Verhandlungen mit Piraten gescheitert

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Washington. Die Gespräche zur Rettung des von somalischen Piraten gefangen gehaltenen US-Kapitäns Richard Phillips sind vorerst gescheitert. Der Kapitän hatte sich Medienberichten zufolge als Geisel gestellt, um seine Mannschaft zu schützen. Auch Deutsche befinden sich in der Gewalt von Entführern.

Die US-Regierung ist offenbar mit dem Vorhaben gescheitert, eine Freilassung des von somalischen Piraten gefangen gehaltenen US-Kapitäns Richard Phillips auszuhandeln. Vor Somalia wurde zudem ein Schlepper aus Italien entführt.

Der Kapitän ist "ein Held"

Die Besatzung der "Maersk Alabama", Phillips' Schiff, gibt derweil die Hoffnung auf die Freilassung ihres entführten Kapitäns nicht auf. Nach der sicheren Ankunft des amerikanischen Frachters im Hafen von Mombasa erklärte ein Matrose, Richard Phillips sei ein Held. «Er hat unser Leben gerettet.»

Der Kapitän habe die Mannschaft nach dem Piratenüberfall am Mittwoch angewiesen, sich in Sicherheit zu bringen und einzuschließen, sagte ein Crew-Mitglied. Dann habe er sich den somalischen Seeräubern ergeben, um seine Männer zu retten.

Das FBI untersucht

Die «Maersk Alabama» soll unterdessen von Spezialisten der US-Bundespolizei FBI überprüft werden. Das Schiff sei in ein Verbrechen hineingezogen worden, so dass eine Spurensicherung notwendig sei, teilte die Reederei Maersk Shipping Line am Samstag im US-Staat Virginia mit. Demnach darf die 19-köpfige Besatzung zunächst auch nicht vor Bord gehen.

Verhandlungen zur Freilassung des 53-Jährigen wurden am Wochenende fortgesetzt, scheiterten aber laut "New York Times" an der Forderung der US-Unterhändler, die Piraten zu verhaften, wie das Blatt am Samstagabend (Ortszeit) unter Berufung auf somalische Behördenkreise berichtete. Laut «New York Times» wurden die Verhandlungen über die Freilassung des Kapitäns mit einer Gruppe Stammesältester geführt. Eine Sprecherin des US-Außenministeriums wollte die Angaben nicht bestätigen. Vier Seeräuber halten Phillips in einem Rettungsboot fest und werden zunehmend von der US-Marine bedrängt. Zwei Kriegsschiffe sollen sich in der Nähe aufhalten.

Angeblich US-Marine beschossen

Dem Bericht zufolge war zuvor ein kleines Schiff der US-Marine beschossen worden, das sich dem Boot genähert hatte, auf dem die Piraten den Kapitän des US-Frachters «Maersk Alabama», Richard Phillips, seit Tagen festhalten. Daraufhin sei das US-Schiff zu einem nahen US-Zerstörer zurückgekehrt, berichtete das Blatt unter Berufung auf US-Armeekreise. Dadurch habe eine Eskalation verhindert werden sollen.

Am Samstag wurde vor Somalia außerdem ein Schlepper aus Italien von Piraten entführt. Dies teilte am Abend im norditalienischen Ravenna die Reederei Micoperi Marine Contractors mit, der der 75 Meter lange Schlepper gehört. «Zehn Italiener, fünf Rumänen und ein Kroate sind an Bord», sagte ein Sprecher des Unternehmens.

Die Reederei habe gegen Mittag eine Mail bekommen, in der ihr die Entführung mitgeteilt worden sei. Diese Mail sei «wahrscheinlich von den Piraten» gekommen. Piraten haben derzeit mehrere Schiffe vor der Küste von Somalia in ihrer Gewalt, darunter den deutschen Frachter «Hansa Stavanger».

Tote bei Befreiung einer französischen Yacht

Das Geiseldrama an Bord eines französischen Segelschiffs endete nach einer Woche tragisch. Bei der Erstürmung des Boots durch französische Soldaten wurden am Freitagabend eine der fünf Geiseln sowie zwei Piraten getötet. Drei Seeräuber wurden gefangengenommen.

Verteidigungsminister Hervé Morin erklärte im Radiosender Europe-1, es werde eine Autopsie geben, um die genauen Umstände des Todes der männlichen Geisel aufzuklären. Zurzeit könne nicht ausgeschlossen werden, dass die tödliche Kugel von französischen Soldaten abgefeuert worden sei. Die Witwe des Mannes, ihr gemeinsames dreijähriges Kind und zwei Freunde blieben unverletzt. Sie wurden am Sonntag in Frankreich zurückerwartet.

Deutsches Schiff wird im Hafen festgehalten

Das von Piraten entführte deutsche Containerschiff «Hansa Stavanger» liegt laut einem somalischen Gewährsmann wieder im somalischen Hafen Harardhere. Dorthin hätten die Piraten das Schiff zurückgebracht, nachdem sie auf hoher See von der US-Marine bedroht worden worden seien, erklärte der Somalier am Samstagabend. Dies habe er bei einem Telefonat mit dem Piratenkapitän erfahren. Ein Einwohner von Harardhere bestätigte die Rückkehr der «Hansa Stavanger».

Den Gewährsleuten zufolge wollten die Piraten mit dem deutschen Schiff zu ihren Gesinnungsgenossen gelangen, die einen US-Kapitän in einem kleinen Rettungsboot festhalten. Die von US-Kriegsschiffen bedrängten vier Seeräuber hätten entführte Frachter und sogenannte Mutterschiffe der Piraten zur Verstärkung angefordert. Neben der «Hansa Stavanger» seien jedoch auch zwei gekaperte Frachter aus Taiwan und Griechenland von der US-Marine blockiert worden. Ein viertes Schiff aus Norwegen wurde inzwischen freigelassen - offenbar nach einer Lösegeldzahlung.

"Wir sind keine Kriminellen"

Ein Gericht in der halbautonomen somalischen Region Puntland verurteilte zehn Piraten am Samstag zu jeweils 20 Jahren Haft. Die Männer wurden laut Behördenangaben in Bosasso für schuldig befunden, im vergangenen Jahr einen unter somalischer Flagge fahrenden Frachter entführt zu haben.

Nach dem Urteilsspruch äußerte sich einer der Piraten im Namen aller Verurteilten: «Wir sind keine Kriminellen», versicherte er laut den telefonischen Angaben eines Behördenvertreters. «Wir greifen die Schiffe an, weil uns die natürlichen Ressourcen gestohlen werden.» (afp/ap)

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