Warum das Volk zu Guttenberg noch immer will

Frank Plasberg versuchte dem Phänomen Guttenberg auf die Spur zu kommen.                  Foto: imago
Frank Plasberg versuchte dem Phänomen Guttenberg auf die Spur zu kommen. Foto: imago
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Die Opposition schießt sich auf den „Schummelbaron“ zu Guttenberg ein, die Universität Bayreuth erkennt ihm den Doktortitel offiziell ab – doch in den Umfragen hält die Bevölkerung zum Verteidigungsminister. Frank Plasberg versuchte bei „Hart aber fair“ dem Phänomen auf den Grund zu gehen.

Essen.. Die Gerüchteküche im Bundestag hatte zuvor gebrodelt. Neues brisantes Material zur Kausa Guttenberg sollte im TV-Talk „Hart aber fair“ in der ARD ans Licht kommen, verlautete aus SPD-Kreisen. Dem war nicht so. Dennoch arbeitete Moderator Frank Plasberg mit seinen Gästen die Affäre um die Plagiatsvorwürfe gegen den Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg Punkt für Punkt auf.

Es war ein harter Tag für den amtierenden Verteidigungsminister: Zunächst musste sich zu Guttenberg in einer zweistündigen Debatte im Bundestag von der Opposition als Lügner bezeichnen lassen. Er selbst gab zu, in seiner Doktorarbeit erhebliche Fehler gemacht zu haben. Dann erkannte ihm die Universität Bayreuth am Abend den Doktortitel, den er zuvor schon freiwillig zurückgegeben hatte, offiziell ab. Der Verteidigungsminister habe wissenschaftliche Standards „objektiv nicht eingehalten“, strafrechtliche Konsequenzen sollten aber nicht veranlasst werden, beschloss die Universität.

Vertrauen, Respekt, Unterstützung?

Rücktritt oder nicht? Vertrauen, Respekt, Unterstützung - oder nicht? Diese Fragen wurden in den vergangenen Tagen mehrfach in den Medien gestellt. Frank Plasberg und sein Team formulierten sie so: „Der Fall des Superstars - wer glaubt noch den Politikern?“

Noch immer wirbt Karl-Theodor auf seiner Homepage mit den Slogans : „Vertrauen verpflichtet“, „Verantwortung bedeutet vor allem Verpflichtung, Vertrauen und Gewissen“ und „Richtschnur meines Handelns war und ist Prinzipienfestigkeit und Grundsatztreue“ – und die Menschen glauben es ihm noch immer, selbst wenn ihm die intellektuelle Unredlichkeit nachgewiesen ist. Nach wie vor sprechen sich in Umfragen mehr als 70 Prozent dafür aus, dass zu Guttenberg im Amt bleiben sollte. Ganz im Gegensatz zu den teils vernichtenden Urteilen einiger Journalisten.

Akademiker-Debatte über intellektuelle Redlichkeit

„Viele Menschen können mit dem Begriff „wissenschaftliches Fehlverhalten“ nicht viel anfangen“, lautet Thomas Oppermanns Erklärungsansatz. Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD hatte schon zuvor in der Aktuellen Stunde im Bundestag seinem Unmut Luft gemacht. Auch Hans Leyendecker, Volljurist und Investigativ-Chef der „Süddeutschen Zeitung“, bestätigte den Eindruck einer Akademiker-Debatte. Doch: Die Bevölkerung habe zu Guttenberg gegenüber ein „positives Vorurteil“: „Man verzeiht ihm Dinge, die man sonst niemandem verzeihen würde.“ Eben weil er sich selbst so hohen Werten verschrieben habe.

Positiv deutet naturgemäß Alexander Dobrinth, CSU-Generalsekretär, die Umfragewerte: „Die Leute erkennen: Ja, das ist ein aufrechter Umgang mit einem Fehler.“ Schließlich sei der Doktortitel nun ja bereits abgelegt. Die Strafe habe zu Guttenberg bereits erhalten. „Jetzt wollen die Menschen, dass er zum Beispiel seine Bundeswehr-Reform durchzieht.“ Auch Nikolaus Blome, Leiter des Hauptstadtstudios der Bild-Zeitung, meint: „Ich glaube nicht, dass die Leute nicht wissen, was das Vergehen war.“

Doch auch die Berichterstattung genau seiner Zeitung wird bei „Hart aber fair“ kritisiert. Mit Schlagzeilen wie „Wir finden die gutt“ und „Gut. Guttenberg bleibt“ habe die Tageszeitung das positive Image des Verteidigungsministers gefördert. Am heutigen Donnerstag titele die Bild mit den eigenen Leser-Umfrage-Ergebnissen: 87 Prozent der Bild-Leser stehen zu Guttenberg. Repräsentativ sei das nicht. Seine Zeitung habe jedoch die Kundus-Affäre und die Missstände auf der „Gorch Fock“ ans Licht gebracht, kontert Blome.

Über Toleranzgrenzen

Die Menschen seien zu einem gewissen Grade tolerant, ordnet Präses Nikolaus Schneider die Umfrage-Werte weiter ein. Doch es gäbe eine Grenze des Verständnisses.

Wie weit diese Toleranzgrenze geht, wird sich zeigen, wenn mehr Details zur Schummel-Affäre zu Guttenbergs bekannt werden. Es gebe „bestimmte Hinweise“ auf einen Ghostwriter der Doktorarbeit, berichtet „Süddeutsche“-Redakteur Leyendecker, bleibt aber nebulös. Fest steht: Weitere Details zu den Plagiatsvorwürfen werden kommen. Es wird sich zeigen, wie tolerant und vertrauensselig das deutsche Volk bleibt.

 
 

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