Überzeugter Banker und Techniker

Der Dorstener Thomas Ullrich ist Vorstand der DZ Bank in Frankfurt.
Der Dorstener Thomas Ullrich ist Vorstand der DZ Bank in Frankfurt.
Foto: WAZ FotoPool

Dorsten.. Nachdem die Fusion zwischen den beiden genossenschaftlichen Zentralbanken nicht zustande kam, wechselte Thomas Ullrich 2009 vom WGZ-Vorstand in die Führung der DZ in Frankfurt. Dort betreut der 50-Jährige die Felder Organisation, Zahlungsverkehr (IT) und Finanzmarkt-Operationen. Als „fleißig, sachkundig und ohne Allüren“ beschrieb das Handelsblatt bei seinem Wechsel den gebürtigen Bueraner und eingefleischten Schalke-Fan, der trotz des Wechsels nach Frankfurt seinem Wohnort Dorsten treu blieb. Die WAZ sprach mit ihm über Dorsten, Schalke und seinen Beruf.

Sie stammen aus Buer, der Nachbarstadt. Dorsten: Was gefällt Ihnen an der Stadt, was missfällt Ihnen?

Ullrich: Mein Arbeitsschwerpunkt ist Frankfurt, zu Hause bin ich hier in Dorsten. Als Pendler bedeutet das für mich allerdings, dass ich nur am Wochenende die Vorteile dieser überschaubaren Stadt mit hoher Lebensqualität genießen kann. Hier zu leben ist auch meine Entscheidung für diese Region. Und Dorsten ist für mich die Brücke zwischen Ruhrgebiet und Münsterland, natürlich strategisch gut gelegen, um die Spiele von Schalke im Stadion zu verfolgen.

Ausgaben runter, Steuern rauf und schmerzhafte Einschnitte bei Sozialleistungen und Subventionen -- das formulieren Sie als Rezept für die Lösung der EU-Schuldenkrise. Städten wie Dorsten -- mit 328 Mio Euro Schulden -- geht es wenig besser wie vielen Staaten. Gilt ihre Empfehlung auch für den Bürgermeister?

Ich halte meinen Vorschlag für die Lösung der EU-Schuldenkrise für notwendig, sehe aber, dass die politische Umsetzung dieser Pläne schwierig ist, ob in Athen, in Washington und in Berlin. Und die Einschätzung gilt auch für die Kommunalebene in Europa. Denn schließlich hat die Politik die Bürger jahrelang mit üppigen Sozialleistungen und Subventionen verwöhnt. Deshalb wird es nicht ohne schmerzhafte Einschnitte gehen. So gibt es bei den Sozialversicherungen in Deutschland die sogenannte Nachhaltigkeitslücke, die sich auf die gewaltige Summe von sechs Billionen Euro beziffern lässt. Das ist knapp das Dreifache der offiziellen Staatsschulden Deutschlands. Die Gefahr ist groß, dass diese Kosten unseren Kindern aufgebürdet werden.

Den Banken kommt eine Schlüsselrolle zu -- einigen bei der Entstehung der Krise, allen bei Ihrer Lösung. Müssten sie sich nicht stärker beteiligen an der Diskussion um die Zukunft des Finanzsystems?

Für mich ist eine wichtige Erkenntnis aus der Finanzkrise, dass sich insbesondere die realwirtschaftlich orientierten Banken, wie die Volksbanken Raiffeisenbanken und die Sparkassen, als krisenresistent erwiesen haben. Und sie tragen in erheblichem Maß zur Stabilität des Finanzsystems und zur Kreditversorgung insbesondere der heimischen Wirtschaft bei, auch hier in Dorsten. Ich finde, das könnte der Schlüssel für die Zukunft des Finanzsystems sein. Das Ziel nach einem stabileren und realwirtschaftlich fundierten Bankensystem trennt Politik, Aufseher und Banken nicht, es verbindet uns. Im übrigen sieht man ja auch aktuell, dass die ganze Bankenbranche mit Hochdruck daran arbeitet, die strengen Vorgaben der Bankenaufsicht zu erfüllen - mit dem Abbau von Risikopositionen, dem Umbau der Bilanzen und deutlichen Anpassungen wie zum Beispiel beim Thema Bonifikation.

Sie sind bei der DZ Bank zuständig für IT und Zahlungsverkehr. Sind Sie da noch Banker oder schon eher Techniker?

Das sehr technische Geschäftsfeld Transaction Banking, das unter anderem den Zahlungsverkehr und das Kartengeschäft umfasst, finde ich spannend und gar nicht so öde, wie mancher meinen könnte. Gerade das derzeit vieldiskutierte Bezahlen übers Handy zeigt doch, dass IT für Banken immer wichtiger wird. Und wenn man an die Entwicklungen und Chancen im Mobile-Banking denkt, die uns in einigen Jahren alle betreffen werden, bin ich ganz klar beides: überzeugter Banker und begeisterter Techniker.

 
 

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