Uni Bonn hätte Chatzimarkakis nie Doktor-Titel verleihen dürfen - von Knut Pries

Der saarländische FDP-Europapolitiker Jorgo Chatzimarkakis ist seinen Doktor-Titel los. Die Uni Bonn wirft im schlampiges wissenschaftliches Arbeiten in seiner Doktorarbeit vor. (Foto: dapd)
Der saarländische FDP-Europapolitiker Jorgo Chatzimarkakis ist seinen Doktor-Titel los. Die Uni Bonn wirft im schlampiges wissenschaftliches Arbeiten in seiner Doktorarbeit vor. (Foto: dapd)
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Dem FDP-Politiker Jorgo Chatzimarkakis ist der Doktor-Titel entzogen worden. Knut Pries meint in seinem Kommentar: Die Plagiats-Affäre ist auch eine Niederlage für die Universität Bonn. Sie hätte ihm den Titel nie verleihen dürfen.

Brüssel/Bonn. Die Universität Bonn hat dem FDP-Europaabgeordneten Jorgo Chatzimarkakis den Doktortitel entzogen. Kurz Pries kommentiert:

Jorgo Chatzimarkakis hat sich in seiner Plagiatsaffäre mit zwei Argumenten verteidigt. Erstens: “Keine Stelle ohne Quelle!” Soll heißen: Überall, wo ich das Gedankengut anderer verwendet habe, habe ich darauf verwiesen – nur ein bisschen ungenau. Ich habe nicht betrogen, sondern allenfalls etwas schlampig gearbeitet. Zweitens: Dafür wurde ich bereits bestraft, Nämlich mit einer mäßigen Note. Nochmal geht nicht, denn zweimal verurteilt in ein und derselben Sache – das widerspricht allem Recht und Gesetz. Zur Entlastung von Chatzimarkakis reicht das nicht. Zur Belastung der Uni Bonn indes schon.

Welchen Umfang die Schlamperei hatte, ist jetzt erst offenkundig, dank der Plagi-Technologie. Was die Fakultät zurecht mit Titel-Entzug beantwortete, war kein altbekannter Tatbestand, sondern in dieser Dimension neu. Aber: Was schon damals bekannt war, reichte allemal, Chatzimarkakis den Grad gar nicht erst zu verleihen. In der Wissenschaft wird nicht summarisch auf eine Quelle verwiesen, und dann darf der Leser raten, was der Autor wohl wie verwendet hat. Die Wissenschaft verlangt zwingend, dass nachvollziehbar sei, was intellektueller Eigenbau und was Übernahme ist. Chatzimarkakis Text genügte dieser Anforderung nicht. Er hätte nie angenommen werden dürfen.

Die Philosophische Fakultät Bonn spricht von “Wissenschaftlichem Fehlverhalten”. Da redet sie auch über sich selbst, leider unfreiwillig. Eine peinliche Delle tragen in diesem Falle beide Seiten davon.

 
 

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