber erst nach Eintritt in seinen Ruhestand angefreundet, um Ergebnisse daten- und zeitgemäß zu erfassen. Jetzt ist es das Alter, dass ihn in seiner Arbeit hat ruhen lassen - aber eine Herzenssache war es für Wolfgang Lampe, seine Ahnenforschung der Stadt zur Verfügung zu stellen.

Bürgermeister Klaus-Peter Sasse würdigte bei der Übergabe die als Hobby doch sehr ungewöhnliche Forschungsarbeit des bekannten Neuenrader „..... als Verpflichtung uns gegenüber und mit dem Versprechen, dass wir deine Arbeit hegen und pflegen werden“. Und wie es bei einer Behörde üblich ist, wurde die Aushändigung der Aktenordner korrekt festgehalten: Es wurde ein Übergabeprotokoll angefertigt - mit Durchschrift für Wolfgang Lampe.