Wenn Schüler und Lehrer Facebook-Freunde sind

Dennis Betzholz
Jugendliche surfen im Internet und sind süchtig danach
Jugendliche surfen im Internet und sind süchtig danach
Foto: Ingo Otto/WAZ FotoPool

Dortmund. Dürfen Schüler und Lehrer auf Facebook befreundet sein? An der Dortmunder Karlschule haben die Lehrer dafür Regeln aufgestellt: Schülerfreundschaften sind nur erlaubt, wenn sich der Lehrer dafür ein zweites Profil anlegt. Nicht alle sind begeistert.

Es ist schon eine ganze Weile her, da gab Marie-Theres Johannpeter dem Wunsch von – nennen wir ihn mal – Tim nach und akzeptierte seine Freundschaftsanfrage. Sie sind nun Facebook-Freunde, teilen fortan private Fotos, intime Einträge von realen Freunden und persönliche Daten. Vermutlich würde in Zeiten sozialer Vernetzung niemand aufhorchen, handelte es sich bei den Personen nicht um: eine Lehrerin und ihren Schüler. Johannpeter, tätig an der Karlschule in Hamm, ist nur ein Fallbeispiel für eine Debatte, die derzeit in so gut wie jedem Lehrerzimmer geführt wird. Sie rankt sich um die Frage: Wie eng darf das persönliche Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern sein, ohne an Autorität zu verlieren?

„Das ist derzeit ein großes Thema“, bestätigt Dagmar Missal von der Medienberatung des NRW-Schulministeriums. Sie erhält immer häufiger Anfragen von verunsicherten Lehrkräften, die nicht wissen, wie sie auf Anfragen aus der Schülerschaft reagieren sollen. „Letztlich muss jeder für sich entscheiden, ob er Privates und Dienstliches vermischen will“, sagt Missal. Hauptschullehrerin Marie-Theres Johannpeter hat sich dafür entschieden – aus pädagogischen Gründen. „Wir sind für die Schüler eine Erziehungsbeihilfe und irgendwie auch Sozialarbeiter. Dank Netzwerken wie Facebook können wir auch hinter die Fassade gucken“, sagt Johannpeter. Ihre Kollegin Nicole Glahe-Assauer sieht das anders: „Es bietet Tür und Tor für Verunglimpfungen, zumal einige Fotos sehr in die Privatsphäre hineingehen. Und: Müssen meine Schüler wissen, was ich gerade tue?“

Schülerfreundschaften nur auf dem Zweitprofil

Auf einer Lehrerkonferenz berichteten die beiden Lehrerinnen kürzlich von der Problematik. Seitdem gilt die schulinterne Regel: Nur wer ein zweites Profil anlegt, darf Schüler in seinen virtuellen Freundeskreis aufnehmen. „Bei dieser Konferenz wurde deutlich, dass viele ältere Kollegen gar nichts über diese Parallelwelt und dessen Schwierigkeiten wussten“, sagt Johannpeter.

Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Lehrerverbandes Bildung und Erziehung, fasst es kurz und knapp zusammen: „Das muss jeder Lehrer für sich abschätzen. Ich plädiere allerdings für eine professionelle Distanz.“

Doch die Gefahr, diese Distanz aufzugeben, beschränkt sich nicht nur auf die Lehrerschaft, weiß auch Marie-Theres Johannpeter: „Manchmal würde ich mich als Kind schämen, wenn mein Lehrer sehen würde, was ich so am Wochenende getrieben habe.“ Denn ob Party- oder Kuschelfotos – Peinlichkeiten lauern hinter jedem Klick.

Im US-Bundesstaat Missouri dürfen Lehrer und Schüler nicht Freunde sein

„Wir brauchen klare Richtlinien. Die Landesregierung muss sich Gedanken darüber machen, ob eine Vernetzung von Schülern und Lehrern in sozialen Netzwerken gewünscht ist – egal wie die Entscheidung ausfällt“, sind sich die Lehrerinnen der Karlschule einig. Eine Entscheidung sei wichtig, sagt sie. Für Lehrer und Schüler.

In den USA ist man da schon ein wenig weiter: Der US-Bundesstaat Missouri verabschiedete kürzlich ein Gesetz, dass Lehrern verbietet, sich mit Schülern bei Facebook und Co. zu befreunden.