Warenhaus für Wertarbeit

Ulf Meinke

Es gibt sie noch, die guten Dinge.“ So lautet der Leitspruch von Manufactum. In dem Satz schwingt mit, früher sei vielleicht nicht alles, aber vieles besser gewesen als heute. Im aktuellen Warenkatalog zitiert Manufactum den Firmengründer Thomas Hoof, der vor mehr als 20 Jahren die kurze Lebenszeit der Gegenstände beklagt, mit denen wir täglich umgehen. Es gebe kaum ein Qualitätsprodukt, das nicht durch jämmerlich schlechte, aber viel billigere Nachahmungen gefährdet sei.

Die These sei nach wie vor aktuell, meint Manufactum-Geschäftsführer Manfred Ritter. „Viele Produkte, die nach hergebrachten Standards hergestellt werden, sind besonders gebrauchstüchtig, langlebig, reparierbar und damit auch umweltverträglich.“ Etwa Haushaltswaren, Möbel, Kleidung und Lebensmittel. Ist das nicht ein bisschen viel Kulturpessimismus? „Uns leitet nicht ein verklärter Blick auf vergangene, angeblich bessere Zeiten“, beteuert Ritter. „Wir wollen Antworten auf Fragen von heute geben, nicht von gestern.“


Gerade in den Metropolen ist Manufactum präsent. Die Warenhäuser befinden sich in Düsseldorf, Berlin, Köln, Frankfurt, Hamburg, Stuttgart und München – aber auch in der Waltroper Zentrale. Manufactum ist mal als Vorläufer von Schwarz-Grün bezeichnet worden, da das Unternehmen eine bürgerliche Klientel anzuziehen scheint, die wohl auch beim Biobauern einkauft. „In diesen Kategorien denken wir nicht“, sagt Ritter. „Auch unsere Kunden sind nicht in solchen Schubladen zu finden.“

Der Manufactum-Katalog gilt längst als Kultobjekt. Die Produktpalette reicht von klassischer Schulkreide über hochpreisige Armbanduhren aus U-Boot-Stahl bis zu elchledernen Wanderbeuteln, Brennholzkörben aus Weidenruten oder schmiedeeisernen Bratpfannen. Im Internet bietet das Unternehmen etwa 8500 Produkte an. Dass die Waren zuweilen teurer sind als anderswo, nehme man „in Kauf, um keine Kompromisse machen zu müssen“, sagt Ritter.


Die Ansprüche von Manufactum sind ähnlich groß wie die Fallhöhe. Mit einem Fahrradschloss erlebte das Unternehmen unlängst ein PR-Desaster. Wie die Stiftung Warentest herausfand, ließ sich das 180 Euro teure Schloss innerhalb von wenigen Sekunden knacken. „Das Ganze war uns natürlich äußerst unangenehm, weil wir unseren eigenen Ansprüchen nicht gerecht geworden sind“, räumt Ritter ein. „Von einem PR-Desaster würde ich aber nicht sprechen. Im Gegenteil: Weil wir schnell reagiert haben und offen mit dem Thema umgegangen sind, hat das unserer Glaubwürdigkeit nicht geschadet. Wir haben unseren Fehler eingeräumt, und unsere Kunden konnten das Fahrradschloss gegen Erstattung des Kaufpreises zurückgeben, oder – wenn sie wollten – auch behalten.“

Auf die Frage nach Arbeitsbedingungen bei den Herstellern, fairem Handel und Umweltschutz antwortet Ritter: „Wenn ein Produkt langlebig ist und sich gut reparieren lässt, schont das auch die Ressourcen.“ Etwas möglichst billig zu bekommen, spiele für Manufactum keine Rolle. „Das hilft natürlich auch den Menschen, die an der Entstehung eines Produkts beteiligt sind.“ Ritter betont: „Natürlich achten wir auch auf den wirtschaftlichen Erfolg, aber unser Ziel ist nicht, möglichst viel Geld zu verdienen. Die wirtschaftlichen Ergebnisse sind lediglich Folge und Voraussetzung dessen, was wir tun.“


Seit 2008 gehört die Firma mit ihren rund 450 Mitarbeitern zur Hamburger Otto-Gruppe. Manufactum genieße allerdings „eine uneingeschränkte inhaltliche Unabhängigkeit“, betont Ritter. Die Firma sei zufriedenstellend profitabel. „Eine Goldgrube ist das Unternehmen nicht.“ Nicht einmal im Bundesanzeiger veröffentlicht Manufactum eine Bilanz. Geheimniskrämerei in einer Zeit, in der Transparenz groß geschrieben wird. Firmenzentrale und eine Filiale sind in Waltrop auf einem ehemaligen Zechengelände. Ein Umzug nach Hamburg zu Otto sei „kein Thema“, sagt Ritter. „Wir sind sehr zufrieden in Waltrop. Hier haben wir auch die Ruhe und Distanz zum hektischen Geschehen. Das hilft uns, die richtigen Entscheidungen zu treffen.“ Auch mit der Zahl der bundesweit acht Warenhäuser sei man „zufrieden“.

Was Manufactum heute anders mache als in den Gründerjahren? „Im Kern haben wir uns kaum verändert“, sagt Ritter. „Unser aktueller Katalog sieht ähnlich aus wie der erste, 1988 veröffentlichte. Verändert hat sich viel um uns herum. Für uns bedeutet das: Wir sind nicht mehr so exotisch wie vor 25 Jahren.“