Wer diese Schockbilder sieht, soll nicht mehr rauchen

Knut Pries
Die Bilder auf den Zigarettenschachteln sollen vor Folgeschäden des Zigarettenkonsums warnen.
Die Bilder auf den Zigarettenschachteln sollen vor Folgeschäden des Zigarettenkonsums warnen.
Foto: dpa
Mit Bildern, die die gesundheitlichen Auswirkungen des Rauchens zeigen, will die EU Raucher von ihrem Laster abschrecken. Nun wurden die Motive vorgestellt. Eine Studie will belegt haben, dass Maßnahme wirkt - zumindest in Australien.

Sydney. Die EU ist dabei, die Vorschriften für Zigarettenpackungen zu verschärfen. Noch im Frühjahr soll die Neufassung der Tabakproduktrichtlinie definitiv verabschiedet sein. Doch schon jetzt ist klar, was ab Mitte 2017 (zwei Jahre Umsetzung in nationales Recht, ein Jahr Übergangsfrist für die Hersteller) auf den Schachteln zu sehen sein wird.

Neben kurzen Warnbotschaften („Rauchen kann Dein ungeborenes Kind töten!“) gibt es, großflächiger als bisher, Horror-Bilder: von der Raucherlunge bis zum Nikotinkrüppel-Embryo. Weil die Text-Zeilen ergänzt und geändert werden, arbeitet die EU-Kommission derzeit auch an neuen Schockbildern, die im Laufe des Jahres fertig sein sollen. Denn das Foto muss thematisch zum jeweils abgedruckten Text passen. Wenn also vor Lungenkrebs gewarnt wird, muss das Foto eine entsprechende Erkrankung zeigen. Zusammen müssen beide Elemente mindestens 65 Prozent der Packungsoberfläche abdecken.

Solche Verpackungen mit abschreckenden Bildern haben laut einer Studie in Australien positive Wirkungen im Kampf gegen den Tabakkonsum. Die Zahl der Anrufe bei der Telefon-Hotline "Quitline" habe seit Einführung dieser Verpackungen im Oktober 2012 um 78 Prozent zugenommen, heißt es in der von der Fachzeitschrift "Medical Journal of Australia" veröffentlichten Studie. "Quitline" bietet Menschen Hilfe, die mit dem Rauchen aufhören wollen.


Seit Oktober 2012 dürfen Zigaretten in Australien nur noch in einheitlich schlammfarbenen Schachteln mit großflächigen Bildern von Krebsgeschwüren oder Raucherlungen verkauft werden. Der Markenname findet sich nur noch klein und unauffällig auf den Schachteln.

Positiver Effekt nachgewiesen

Die Untersuchung bezieht sich auf die Bevölkerung des Bundesstaates New South Wales und den australischen Hauptstadtdistrikt. Die Zahl der Anrufe stieg laut Studie von 363 pro Woche vor der Einführung der neuen Verpackungen auf 523 bis 780 in der Zeit danach. Der Untersuchungszeitraum ging bis April 2013.


Die Ergebnisse wurden auch mit einer Analyse nach der Einführung grafischer Warnhinweise auf den Zigarettenpackungen im März 2006 verglichen. Heraus kam, dass damals die Zunahme der Anrufe zunächst ähnlich stark war, der Effekt aber nicht so lange anhielt.


"Dies ist die erste faktenbasierte Studie, die zeigt, dass diese Verpackungen einen positiven Effekt auf das Ausstiegsverhalten hatten", sagte Mayanne Lafontaine, die beim Krebsforschungsinstitut des Bundesstaates New South Wales das Antitabakprogramm leitet. "Dies sollte Ländern wie dem Vereinigten Königreich Zuversicht geben, solche Programme ebenfalls einzuführen", fügte sie hinzu.

Niedrigste Raucherquote der Welt

Die Studie war von dem Krebs-Institut in Auftrag gegeben worden. Der britische Premierminister David Cameron hatte zunächst angekündigt, dem australischen Beispiel zu folgen. Er machte dann aber einen Rückzieher und sagte, es gebe keinen Beweis, dass diese Verpackungen wirklich mehr Menschen dazu brächten, mit dem Rauchen aufzuhören.


In Australien rauchen nur 16 Prozent der Erwachsenen, eine der niedrigsten Raten auf der Welt. Tabakkonzerne waren bis vor das höchste australische Gericht gezogen, um die Verpackungsgesetze zu kippen, scheiterten dort aber.