Vom täglichen Wahnsinn des Nahost-Konflikts

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Unna. „Ich kenne drei Worte auf Hebräisch: Gewehr, Pass und weggehen.“ Am Montagabend kam der Nahostkonflikt in die Bibliothek des Ernst-Barlach-Gymnasiums. Mit der Unterstützung des Vereins „Frauen für Nahost“ erzählten zwei junge Menschen, die den Konflikt tagtäglich miterleben.

Mohammed Awag kommt aus Palästina. Wenn der 27-jährige auf dem Dach seines Hauses steht, kann er die Israelis auf der anderen Seite der Apartheidmauer beobachten. 2005 hat Israel mit dem Bau der Mauer begonnen, die den eigenen Staat vor den Palästinensern schützen soll. 25 Jahre lang hatte Awag nichts mit den Israelis zu tun, die nur ein paar hundert Meter entfernt von ihm leben.

„Die jungen Palästinenser aus der Konfliktzone würden sich niemals freiwillig mit Israelis an einen Tisch setzen, wir akzeptieren sie nicht“, erklärt er die Einstellung seiner Freunde und Verwandten, die früher auch seine eigene war. Mit 13 Jahren nahmen Eliana Almogs Eltern die junge Israelin mit zu einer Demonstration. „Ich weiß nicht mehr, wieso demonstriert wurde. Aber ich habe bemerkt, dass es Dinge gibt, von denen ich nichts weiß.“ Aus Broschüren linker Parteien erfuhr sie dort, dass Israel die Palästinenser unterdrückte.

„Ich wollte nicht länger ein Teil eines Staates sein, der für eine Unterdrückung verantwortlich ist.“

Von ihren Freunden hörte sie, dass sie Israel betrügen würde, weil sie den Frieden zwischen Israel und Palästina forderte. In Israel wächst jedes Kind mit dem Gedanken auf, „dass überall Gefahr ist und alle uns umbringen wollen.“ Heute arbeitet Eliana Almog seit zehn Jahren für das Projekt „Ferien vom Krieg“. Die Wahrheit sagen, sich austauschen, miteinander über den Konflikt sprechen. Das „Komitee für Grundrechte und Demokratie“ gibt jedes Jahr wieder einer Gruppe junger Palästinenser und Israelis die Möglichkeit hierzu.

Mohammed Awag bewarb sich vor zwei Jahren um einen Platz. Nicht, weil ihn der Austausch interessierte, sondern weil er Ferien machen wollte.

In seiner Bewerbung log er über die wahren Beweggründe, seine Antworten waren eine schmale Gratwanderung zwischen dem, was die Organisatoren hören wollten und dem, was er wirklich dachte.

„Beim Eingangsgespräch habe ich dann den wahren Mohammed zu Wort kommen lassen. Ich habe gesagt, was ich den Israelis gegenüber fühle. Und konnte kaum glauben, dass ich genommen wurde.“

Mohammed hat während seines Aufenthalts alles ausgesprochen, was er den Israelis auf der anderen Seite der Mauer nie gesagt hätte. Von seiner Erfahrung mit den Israelis erzählte er am Montag wie von einer Erleuchtung. „Gemeinsam mit einem jungen Israeli habe ich mich hier in Deutschland im Wald verlaufen, weil wir so viel gesprochen haben – ist das nicht ironisch?“

Ein erster Schritt

Eliana Almog machen diese Erfolge Mut. Aber sie sieht auch, wie viel noch zu tun ist.

„Einmal war eine junge Israelin überrascht darüber, dass die Palästinenser sich tatsächlich regelmäßig waschen und Englisch sprechen können.“ Dies ist der erste Schritt, den Israelis laut Almog machen müssen. Erkennen, dass Palästina kein primitives, gefährliches Land ist. Der zweite Schritt: „Sie müssen in den Spiegel schauen und erkennen, was der Staat in dem sie leben wirklich tut.“

 
 

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