Unnaer zeigen Flagge gegen Rechts

Sascha Brandt, Mats Schönauer und Jens Schopp
Foto: {Phil Böttcher}

Unna. Die Stadt will bunt bleiben. Das bewiesen die Menschen eindrucksvoll. Beim stimmungsvollen Friedensgebet am Freitagabend (30. September 2011) fanden sich rund 250 Menschen vor der Katharinenkirche ein, die für ein tolerantes, weltoffenes und friedliches Unna beteten.

Unter den Teilnehmern waren viele Ratsvertreter und selbstverständlich auch Bürgermeister Werner Kolter. In der Stadt sah man etliche Menschen, die sich Aufkleber unserer Zeitung auf die Kleidung gepappt hatten. Die werben eben für Toleranz, Demokratie und Vielfalt.

Auf der Bahnhofstiefgarage hatten sich da gerade mal rund 30 Rechtsextreme versammelt. Um 19 Uhr ließ Pfarrer Georg Birwer die Glocken von St. Katharina minutenlang läuten. Nach Liedern und Gebeten sprach Birwer ein paar eindringliche Worte an die Menschen. „Wer Leben angreift, einschränkt oder bedrängt, der bedrängt auch Gott.“ Das Zusammenleben sei nicht immer einfach. Es sei eine Herausforderung, von der Fremdheit zur Gemeinschaft zu finden. „Aber es gibt keinen anderen Weg“, so der Geistliche.

Großer Polizeieinsatz

„Dies hier ist so etwas wie ein dritter Standpunkt“, sagt eine Teilnehmerin des Friedensgebets. „Jede extreme Meinung ist gefährlich. Und darauf mit Gewalt zu reagieren, noch viel gefährlicher. Das Friedensgebet ist eine Möglichkeit, aus dem Denken ,Wie du mir, so ich dir’ herauszukommen.“

Klaus Koppenberg, Sprecher des Runden Tisches gegen Gewalt, war zufrieden. „Das war eine gelungene Veranstaltung.“ Man habe praktisch üben können, was am Runden Tisch besprochen werde. Mit rund 15 Mitstreitern war er am Nachmittag in der Fußgängerzone unterwegs und sprach mit Passanten, über die Aktionen, die sich gestern abspielten.

Ebenfalls in der Fußgängerzone und vor allem am Bahnhof: Jede Menge Polizei. So einen Polizeieinsatz hat die Stadt noch nicht gesehen. Die Straße Richtung Ostring, wo die Rechtsextremen hinmarschierten, war abgeriegelt. „Unser Bestreben ist es, Linke und Rechte zu trennen“, so Ulrich Faßbender, Sprecher der Einsatzpolizei. Drei Hundertschaften sorgten für Sicherheit. Es blieb friedlich.

Die Antifa zieht
durch die Innenstadt

Gegen 18 Uhr versammelten sich die ersten Gegendemonstranten der „Antifa UNited“ auf dem Platz vor der Post. Ursprünglich hatte die Antifa den Bahnhofsvorplatz als Treffpunkt ausgewählt, was die Polizei jedoch untersagte. Innerhalb des Ringes lägen wichtige Einrichtungen, so das Argument, deshalb wurde das Kreishaus als Treffpunkt bestimmt. Gegen diese Entscheidung reichte die „Antifa UNited“ am Freitagmorgen per Eilverfahren Klage vor dem Verwaltungsgericht in Gelsenkirchen ein. Eine gerichtliche Entscheidung war dann jedoch nicht mehr nötig, da der Veranstalter und die Polizei sich auf einen Kompromiss einigten, wie das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen am Nachmittag mitteilte.

Erinnerung an die Opfer

Mit veränderter Route starteten die Gegendemonstranten gegen 18.30 Uhr ihren Marsch durch die Innenstadt. Von der Post ging es über den Nordring, am zib vorbei, entlang der Massener Straße, über den Markt und dann zurück in Richtung Rathaus.

An mehreren Stolpersteinen machten die Demonstranten Halt und erinnerten über Lautsprecher an das Schicksal von Familien, die dem Nationalsozialismus zum Opfer fielen. „100 bis 150 Leute konnten wir mobilisieren“, sagt Mirko Dürer, Sprecher der Antifa.

Um 19.30 Uhr begannen vom Busbahnhof aus circa 30 Neonazis mit einem Demonstrationsmarsch. Bei einer Zwischenkundgebung an der Morgenstraße kamen sich Antifa und Neonazis zwar durchaus nahe, aber unter Polizeiüberwachung tauschten sie nur Parolen aus.

Gegen 21 Uhr war der Spuk zu Ende.