Viele scheuen bei Demenz den Gang zum Arzt

Langsam setzt das Vergessen ein.
Langsam setzt das Vergessen ein.
Foto: WMN WAZ FotoPool

Berlin..  Das Leid mit der Demenz: Jedes Jahr gibt es 250 000 neue Fälle in Deutschland, aber viele Betroffene ignorieren die Symptome, zögern den Arztbesuch heraus. Der Bund hat ein neues Internet-Informationsportal zum Thema gestartet.

Die Zahl der Demenzkranken steigt weiter stark an. Ohne einen Durchbruch bei den Heilungsmöglichkeiten rechnen Experten in vierzig Jahren mit 2,6 Millionen Erkrankten. Doch immer noch scheuen viele den rechtzeitigen Gang zum Arzt - dabei hängt viel von einer frühzeitigen Diagnose ab.

Aktuell leiden 1,3 Millionen Deutsche an Demenz, aber nur ein Viertel von ihnen geht zum Facharzt. Zum heutigen Welt-Alzheimertag warnte am Montag Hans Gutzmann, Präsident der Gesellschaft für Gerontopsychiatrie, den Arztbesuch aus Angst vor der befürchteten Diagnose vor sich herzuschieben: Viele Patienten würden sehr lange versuchen, unauffällig mit den Symptomen zu leben. Eine rechtzeitige Diagnose könne aber nicht nur die Krankheit bremsen, sondern auch Zeit für die Regelung juristischer und pflegerischer Fragen eröffnen. Forscher der Universität Essen-Duisburg setzen derweil große Hoffnungen auf zwei neue Ansätze, Alzheimer mit Insulin beziehungsweise mit Hilfe von Antikörpern aus Spenderblut zu bremsen.

Krankheit dauert im Durchschnitt neun Jahre

Zwei Drittel der deutschen Demenzkranken werden derzeit zu Hause gepflegt. Im Durchschnitt dauert die Krankheit neun Jahre – „aber es können auch 20 Jahre werden“.

Heike von Lützau-Hohlbein, Vorsitzende der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft, übte am Montag deutliche Kritik am Reformentwurf der Familienministerin für eine zweijährige Pflegezeit: Der Gesetzentwurf berücksichtige „die Lebenssituation der Pflegenden zu wenig“. Pflegende seien heute selbst in der Regel über 60 Jahre alt, oft nicht mehr voll berufstätig und hätten daher nichts von einer Teilzeit-Freistellung plus 25-prozentigem Lohnverzicht. Es wäre zudem fatal, wenn eine gesetzliche Pflegezeit am Ende die Altersarmut bei Frauen steigern würde, so von Lützau-Hohlbein.

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) wies die Bedenken zurück. Der Gesetzentwurf ermögliche Eheleuten oder Geschwistern, sich bei der Pflege abzuwechseln und so gemeinsam auf vier oder sogar mehr Jahre zu kommen. Ein neues Internet-Portal des Familienministeriums www.wegweiser-demenz.de soll Patienten und ihre Angehörigen dabei unterstützen.

 
 

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