TV-Team will Tat ins rechte Bild rücken

Gemeindevorsitzender Isa Altin zeigt die Schäden in der Darul Erkam Moschee, die durch Brandstiftung entstanden sind. Foto: Bodo Kürbs
Gemeindevorsitzender Isa Altin zeigt die Schäden in der Darul Erkam Moschee, die durch Brandstiftung entstanden sind. Foto: Bodo Kürbs
Foto: Bodo Kürbs

Bergkamen.. Ein brennender Styroporhaufen wird zum Politikum. Denn dieser Styroporhaufen, der am vergangenen Wochenende angezündet worden (und von selbst wieder ausgegangen) war, befand sich in einem Moschee-Bau - in dem Gebäude, in dem die Bergkamener Milli Görüs-Gemeinde (IGMG) direkt neben Bayer Schering ihre „Darul Erkam Moschee“ ausbaut.

Der Staatsschutz ist eingeschaltet, Brandschutz-Sachverständige und die Staatsanwaltschaft ermitteln. Ein politischer Hintergrund wird dort nicht ausgeschlossen - aber auch nicht bestätigt. Ebenso wenig wie die Theorie, betrunkene Jugendliche seien zündelnd durch die Gegend gelaufen. Immerhin gab es noch ein halbes Dutzend weiterer Brandstiftungen.

Doch die politische Variante ist für manche Medien interessanter. So schickte der WDR gestern das Team seiner Sendung „Monitor“ nach Bergkamen, um hier nach rechtsradikalen und ausländerfeindlichen Zusammenhängen a la Norwegen zu suchen. Ob es viele Auseinandersetzungen mit den Rechten in Bergkamen gebe, wollte ein Monitor-Journalist am Freitagnachmittag vor laufender Kamera von den Männern wissen, die nach dem Freitagsgebet vor ihrem beschädigten Moschee-Bau standen. Bei so einer Fragestellung - und es war nicht die einzige, die in diese Richtung zielte, war selbst der Bergkamener IGMG-Vorsitzender Isa Altin verdutzt, der die Presse eingeladen hatte. „Nein“, antwortete er klipp und klar. Auch Ausländerfeindlichkeit, von Monitor auch begierig erhofft, konnte oder wollte er für Bergkamen nicht attestieren.

Denn nicht etwa Ausländerfeindlichkeit war es, die Isa Altin (seit 15 Jahren hat er einen deutschen Pass) und seinen Verbandsvorsitzenden Özcan Kuri zu dem Pressegespräch veranlasst hatten. Sie hatten sich vielmehr über den Bürgermeister und die Stadtverwaltung geärgert. Milli Görüs hatte erwartet, dass der Bürgermeister nach Bekanntwerden der Brandstiftung sofort - ähnlich wie der türkische Generalkonsul - an den Brandherd eilen und den Betroffenen sein Bedauern aussprechen würde. „Er hat diese Schandtat nicht bedauert. Das nehmen wir ihm übel. Er muss den Migranten ein Sicherheitsgefühlt geben.“

Bürgermeister Roland Schäfer, der gestern - an seinem Geburtstag - ebenfalls zur Moscheebaustelle kam, entgegnete, dass er nicht jeden der jährlich etwa 400 Feuerwehr-Einsatzorte persönlich aufsuchen könne. Und es habe doch glücklicherweise auch keinen Personenschaden gegeben. Vielmehr sei die mutmaßliche Brandstiftung nur eine von einem halben Dutzend, die sich am Samstag in unmittelbarer Nachbarschaft ereignet hätten. „Hier war es nur eine Baustelle, keine aktive Moschee. In der Töddinghauser Straße war es ein Wohnhaus, in dem mehrere Familien lebten. Das ist schlimmer.“

Natürlich könne man nicht ausschließen, dass es politische Gründe für die Brandstiftung bei Milli Görüs gegeben habe, sagte Schäfer. Aber eher sollte man von einer völlig willkürlichen Brandstifter-Serie ausgeben. Es seien doch auch ohne erkennbare politische Motivation Mülltonnen und Gelbe Säcke angezündet worden.

Beide Gründe seien möglich, räumte Isa Altin ein. Doch manche Gläubige zweifelten doch. Vielleicht seien die anderen Brandstiftungen nur ein Ablenkungsmanöver. „Warum haben sich die Täter dann keine aktive Moschee ausgesucht?“, konterte Schäfer. Und außerdem sei die Durchführung zu dilettantisch gewesen.

 

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