Well, ein Mann mit großer Menschen-Kenntnis

Prof. Martin Eimer und die Queen
Prof. Martin Eimer und die Queen
Foto: WR

Bergkamen.. Sein Abitur machte er 1978 am Bergkamener Gymnasium. Inzwischen angesehener Wissenschaftler und Inhaber der britischen Staatsbürgerschaft, wird es Martin Eimer wohl verschmerzen, Ende April nicht zu den Gästen bei der Hochzeit von William und Kate zu zählen. Schließlich hat er von Williams Oma schon mal einen Preis überreicht bekommen: Elizabeth II. zeichnete den Psychologen 2006 im Buckingham-Palast mit dem „Queen’s Anniversary Prize for Excellence in Higher and Further Education“ aus. Eimers Spezialität: das menschliche Hirn samt Irrungen und Wirrungen.

Eimer hatte schon so einige Stationen absolviert, bevor es ihn auf die Insel verschlug. Biologie-Studium in Münster, Psychologie-Studium in Bielefeld: so weit, so unspektakulär. Er machte sein Diplom, schrieb seine Doktorarbeit über ein philosophisches Thema (ganz allein übrigens, und mit ordentlich gekennzeichneten Zitaten; in Deutschland muss man das in diesen Tagen ja extra dazu sagen). 1990 bis 1997: Assistenten-Stelle in München. Und dann: „Der Ruf der University of Cambridge“ – jawohl: Die weltweit renommierte Bildungsstätte wollte ihn haben. Drei Jahre blieb er dort, bis 2000: Da wurde Martin Eimer Psychologie-Professor in London, am Birkbeck College.

Die Briten sind bekannt für ihr Understatement. Kein Wunder also, dass auch Eimer im Gespräch eher nebenbei fallen lässt, in der Hirnforschung sei London – und damit der aus Bergkamen stammende „Prof“ – weltweit führend. Eimer hat ein Institut aufgebaut, das Fragen der Wahrnehmung, der Aufmerksamkeit, des Erkennens erforscht.

Auf Tuchfühlung
mit den Fußballern

Ein herausragendes Thema: die Gesichtsblindheit. Im Gehirn sei für Gesichter eine bestimmte „Abteilung“ zuständig, erklärt Eimer. Wenn diese Abteilung streikt, kommt es zu merkwürdigen Phänomenen. Eimer erinnert sich an einen Mann, der Automodelle anhand von Details einem Baujahr zuzuordnen vermochte – nicht aber in der Lage war, seinen Sohn zu erkennen. Jedenfalls nicht am Gesicht. England ist ein Land, dem Deutsche gern eine Portion Skurrilität nachsagen. Aber: „Die Leute hier sind genauso wie in Deutschland“, findet Eimer, der mit einer Engländerin verheiratet ist und sich in seiner neuen Heimat rundum integriert fühlt. Vielleicht manchmal ein bisschen zu integriert – sein Haus ist 300 Meter vom Arsenal-Stadion entfernt, „ich weiß immer sofort, wenn die ein Tor geschossen haben“. Engländer und Deutsche seien „vom selben Stamm“, ist Eimer überzeugt, und daran, dass er als Deutscher von manchen Engländern leidenschaftlich gern auf den Zweiten Weltkrieg angesprochen wird, hat er sich auch längst gewöhnt – sich in den 90-er Jahren als „Assi“ an der Uni München mit den Bayern anzufreunden, sei schwieriger gewesen.

 
 

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