Von Schleier und Scharia bei Maischberger

Foto: imago stock&people

Essen.. Die ARD ließ die Frage diskutieren, ob der Islam denn nun zu Deutschland gehört. Schade, dass der Bundespräsident nicht da war. Ob er sich schützend vor Hans-Christian Ströbele gestellt hätte?

Es war der überraschende Moment des Abends, als plötzlich eine Aufzeichnung eingespielt wurde, die den CDU-Politiker Friedrich Merz im Jahr 2000 zeigte. Merz hielt darin mit rotem Kopf eine recht konservative Rede und umriss seine Vorstellungen von der deutschen Leitkultur. „Leitkultur“, wird da so mancher von uns gedacht haben – „wo sind bloß die Jahre geblieben?“

Zehn Jahre nach Merz diskutierte nun in der ARD Sandra Maischberger mit ihren Gästen die Frage „Schleier und Scharia – Gehört der Islam zu Deutschland?“ Es ist im Grunde die alte Merzsche Frage, auch wird sie immer noch mit viel zu roten Köpfen diskutiert, doch taucht sie in dieser Wortwahl erst seit dem vorletzten Sonntag auf – als der Bundespräsident in seiner Rede zur Deutschen Einheit sagte: „Der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland.“ So offen, so ungefähr war diese Feststellung formuliert, dass Gegner und Freunde des Islam sowie Gegner und Freunde des Präsidenten schon vieles in sie hineininterpretiert haben. Deshalb hätte jetzt Christian Wulff selbst ganz dringend in Maischbergers Sitzecke gehört - aber er war wohl gerade in Moskau.

Keine schlechte Diskussion

Stattdessen diskutierten: Alice Schwarzer, die in ihrem jüngsten Buch das Kopftuch als „Flagge des Islamismus“ verurteilt hat; Zehra Yilmaz, Kopftuchträgerin aus Duisburg, die das Lehramtsstudium abbrach, weil ihr das Kopftuchverbot für Lehrerinnen nicht passte; Güner Balci, Sozialarbeiterin und Publizistin aus Berlin-Neukölln, Autorin von „Arabboy“, die an diesem Abend zu Minikleid und Stiefeln griff; Hans-Christian Ströbele (Grüne), der letzte standhafte Multikulti, der inzwischen heillos überfordert wirkt; Heinz Buschkowsky (SPD), Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln und vielinterviewter Fachmann für gescheiterte Integration; sowie Joachim Herrmann (CSU), Innenminister von Bayern, der Wulffs Rede absichtlich falsch interpretierte, um sie dann zu kritisieren und gestern Abend zu behaupten, er habe niemals den Bundespräsidenten kritisiert, was ihm (nach Adam Riese) also dreimal mediale Aufmerksamkeit verschaffte.

Es war keine schlechte Diskussion. Die Fronten waren klar: die Islam-Skeptiker Schwarzer, Balci, Herrmann und Buschkowsky gegen Ströbele und Yilmaz. Doch fast alle Diskutanten ließen erkennen, dass es keine einfachen Antworten gibt. So warnte Alice Schwarzer zwar vor einer aus dem Ausland gesteuerten Islamisierung Deutschlands; das hielt sie aber nicht davon ab, das weiße Kopftuch von Frau Yilmaz zu respektieren, das diese glaubhaft aus eigenen Stücken angelegt hatte. Ein Widerspruch? Aber ja, er ist ja so schmal, der Grat zwischen Abwehr des Islamismus und Gewährung der Religionsfreiheit.

Was aber vor Vereinfachungen nicht schützt. So klagte Innenminister Herrmann („Deutschland ist kein Einwanderungsland, das bleibt die Position der CSU“) über das Verhalten von türkischstämmigen Fußballfans beim Länderspiel vom vergangenen Wochenende. Dass sie Mesut Özil im deutschen Trikot als Verräter ausgepfiffen hätten, sei eine Schande, so Herrmann. Dass in der aktuellen Debatte immer wieder Islam und türkischer Nationalismus durcheinander geworfen werden, ist allerdings auch eine.

Attacke von Güner Balci auf Hans-Christian Ströbele

Das passiert Heinz Buschkowsky nicht, der in Berlin-Neukölln einfach näher dran ist als Herrmann in München. Wie immer glänzte Buschkowsky mit Beispielen aus seinem Problem-Kiez. Ihn beunruhige, dass unsere Gesellschaft immer weiter zurückweiche, sagte er: „Gebetsräume an Schulen, Biologie-Unterricht ohne Darstellungen, Frauen, die im Mantel baden gehen - wenn wir da nicht mehr unsere eigene Art zu leben vertreten, dann müssen wir nicht uns nicht wundern, wenn junge Männer auf dicke Hose machen.“ Im Übrigen wies Buschkowsky darauf hin, dass der Bundespräsident in seiner Rede auch diesen Punkt angesprochen hat: wer Regeln missachtet, der müsse mit unserer Gegenwehr rechnen.

Am meisten Eindruck machte aber die Attacke von Güner Balci auf Hans-Christian Ströbele. Wenn nicht alles täuscht, stehen sich inzwischen die modernen, vom Islamismus unter Druck gesetzten Türken auf der einen Seite und die Multikultis auf der anderen unversöhnlich gegenüber. Als Ströbele sagte, es sei Aufgabe der Lehrer darauf zu achten, dass Schülerinnen das Kopftuch nicht aus Zwang tragen, da wurde Balci fuchsteufelswild: „Das ist nicht Aufgabe der Lehrer, Herr Ströbele, das ist Ihre Aufgabe als Politiker – nein! - das wäre Ihre Aufgabe gewesen in den vergangenen Jahren!“

 
 

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