Wer legte die Bomben?

Foto: AFP

Jakarta. Steckt hinter den Anschlägen von Jakarta das indonesische Militär? Die WAZ sprach darüber mit Ingo Wandelt, Südostasienwissenschaftler an der Goethe-Uni Frankfurt und Beobachter der indonesischen Streitkräfte.

Steckt hinter den Anschlägen von Jakarta das indonesische Militär? Die WAZ sprach darüber mit Ingo Wandelt, Südostasienwissenschaftler an der Goethe-Uni Frankfurt und Beobachter der indonesischen Streitkräfte.

"Ich halte es nicht für sehr wahrscheinlich, dass die Streitkräfte und der Ex-General Prabowo hinter diesen Anschlägen stecken. Für diese These spricht allerdings, dass Prabowo in den 90-er Jahren Leiter der Heerespezialkräfte „Kopassus” war. Diese Einheiten wären auch in der Lage, solche Bomben zu zünden. Das Netzwerk zwischen Prabowo und „Kopassus” gibt es mit Sicherheit noch", sagt Ingo Wandelt. Es sei auch nie mit letzter Sicherheit geklärt worden, ob die Attentäter von Bali 2002 und auf das Marriott-Hotel 2003 Verbindungen zum indonesischen Militär besaßen oder nicht. Ursächlich für die Anschläge seien diese Verbindungen aber in keinem Fall gewesen.

"Anschläge helfen Regierung mehr, als sie ihr schaden"

Wandelt erinnert daran, dass die „Kopassus”-Kräfte früher den Terrorismus regelrecht „gezüchtet” hätten. Er schränkt aber auch ein: "Der derzeitige „Kopassus”-Kommandeur, Pramono Edhie Wibobo, ist der Schwiegersohn des aktuellen Präsidenten. Die Armee lässt zahlreiche Offiziere im Ausland, zum Beispiel in Australien, ausbilden. Es wird gerade eine neue Hochschule für das Militär aufgebaut, die National Defense University, in der auch einige westliche Dozenten unterrichten werden. „Kopassus” hätte also viel zu verlieren, wenn es hinter den aktuellen Anschlägen stünde. Hinzu kommt, dass die Streitkräfte eine Vielzahl neuer Waffensysteme aus dem Ausland bekommen sollen."

Für Wandelt ist es nicht unwahrwscheinlich, dass islamistische Terroristen hinter den Anschlägen stehen. Es sei bestimmt nicht sehr kompliziert, eine Bombe in diesen Hotels zu platzieren, denn Kontrollen fänden an den Eingängen praktisch nicht statt.

Wandelt: "Diese Anschläge helfen der Regierung vermutlich mehr, als dass sie ihr schaden. Der Präsident kann jetzt noch besser begründen, warum die Zusammenarbeit mit dem Ausland wichtig ist."

 
 

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