Viel Sonnenschein, wenige Kontroversen - von Thomas Rünker

DerWesten

Massen gutgelaunter Menschen, die in bezaubernder Barockkulisse fröhlich und entspannt ihren Glauben feiern – es war ein Wohlfühlkirchentag in Dresden. Dafür verantwortlich war in erster Linie das Wetter – so banal das klingt. Emotionale und feierliche Momente wie Auftakt oder Abschluss am Elbufer wären bei Regen nicht halb so intensiv gewesen.

Der 33. war aber auch deshalb ein Wohlfühlkirchentag, weil ihm wirklich kontroverse Themen fehlten: Die vorab als das Kirchentagsthema propagierte Energiewende hat die Politik kurz vorher selbst eingeleitet. Und der Afghanistan-Debatte nimmt schon die Persönlichkeit des neuen Verteidigungsministers, der als Protestant selbst im Kirchentagspräsidium sitzt, ihre Schärfe.

Deshalb war dieser Kirchentag kein unpolitischer. Er lieferte nur nicht die starken – vielleicht von der Kirchentagsleitung um die grüne Politikerin Katrin Göring-Eckardt erhofften – politischen Schlagzeilen. Das musste er aber auch nicht. Es ist seit Jahren ein Verdienst von Kirchentagen, dass auf ihren Podien auch Zwischentöne eine Chance haben. Das ist weniger spektakulär, bringt aber Qualität in die Debatte. Und die Kultur der Publikumsbeteiligung bei diesen Diskussionen könnte Vorbild für die erneut eingeforderte neue politische Beteiligungskultur sein.

Anders als der Leipziger Kirchentag 1997, der primär ein West-Gastspiel war, war die Dresdner Veranstaltung mit vielen Teilnehmern aus den evangelischen Gemeinden der Region gut in Sachsen eingebettet – eine gelungene Vereinigungsgeschichte. Gleichzeitig verschärft sich aber die Minderheitenlage der Christen in Ostdeutschland weiter. Ganz offensichtlich fehlt es beiden Kirchen nach wie vor an Konzepten, ihre „frohe Botschaft“ an die Menschen zu bringen. Die braucht es aber – auch im Westen. Sonst wird der Erosionsprozess sinkender Mitgliederzahlen immer unaufhaltsamer – und der Kirchentag zunehmend eine Bewegung, der die Basis abhanden kommt.