Unerfüllter Kinderwunsch kann Beziehung gefährden

Carolin Voss
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Essen. Für viele Paare steht der Lebensplan fest: Nach Ausbildung und Karriere wollen die meisten eine Familie gründen. Doch was, wenn dieser Plan nicht aufgeht und die ersehnte Schwangerschaft ausbleibt?

Ein Haus bauen, einen Baum pflanzen und einen Sohn zeugen – heute überholt? Für die meisten Menschen nicht! Denn die Gründung einer Familie ist für viele ein wichtiger Lebensbestandteil. Aber nicht immer klappt das auf Anhieb. Und in diesem Fall „wirkt sich das in den meisten Fällen auch auf die Beziehung aus“, sagt die Kölner Diplom-Psychologin Claudia Viganske.

Beide Partner leiden

„Egal ob Mann oder Frau - beide Partner leiden oft stark unter einer ungewollten Kinderlosigkeit“, sagt Viganske. „Meist haben sie das Gefühl zu versagen.“ Der Psychologin zufolge fühlen sich viele Frauen trotz erfolgreicher Karriere ohne Kinder unvollkommen und weniger weiblich. Eine ausbleibende Schwangerschaft wird deshalb in vielen Fällen als Makel empfunden.

Männer sind meist verunsichert, weil Kinderlosigkeit fälschlich mit fehlender Potenz verbunden wird. „Oft sind ihnen auch urologische Untersuchungen und die Abgabe einer Samenprobe unangenehm“, sagt Viganske. „Partnerinnen haben wenig Verständnis dafür, weil sie an gynäkologische Untersuchungen gewöhnt sind.“ Schnell kann es deshalb zu Schuldzuweisungen kommen: „Männer fühlen sich unverstanden und Frauen unterstellen, dass der Partner kein Kind will.“

„Zum inneren Zwang gesellt sich oft noch ein äußerer“, sagt die Expertin. „Denn unsere alternde Gesellschaft braucht Kinder.“ Wer heute mit dreißig noch keine hat, gilt als egoistisch und karrierebezogen. Ein Teufelskreis, denn das führt zu Stress, der sich wiederum negativ auf die Empfängnis auswirken kann.

Behandlungsmethoden können Schwangerschaft nicht garantieren

Hormontherapie, Samenübertragung und künstliche Befruchtung. Der medizinische Fortschritt bietet viele Möglichkeiten damit Paare nicht kinderlos bleiben müssen. „Aber das wirkt sich nicht immer positiv aus“, sagt Viganske. Viele Betroffene denken, diese Methoden seien ein Garant für eine Schwangerschaft. Tritt sie trotzdem nicht ein, sind Enttäuschung und Frust noch größer.

Alternativer Lebensplan kann Beziehung retten

„Ungewollte Kinderlosigkeit führt in vielen Fällen zur Krise“, so die Psychologin. „Wichtig für das Weiterbestehen der Beziehung ist jetzt, wie Paare mit der Situation umgehen.“ Können sich beide auf einen alternativen Lebensentwurf einigen, stehen die Chancen gut. Versteifen sie sich jedoch auf die Schwangerschaft und bleibt sie weiter aus, kann die Beziehung zerbrechen. „Der goldene Weg ist, miteinander zu reden“, so die Psychologin. „Wer Sorgen und Ängste miteinander teilt, kann auch zusammen nach Lösungen suchen – was eine Beziehung stärken kann.“ Wem das schwer falle, kann auch bei einem Psychologen oder Psychotherapeuten Hilfe suchen.