Ungebetener Besuch im Wohnmobil

Foto: Mareike Sehr

Unna.  Hans Borghoff ist ein Wohnmobilfan. Er liebt die Unabhängigkeit, mit seinem Gefährt nicht ortsgebunden zu sein. Während andere Touristen sich am Strand oder im Hotel aufhalten, fährt er durch die Länder und bleibt dort, wo es ihm gefällt. Hans Borghoff hat schon viel von der Welt gesehen. Vor seinem ersten Wohnmobil, das er sich 2006 zulegte, war er schon oft mit dem Auto unterwegs. Das ist sein Ding.

Seine Ehefrau und seinen Sohn kann er aber nicht von seiner Art des Reisens überzeugen. „Es muss ja auch nicht jedermanns Sache sein, so lange zu sitzen und meist nur Autobahn zu fahren“, räumt Borghoff ein. Er hat sich mit seiner Familie arrangiert: „Dann fliegt meine Frau eben in die Türkei, ich fahre mit dem Wohnmobil dorthin und wir treffen uns vor Ort.

Borghoff konnte den Täter identifizieren

Seine schönsten Reiseziele bis jetzt? Die Algarve in Portugal oder die Türkei. Hierhin hat es den 63-Jährigen schon oft verschlagen.

In diesem Jahr zog es ihn ins Baltikum. Aber wirklich schön war der Urlaub nicht. Donnerstag, 30. Juni. Es ist 4.05 Uhr morgens in Estland, genauer gesagt in Tallinn, der Hauptstadt des Landes. Hans Borghoff liegt in seinem Wohnmobil und versucht zu schlafen. Richtig dunkel wird es in Estland im Sommer nie. Er steht mit seinem Wohnmobil auf dem Grundstück von Bekannten. Durch ein ungewöhnliches Geräusch wird er aufmerksam. Er schleicht in den vorderen Teil seines Wagens und zieht mit einem Ruck den Vorhang zur Seite. Quer über den beiden Sitzen liegt ein Fremder, der sich gerade an den Kabeln unter dem Handschuhfach zu schaffen macht. Er möchte den Wagen kurzschließen und stehlen. Sein Gesicht ist zwar durch Kappe und Kapuze teilweise verdeckt, jedoch hat er nicht damit gerechnet, dass jemand in dem Wohnmobil schläft. Er dreht sich um und schaut Hans Borghoff direkt ins Gesicht. „Ich habe dann nur noch reagiert“, sagt Borghoff. Er holt aus und verpasst dem Eindringling einen Faustschlag auf die Nase, wobei er sich über den Einbrecher beugt.

Dieser zieht sein Knie hoch und verpasst Borghoff einen Tritt in den Magen. Dabei bleibt er aber mit dem Fuß am Lenkrad hängen und verliert seinen Schuh. Er türmt und lässt all seine Utensilien zurück. Hans Borghoff informiert seine Bekannten, die die Polizei verständigen. Die Kriminalpolizei wird hinzu geholt. Ein Rucksack, ein Schuh, die Kapuze und die Kappe werden von den Beamten sichergestellt. „Oh“, hört Borghoff aus dem Innern des Wagens und wirft dem Polizisten einen Blick über die Schulter. Mit Daumen und Zeigefinger hält dieser eine Pistole in die Luft – eine geladene. Am späten Vormittag muss Hans Borghoff noch auf die Wache. Ihm werden Portraitbilder möglicher Täter vorgelegt. Ein gezielter Blick, und er identifiziert den Täter. „Ein alter Bekannter der Polizei“, erzählt Borghoff. Der 23-jährige Mann hatte schon zweimal wegen Diebstahls gesessen.

„Die Zeit heilt alle Wunden und Erinnerungen“, sagt Hans Borghoff heute. Zwar hat er noch immer ein unsicheres Gefühl, wenn er nachts im Wagen liegt, aber er lässt sich von dem Erlebnis nicht abschrecken. „Ich hatte einfach nur Pech, das passiert sicher nicht wieder.“ So schnell lässt er sich seine Touren schließlich nicht verderben – bald ist er wieder auf der Straße.

 
 

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