Warum es Bulgaren und Rumänen ins Revier zieht

Großrazzia in der Dortmunder Nordstadt. Archiv-Foto: Knut Vahlensieck
Großrazzia in der Dortmunder Nordstadt. Archiv-Foto: Knut Vahlensieck
Foto: Knut Vahlensieck

Dortmund/Duisburg. Sie sind gekommen, um zu bleiben: Tausende Menschen sind vom Balkan ins Ruhrgebiet gezogen - und mit ihnen oft wachsende Prostitution und Kriminalität. Eine Arbeitserlaubnis erhalten sie selten, sie verdienen ihr Geld als Tagelöhner oder auf dem Strich.

Duisburg-Hochfeld und die Nordstadt in Dortmund. Diese Stadtteile stehen für den Zuzug von tausenden Rumänen und Bulgaren ins Ruhrgebiet – und für die Probleme, die sich daraus ergeben haben. Über wachsende Prostitution, Kriminalität und Müllberge hat die WAZ mehrfach berichtet. Aber wo liegen die Ursachen?

Für Dortmunds Rechtsdezernenten Wilhelm Steitz liegen sie auch in der EU-Osterweiterung. In einem Interview im Frühjahr sagte er, Dortmund habe bereits vor der Aufnahme Bulgariens und Rumäniens im Januar 2007 über den Deutschen Städtetag vergeblich versucht, die Bundesregierung vor den sich ergebenden Probleme zu warnen.

Die neuen EU-Bürger genießen zwar das Recht auf Reisefreiheit und Aufenthalt (mindestens drei Monate) wie Franzosen, Spanier und Griechen auch, aber nicht die ­selben Arbeitsrechte. Bis zum 31. Dezember 2013 hat Deutschland seinen Arbeitsmarkt gegen Bulgaren und ­Rumänen abgeschottet.

Keine Sozialhilfe

So lange benötigen sie eine Arbeitserlaubnis, die sie jedoch selten erhalten, aber laut Auskunft der Bundesagentur für Arbeit auch selten beantragen. Selbstständig machen können sie sich jedoch sofort – und bleiben es somit auch. Deswegen ziehen jährlich immer mehr Menschen vom ­Balkan nach Deutschland. Aus Bulgarien kamen nach Angaben des Statistischen Bundesamts 2006 noch 7655 Menschen, im vergangenen Jahr waren es schon 39 387.

Bei den Rumänen stieg die Zahl im selben Zeitraum von 23 844 auf 74 585, viele davon beruflich gering qualifizierte Sinti und Roma. In Duisburg leben 4000 Mitglieder dieser in ihrer Heimat diskriminierten Volksgruppe, in Dortmund waren es bis zur Schließung des Straßenstrichs im Mai allein 2000 Roma aus Plovdiv.

Häufig kommen sie aus wirtschaftlicher Not heraus. Die Selbstständigkeit hier sieht dann oft so aus: Die Frauen arbeiten als Prostituierte, die Männer als Tagelöhner. Anspruch auf Sozialhilfe haben sie nicht. Das gilt in Deutschland laut Sozialgesetzbuch allgemein für Ausländer, die eingereist sind, um Sozialhilfe zu erlangen oder die sich hier aufhalten, um Arbeit zu suchen.

 
 

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