Vor der Bestattung zum Sozialamt

Marcus Esser
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Unna. Vor dem Weg des letzten Abschiednehmens auf dem Friedhof ist für viele Angehörige des Verstorbenen immer öfter ein anderer schwerer Gang nötig: Der Gang zum Sozialamt. „Die Zahl der Sozialbestattungen ist über die letzen Jahr gestiegen“, sagt Unnas Pressesprecher Oliver Böer. In 2009 waren es 32 Fälle, letztes Jahr 40.

Stadt zahlt 60 000
Euro Bestattungshilfe

In Zeiten hoher Arbeitslosigkeit oder zunehmend schlecht bis mäßig bezahlter Billigjobs ist das Geld eh knapp und die Beerdigungskosten von 3 000 bis 4000 Euro für viele Angehörige offenbar nicht zu stemmen. Für Teilkosten, oder die komplette Bestattung, kann Kostenbeihilfe beantragt werden. „Im Vorjahr musste die öffentliche Hand in Unna so rund 60 000 Euro Bestattungskosten übernehmen“, sagt Oliver Böer.

Gelder, die über den Fachbereich Soziales des Kreises Unna abgerechnet werden. Böer: „Die Kommunen werden aber indirekt mit diesen Kosten über die Kreisumlage belastet.“ Im gesamten Kreisgebiet wurden im Vorjahr 185 Sozialbestattungen finanziert, in 2009 waren es 164. „Die durchschnittlichen Kosten einer Bestattung beliefen sich im Kalenderjahr 2010 auf 2 013 Euro“, so die Sprecherin der Kreisverwaltung, Constanze Rauert.

Natürlich werden die Kostenbeihilfen nicht per se bewilligt. Das Amt prüft zuvor das Einkommen der Angehörigen des Verstorbenen. Zur vollen, oder teilweisen Kostenübernahme verpflichtet werden können direkte Angehörige wie Ehegatten, Eltern oder Kinder. Dieses ab einem verfügbaren Einkommen, das über dem Selbstbehalt liegt (= doppelter Sozialhilfesatz von 728 Euro plus 225 Euro bei nicht erwerbstätigem Gatten plus 225 Euro je Kind).

Viele klamme Angehörige scheuen auch den Gang zum Amt .„Wir versuchen unseren Kunden dann so weit wie möglich entgegenzukommen und bieten auch Ratenzahlungen an“, sagt Bestattungsunternehmerin Birte Schneider. Ein Service, der zunehmend in Anspruch genommen werde.

Bemerkbar gemacht habe sich hierzu auch, „dass die Krankenkassen im Jahr 2004 das Sterbegeld aus ihrem Leistungskatalog gestrichen haben“, sagt die Unternehmerin. Mitglieder haben bis dahin 525 Euro pauschal als Zuschuss zu den Bestattungskosten erhalten.

Mit in besonderer Sache traurigen Todesfällen muss sich das Ordnungsamt der Stadt beschäftigen. Oliver Böer: „Dann, wenn keine Angehörigen bekannt sind, und dieser Umstand vom Altenheim gemeldet wird. Dann, wenn alleinstehende Menschen tot in ihrer Wohnung, oder als Obdachlose tot auf der Straße aufgefunden werden.“ Letztes Jahr 24 Todesfälle, für die die Stadt, wenn kein Angehöriger ermittelt werden kann, als Sterbeort die Kosten trägt.

„Diese, wie alle Sozialbestattungen“, unterstreicht Birte Schneider, „finden selbstverständlich auch in einen würdigen Rahmen statt.“