Werner Kern tauscht Ratssitz gegen Gartenstuhl

Jens Schopp
Foto: Henryk Brock

Unna/Frömern. „Ich misch mich nicht mehr woanders ein. Ich glaube, ich habe mein Soll erfüllt“, sagt Werner Kern. Unnas ehemaliger Jugendamtsleiter und späterer Sozialdezernent hat politisch in der Nachbarstadt Fröndenberg gewirkt. 20 Jahre lang saß er dort im Rat,davon war er 17 Jahre lang Vorsitzender der SPD-Fraktion. Drei Bürgermeister hat er in den Jahren bis 2004 erlebt. Willi Demmer (SPD), Christa Büscher (CDU) und als ersten hauptamtlichen Bürgermeister Egon Krause (SPD). „Es waren spannende Jahre“ erinnert sich der 71-Jährige. Viele Dinge seien in der Zeit in Fröndenberg gestaltet worden. Beispielsweise die Neugestaltung des Himmelmann-Geländes, die Brücke über die Bahn nach Menden, der Bau der neuen Mitte auf dem alten Union-Gelände oder der Kunstrasenplatz in Frömern. Nicht zu vergessen, die beiden Golfplätze. Es sei aber auch was schief gelaufen: „Das Krankenhaus hätte nie gebaut werden dürfen“, sagt Werner Kern heute. Anfang der 80er Jahre rutschte die Klinik auf dem Hirschberg in die Pleite. Nachdem Übernahmen durch private Betreiber gescheitert waren, richtete das Land NRW dort seine Justizklinik ein. „Wenn es ein konfessionelles und kein städtisches Krankenhaus gewesen wäre, würde es heute noch in Betrieb sein“, so Kern.

In Unna begann er 1975 bei der Stadtverwaltung. Als Jugendpfleger kümmerte er sich inner- und außerhalb des Rathauses. Bereits 1979 übernahm er die Leitung des Jugendamtes. Schließlich wurde er bis zum Ausscheiden aus dem Dienst bei der Stadt Unna im Jahr 2002 Sozialdezernent.

Das politische Geschäft vermisst Werner Kern nicht. „Warum sollte ich das. Ich habe selbst bestimmt, wann ich aufhöre“, sagt er. Heute verbringt er viel Zeit im Garten und wandert auch gerne. Ab und zu besucht er noch Sitzungen der aktuellen SPD-Ratsfraktion. „Dabei höre ich aber nur zu.“ Zu seiner Zeit habe es Fröndenberg noch geschafft, die Finanzen nach der Krankenhauspleite in Ordnung zu bringen. „Heute kann man doch gar nicht gegen die gesetzten Rahmenbedingungen ansparen“, sagt der Ex-Kommunalpolitiker.