Von einer, die zuständig ist

Sr. Johanna Eichmann feierte ihren 85. Geburtstag im Jüdischen Museum und stellte ihre Biografie vor. Foto Ralph Heeger WAZ FotoPool
Sr. Johanna Eichmann feierte ihren 85. Geburtstag im Jüdischen Museum und stellte ihre Biografie vor. Foto Ralph Heeger WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool

Dorsten.. Der Titel der Dorstener Ehrenbürgerin wird Schwester Johanna Eichmann im April verliehen. Als langjährige Schulleiterin des St. Ursula-Gymnasiums und Gründungsfigur des einzigen Jüdischen Museums in NRW sind ihre Verdienste um die Stadt und darüber hinaus bekannt.

Anlässlich ihres 85. Geburtstages wurde das Lebenswerk der Ursulinen-Schwester am Sonntag auf einem familiären Empfang im Jüdischen Museum gewürdigt. „1983 schloss sich Schwester Johanna der Forschungsgruppe ‘Dorsten unterm Hakenkreuz’ an. Damit stellte sich eine anerkannte Person des öffentlichen Lebens auf die Seite von gesellschaftlichen Außenseitern, die trotz Ressentiments einer damals recht konservativen Öffentlichkeit in Dorsten, Aufarbeitung leisteten“, lobt Norbert Reichling, ehrenamtlicher Leiter des Museums, das Engagement Sr. Johannas für Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit.

„Wir sind die Letzten. Fragt uns aus. Wir sind zuständig.“ Diesen Appell des antifaschistischen Schriftstellers Hans Sahl stellte Johanna Eichmann dem ersten Teil ihrer kürzlich erschienen Biografie „Du nix Jude, du blond, du deutsch“ voran. Als Ruth Eichmann wuchs sie in einer so genannten „Mischlingsfamilie“ auf. Ihre Mutter Martha war Jüdin. Schutz erfuhr Ruth Eichmann im Dritten Reiches durch die Mischehe, sowie im Schonraum des katholischen St. Ursula-Internates in Dorsten, welches sie Jahrzehnte später leiten sollte. Nach einer Ausbildung zur Dolmetscherin betreute die junge Frau im französischen Kommissariat in Berlin verschleppte Zwangsarbeiter. In den letzten Kriegsmonaten wurde sie als “Halbjüdin“ schließlich selbst zur Zwangsarbeit herangezogen. Das Aufwachsen in einem Raum zwischen der deutschen Mehrheitsgesellschaft - der Volksgemeinschaft des Dritten Reiches - und der jüdischen Gemeinde prägten ihr Leben bis heute, über die Kriegsjahre, das anschließende Studium der Germanistik und Romanistik in Toulouse und den Eintritt in den Ursulinen-Konvent hinaus. „Humor und Beweglichkeit“, so Norbert Reichling, „zeichnen Schwester Johanna bei all ihren Tätigkeiten aus. Tätigkeiten von einer, die sich im Sinne Sahls als zuständig sah.

 
 

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