Wenn der Zug steht, hilft die Fahrgemeinschaft

Melanie Bergs

Essen. Statt lange auf Züge zu warten, können streik-geplagte Pendler im Internet nach Fahrgemeinschaften suchen. Inzwischen gibt es zahlreiche Portale. Die Anmeldung ist meist unkompliziert. Doch Verbraucherschützer warnen vor kostenpflichtigen Angeboten.

Für Berufspendler gibt es eine Alternative zu langen Wartezeiten auf zugigen Bahnsteigen. Wer das Streik-Chaos im Nah- und Fernverkehr meiden und trotzdem günstig und schnell zur Arbeit kommen möchte, kann nach einer Fahrgemeinschaft suchen. Daumen-Schwenken am Straßenrand ist nicht nötig. Inzwischen gibt es im Internet zahlreiche Portale, auf denen Fahrer und Mitfahrer zueinander finden können. Natürlich bestehe keine Garantie auf eine Mitfahrgelegenheit. „Aber gerade bei Streiks im Nahverkehr steigen die Chancen, da sich mehr Leute nach Ausweichmöglichkeiten umsehen“, sagt Stephan Soll von der Verbraucherzentrale NRW.

Der Verbraucherschützer empfiehlt für NRW die Portale Mitpendler.de und NRW.Pendlernetz.de. „Das sind absolut seriöse Angebote“, sagt Soll. Hier wird für die Anmeldung keine Gebühr fällig. Und bei beiden Diensten sitzen Städte und Kreise in NRW mit im Boot. Von kostenpflichtigen Portalen rät der Verbraucherschützer dagegen ab.

„Alle Insassen mitversichert“

Mitpendler.de ist sogar ein Projekt des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr (VRR). Hier werden neben der Mitfahrgelegenheit auch Bus- und Bahn-Verbindungen ermittelt, falls der Fahrer nicht direkt an der Haustür vorbeikommen kann. Das NRW-weite Angebot besteht seit Anfang des Jahres. Der VRR arbeite inzwischen mit 32 Städten und Kreisen zusammen, sagt Sprecherin Concetta Wilhelm.

Die Portale eignen sich auch für Pendler, die spontan nach Fahrern oder Mitfahrern suchen. In der Regel geht die Anmeldung schnell. Nach wenigen Minuten werde die Registrierung per E-Mail bestätigt, versichert VRR-Sprecherin Wilhelm. Rechtlich entstehen für den Fahrer zudem keine Probleme. „Die Kfz-Haftpflichtversicherung umfasst alle Insassen“, sagt Elke Hübner, Verbraucherschutz-Expertin beim Automobilclub ADAC Nordrhein. Sämtliche Kosten für die Fahrt werden gleichmäßig aufgeteilt. Pro Kilometer müsse man je nach Fahrzeugtyp mit 30 Cent bis zu einem Euro rechnen, sagt Hübner.

Ein Schloss für „sichere Nutzer“

Beim Gedanken an Auto-Fahrten mit fremden Menschen könnte es manchem jedoch mulmig werden. Ein gewisses Risiko sei natürlich nie ganz auszuschließen, sagt Verbraucherschützer Soll. Doch im Gegensatz zum Trampen seien bei Fahrgemeinschaften keine Straftaten bekannt. Die Portale verlangen in der Regel Name, Adresse und Telefonnummer der Nutzer. Bei den meisten Diensten können die Fahrer zudem bewertet werden. Mehr Sicherheit verspricht der ADAC-Mitfahrclub. Hier können sich als Fahrer nur ADAC-Mitglieder anmelden. Beim Pendlernetz NRW gibt es zudem den „sicheren Nutzer“, der durch ein Schloss-Symbol besonders hervorgehoben wird. Sichere Nutzer haben eine Kopie ihres Personalausweises hinterlegt.

Für alle streik-geplagten Pendler hält die ADAC-Expertin zudem ein Trostpflaster bereit: Sie könnten das Ganze auch als Chance begreifen, sagt Hübner. Letztendlich könnte sich die Fahrgemeinschaft für einige sogar als preiswertere und schnellere Alternative herausstellen. Und ein bisschen hat man es dann auch selbst in der Hand, ob der Fahrer streikt oder nicht.