USA und Frankreich bombardieren libysche Armee

Britische Tornado gehen nahe Libyen in Stellung. (Foto: afp)
Britische Tornado gehen nahe Libyen in Stellung. (Foto: afp)
Foto: AFP
Die allierten Truppen haben ihre Angriffe auf Libyen gestartet. Die französische Luftwaffe hat nach eigenen Angaben mehrere libysche Panzer zerstört. Ein US-Kriegsschiff hat Ziele mit Marschflugkörpern bombardiert. Gaddafi droht mit Vergeltung.

Paris.. Westliche Verbündete haben am Samstag ihre Angriffe auf Libyen gestartet. Die französische Luftwaffe hat nach eigenen Angaben insgesamt vier Angriffe in Libyen geflogen und dabei mehrere Panzer der Gaddafi-Truppen zerstört. Wie am Samstagabend in Paris aus Militärkeisen verlautete, flogen die Kampfjets vom Typ Rafale und Mirage 2000 die Angriffe in der Region der Rebellenhochburg Bengasi im Osten Libyens. Dabei seien "mehrere Panzer" der Truppen von Machthaber Muammar el Gaddafi zerstört worden. Die Streitkräfte Frankreichs, Großbritanniens und der USA attackierten am Samstag insgesamt mehr als 20 Ziele, in der Nacht zum Sonntag wurde auch die Hauptstadt Tripolis bombardiert. Gaddafi drohte mit Vergeltungsangriffen.

Die Streitkräfte der USA haben mindestens 110 Raketen auf Stellungen der libyschen Flugabwehr und strategisch wichtige Kommunikationspunkte der libyschen Truppen abgeschossen. Das teilte das Pentagon am Samstag mit. Der britische Premierminister David Cameron gab in London bekannt, dass auch die Streitkräfte seines Landes inzwischen in Libyen im Einsatz seien.

Die Luftangriffe seien eine "ungerechtfertigte Aggression der Kreuzritter", gegen die das libysche Volk kämpfen werde, sagte Gaddafi in einer vom Staatsfernsehen am Samstagabend ausgestrahlten Audiobotschaft. Der Machthaber drohte mit Angriffen auf "zivile und militärische Ziele" im Mittelmeerraum. Er habe die "Waffendepots geöffnet, um die libyschen Massen zu bewaffnen".

Frankreich hat nach eigenen Angaben erstmals am Samstag um 17.45 Uhr Waffengewalt eingesetzt. Zuvor kündigte der französische Präsident Nicolas Sarkozy bereits an, dass französische Kampfjets bereit seien, Panzer der Truppen von Libyens Machthaber Muammar el Gaddafi anzugreifen. Gaddafi könne noch immer „das Schlimmste verhindern“, wenn er die am Donnerstag verabschiedete UN-Resolution zu Libyen ohne Einschränkung beachte, sagte Sarkozy weiter. „Die Tür der Diplomatie wird sich wieder öffnen, wenn die Angriffe enden.“ Die von der UNO verabschiedete Resolution erlaubt es, In Libyen eine Waffenruhe und eine Flugverbotszone „mit allen nötigen Maßnahmen“ durchzusetzen, um die Gewalt gegen die Aufständischen und Zivilisten zu stoppen.

Die amerikanische Beteiligung an dem Einsatz in Libyen werde zumindest in der Anfangsphase gering bleiben, sagte der Sprecher. Abhängig von den Reaktionen des libyschen Machthabers Muammar al Gaddafi könnten jedoch weitere Angriffe zur Unterstützung der alliierten Truppen erfolgen.

"Die Zeit zum Handeln ist gekommen"

US-Präsident Barack Obama hat sich entschlossen gezeigt, die libysche Zivilbevölkerung zu schützen. Die Vereinigten Staaten und eine Koalition anderer Länder sei bereit, rasch zu handeln, um die Gewalt gegen Zivilisten in Libyen zu beenden, sagte Obama nach einem Treffen mit der brasilianischen Präsidentin Dilma Rousseff in Brasilia. "Unsere Einigkeit war stark und unsere Entschlossenheit ist klar", erklärte er weiter. "Das libysche Volk muss beschützt werden."

"Die Zeit zum Handeln ist gekommen", sagte auch der bitische Premierminister David Cameron. Ein Handeln gegen Libyens Machthaber Muammar el Gaddafi, der weiter "brutal" gegen sein Volk vorgehe und den versprochenen Waffenstillstand gebrochen habe, sei nun "dringend" geboten.

"Wir müssen den Willen der Vereinten Nationen durchsetzen und können das Abschlachten von Zivilisten nicht weiter zulassen", sagte Cameron. Ob Großbritannien wie Frankreich bereits Kampfjets in Libyen im Einsatz hat, sagte Cameron nicht.

Deutschland hält sich raus, begrüßt aber den Angriff

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Entscheidung der Staatengemeinschaft zum militärischen Eingreifen gegen das libysche Regime begrüßt. "Die UN-Resolution gilt, deshalb wollen wir auch, dass sie erfolgreich umgesetzt wird", sagte Merkel zum Abschluss eines Libyen-Gipfels am Samstag in Paris. Die libysche Bevölkerung müsse jetzt sehen, dass gehandelt werde. Denn Gaddafi habe versucht, die internationale Gemeinschaft vom Eingreifen abzuhalten, "und das wird ihm nicht gelingen".

Es sei in Paris einhellige Meinung gewesen, dass die von Muammar al Gaddafi angekündigte Waffenruhe "ganz offensichtlich nicht besteht, und dass deshalb die Geduld ein Ende haben wird", sagte Merkel. Der libysche Machthaber habe nur "Minuten oder Stunden, um zu handeln".

Nachdem sich Deutschland bei der Abstimmung über die UN-Resolution enthalten hatte, wird die Bundeswehr auch nicht beim Militäreinsatz mitmachen. "Wir werden uns nicht mit eigenen Soldaten beteiligen", sagte die Kanzlerin. Allerdings sei Deutschland bereit, die NATO bei der Flugüberwachung zu entlasten, "indem wir zusätzliche Anforderungen in Afghanistan übernehmen". Dass heißt, es könnten deutsche Awacs-Aufklärungsflugzeuge an den Hindukusch geschickt werden. Allerdings ist nach ersten Planungen Frankreichs für die NATO keine starke Rolle beim Einsatz gegen Libyen vorgesehen. (dapd, rtr, afp)

 
 

EURE FAVORITEN