Viel mehr als Blasmusik

.Foto: Heinrich Jung
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Hervest. Blasmusik, das klingt nach Bierzelt, Bratwurst und Bumms-Valdera. Soweit das Vorurteil. Wer die Blasmusik St. Marien und am Samstag ihr Weihnachtskonzert mit erlebt hat, der hat eine neue Definition des Themas Blasmusik kennen gelernt.

„Wir haben ganz bewusst unseren bunten und nicht einheitlichen Dresscode für das Orchester gewählt. Wir sind bunt, modern und nicht fixiert. Unsere Musik soll auch bunt sein und Freude machen. Wie ein bunter Strauß Blumen. Nur dass es bei uns halt eben Melodien sind“, sagte der Orchesterchef Thomas Günther nach dem Konzert in einer absolut rappelvollen St. Marien-Pfarrkirche. Die Blasmusik spielt und die Gemeinde kommt geschlossen. Ein Spruch, der in St. Marien Tatsache geworden ist.

Was hören die Besucher, wenn sie den Klängen der St. Marien-Blasmusik folgen? Nun, sie hören traditionelle Blasmusik und auch manchmal einen Marsch. Wenn Günther den Taktstock hebt und der Radetzky-Marsch erklingt, sieht man praktisch die Szenen aus einschlägigen Heimatfilmen vor sich. Erfrischend und leicht erklingt die Musik, die Beatles, Bach und Ellington ohne Probleme unter einen Hut bringt. Das schöne an diesem Orchester ist neben der Werkvielfalt die Tatsache, dass hier quer durch die Generationen getutet und geblasen wird. Dabei haben die Marienbläser auch keine Probleme, leichte Nackenschläge wegzustecken. „Unsere Tuba hat den Geist aufgegeben und wir standen vor dem Problem, ein neues Instrument zu kaufen. Mit 7500 Euro ist dieser Brummer kein Schnäppchen. Am Ende haben alle dafür gesorgt, dass Volker Panek jetzt wird klangrein den Takt angibt“, sagt Günter.

Dass die Musik zur Gemeinde gehört, beweisen die Musiker mit ihrem „mobilen“ Weihnachtskonzert. „Viele Menschen in unserem Viertel schaffen es vielleicht nicht mehr, in die Kirche zu gehen und sich an der Musik zu erfreuen. Deshalb kommt die Musik zu ihnen. Wir halten an wichtigen Punkten der Gemeinde an, steigen aus dem Bus und spielen für unsere Marienkinder. Das wird angenommen und bereitet uns wirklich ganz viel Freude“, verrät Thomas Günther, der diese neue Marien-Blasmusik geformt hat. Am kommenden Samstag geht die Reise der Marienkinder zur St. Canisius-Gemeinde nach Recklinghausen. Dort werden Günther und sein buntes Orchester einmal mehr Weihnachtsmusik auf ihre Art interpretieren und den Menschen Freude bereiten. In der Tat macht der Ton die Musik. Die Philosophie der Blasmusik St. Marien ist vergleichsweise einfach und schlüssig: Jung und Alt sollen Spaß an der Musik haben, also müssen auch Jung und Alt diese Musik spielen. Das ist der Grund dafür, dass Mütter mit ihren Töchtern und Väter mit ihren Söhnen Swingmusik oder Rap spielen. Die Blasmusik kann beide Musikrichtungen interpretieren.

 
 

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