Viel mehr als Spielzeug

Die jugendlichen Bootsbauer präsentieren im Treffpunkt Altstadt gemeinsam mit Kursleiter Markus Spachowski  ihre selbstgebauten Boote.
Die jugendlichen Bootsbauer präsentieren im Treffpunkt Altstadt gemeinsam mit Kursleiter Markus Spachowski ihre selbstgebauten Boote.
Foto: WAZ FotoPool

Dorsten.. In eine kleine Bootswerft verwandelten sieben nicht mehr ganz so kleine Kinder den Werkstattraum des Jugendtreffs Altstadt: Dort entstanden kleine Polizeibarkassen, die den Erbauern vor allem ganz viel Geduld und Durchhaltevermögen abverlangten. Jetzt war quasi Stapellauf für die kleine Flotte von Unikaten. Alle Kids haben durchgehalten und ihr Ding, sorry ihr Boot, durchgezogen.

Irgendwann waren sich Heimleiter Christian Joswig und Markus Spachowski über den Weg gelaufen und haben die Sache mit den Booten angeschoben. Acht Wochen sollte es dauern, bis aus den Plänen, die der aus Holsterhausen stammende Maschinenbauer Spachowski von einem tschechischen Modellbauverein kopieren durfte, kleine Boote entstehen sollten.

„Dass aus der Sache ein Marathonprojekt von fast acht Monaten werden würde, hat keiner geahnt. Aber alle Teilnehmer haben durchgehalten und ihr Werk vollendet. Ich finde, dass da etwas ganz Wertvolles entstanden ist und dass da viel mehr als Spielzeug entstanden ist“, sagt Christian Joswig.

Was macht diese kleinen Boote so arbeitsintensiv, so besonders? „Wir haben alles selbst gebaut. Und zwar komplett und jeder allein. Ich habe nur Tipps aus dem Hintergrund gegeben und grundsätzliche, technische Gegebenheiten erläutert, wenn es beispielsweise um die Beschaffenheit von Werkstoffen ging“, so Spachowski, dessen Tochter bei diesem ursprünglich für Jungen angedachten Workshop kräftig mit ihrer Freundin mitmischte.

„Diese Boote sind in einer so genannten Gemischtbauweise entstanden. Es wurde GFK, also Glasfaserkunststoff, der übrigens im wirklichen Schiffsbau und beim Bau von Segelflugzeugen ebenfalls zum Einsatz kommt, verklebt und zur Rumpfschale geformt. Deren Form ist durch Spanten und einer Kielleiste vorgegeben und um die musste der Kunststoff laminiert werden. Ganz nebenbei haben wir aus Metall die Wellen und Gleitrohre gedreht, die für den Antrieb und die Steuerung verklebt werden mussten“, so Spachowski. Was für den Experten der Alltag ist, war für die Kinder erst einmal ein großes Rätsel und eine echte Herausforderung.

„Ich finde das einfach klasse, dass man auch in Zeiten von Playstation Kinder mit so einer intensiven Aufgabe so begeistern kann. Wir Erwachsenen sollten mal weniger über die Kids meckern und uns einfach überlegen, ob wir ihnen nicht nur mehr solcher anspruchsvollen Angebote machen sollten“, sagt Christian Joswig. In der Tat war die unfreiwillige Verlängerung des Workshops nicht nur für die Kids eine Herausforderung, sondern auch für Markus Spachowski, der allerdings ebenfalls mit Begeisterung durchgehalten hat und dem beim Stapellauf auch eine durchaus berechtigte Portion Stolz auf die kleine Armada von Booten anzusehen war.

Die Boote haben allesamt den liebenswerten Charme, den nur die Arbeit von Kindern haben kann. „Sie sind tausendmal schöner als so ein Ding, das man mit Motor und Fernsteuerung für ein paar Euro aus China auf dem Flohmarkt hinterher geworfen bekommt“, sagt Spachowski.

Und was sagen die Erbauer? „Ich wollte das einfach mal ausprobieren. Geil, dass diese Dinger jetzt echt fertig geworden sind. Das war echt harte Arbeit“, sagt der 13-jährige Lukas. Sein Boot ist grün, blau und grau lackiert. Der Lack ist noch frisch. „Nicht so hart anpacken. Ich will keine Fingerabdrücke“, fordert der kleine Konstrukteur. Man kennt sich unter Bootsbauern und es herrscht der raue, aber herzliche Ton des Handwerks. Die Fenster in der Kajüte eines Bootes sind offensichtlich bei hohem Seegang ausgesägt wurden und etwas schief. Aber das macht sie so schön und einzigartig.

Man kann diese Booten, diesen tollen Kids und dem Altstadtreff nur Eines wünschen: Stets eine Handbreit Wasser unterm Kiel!

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