Weiter mit Plan A

Knut Pries

Sind wir noch bei Plan A oder schon bei Plan B? Wird noch um die Rettung des Pleitestaates Griechenland gerungen, oder sind das letzte Vorbereitungen für den Staatsbankrott?

Das Untergangsszenario leuchtet dem genervten Beobachter eher ein: Es entspricht der Erfahrung – seit Beginn der Krise versuchen die politischen Entscheider den moribunden Patienten mit frommen Worten gesund zu beten: Wer sagt, dass Athen überhaupt Hilfe von außen braucht? Wenn doch, dann nicht viel, denn die griechische Volkswirtschaft fällt in der EU-Zone kaum ins Gewicht. Die Griechen tun bei der „Operation Enger Gürtel“, was sie können! Schön wär’s.

Wo so viel Zuversicht verbreitet wird, argwöhnt der Bürger besonders gern, dass die Zeichen in Wahrheit auf Katastrophe stehen. Und unter den Politikern finden sich Wichtigtuer, die sich auf die Bereitschaft, dem Publikum angeblich reinen Wein einzuschenken, etwas zugute halten. Außerdem hat der Abgrund bekanntlich seine eigene Anziehungskraft – nicht schön, aber sexy.

Trotzdem spricht mehr dafür, dass die quälende Sanierung des Staates Hellas weiter dem alten Kurs folgt. Die Vorstellung von der hohen Brandmauer, hinter der die Schrott-Bude Griechenland zusammenkracht, ohne dass die Trümmer auf die Nachbargrundstücke fliegen, ist naiv. Nicht nur aus Sicht der gefährdeten Portugiesen, Spanier oder Italiener, sondern auch nach Ansicht von Experten wie Bank-Chef Ackermann, die von den Domino-Instinkten der Finanzmärkte etwas verstehen.

Vor allem aber: Angela Merkels Parole, dass mit dem Euro auch Europa scheitere, ist nicht einfach dahin geplappert. Es geht um ein Stück politisches Weltkulturerbe. Es geht um den Nachweis, dass die EU in der Lage ist, auch schwerere Strukturschäden zu beheben. Das ist, wie man jetzt erneut besichtigen kann, ein mühsames Geschäft. Aber es ist immer noch das Szenario, an dem gearbeitet wird. Plan A - A wie Angela Merkel.