TV-Doku „Als Frauen Chef wurden“

Dr.  Annerose Iber-Schade. Foto:WDR
Dr. Annerose Iber-Schade. Foto:WDR
Foto: WDR

Plettenberg.. Frauen in wirtschaftlichen Führungspositionen sind in Deutschland heute noch in der Minderzahl, aber durchaus keine Exotinnen mehr. Zu der Zeit, als Dr. Annerose Iber-Schade in Plettenberg Unternehmerin wurde, war das anders.

Die Frage „Wie würden Sie es finden, eine Frau als Chef zu haben?“ löste in den 1950er Jahren und bis weit in die ‘60er bei deutschen Männern ganz offen Entsetzen und Ablehnung aus. Annerose Iber-Schade wurde 1954 Geschäftsführerin der Wilhelm Schade Metallwarenfabrik in Plettenberg. Am kommenden Montag, 10. Januar, erzählt die 87-Jährige in der WDR-Dokumentation „Als Frauen Chef wurden“ ihren Werdegang als Unternehmerin.

„Nelken im Knopfloch der Wirtschaft“

Die Vorstellungen davon, welche Rollen und Aufgaben für Frauen passend sind, standen vor 60 Jahren zumeist noch felsenfest. Dabei gab es 1950 schon über 30 000 Frauen, die einen eigenen Betrieb führten, 1960 war die Zahl schon auf über 60 000 gestiegen. Für die Presse waren sie bloße „Kriegsfolgeerscheinungen“ und „Nelken im Knopfloch der deutschen Wirtschaft“. Auch die 1954 gegründete Vereinigung von Unternehmerinnen (seit 1991 Verband deutscher Unternehmerinnen), deren Vorsitzende Iber-Schade von 1979 bis ‘89 war, konnte diese Vorurteile lange nicht außer Kraft setzen.

Man kann sich vorstellen, wie schwierig es für Frauen in einem solchen Umfeld war, sich als Chefin eines Unternehmens durchzusetzen. Beatrix Wilmes porträtiert in ihrer zweiteiligen Dokumentation vier Frauen, die heute, nach einem erfolgreichen Berufsleben, heiter, selbstbewusst und nachdenklich darauf zurückschauen, gegen welche Hindernisse und Zweifel sie sich durchgesetzt haben.

Dazu gehört Dr. Annerose Iber-Schade. Sie trat 1950 als Volontärin in das damals rund 400 Mitarbeiter zählende väterliche Unternehmen ein. Nach dem Tod von Wilhelm Schade wurde sie 1954 Geschäftsführerin und Mitinhaberin der Firma.

Mut und
ungeheure Disziplin

1980 zog sich Annerose Iber-Schade aus der aktiven unternehmerischen Tätigkeit zurück, blieb dem Unternehmen aber noch bis zur Übernahme des Familienbetriebs durch den US-Konzern Dura Automotive Mitte der 1990er Jahre als persönlich haftende Gesellschafterin und Beiratsmitglied verbunden.

In ihren unternehmerischen Anfängen meistert Iber-Schade mit Mut und ungeheurer Disziplin einen Alltag, der noch überhaupt nicht auf berufstätige Frauen eingerichtet ist. Sie übernahm Verantwortung für ihre Mitarbeiter und machte anderen Unternehmerinnen Mut.

Mut machte Annerose Iber-Schade auch den Teilnehmerinnen am Girls Day in Plettenberg. Sie animierte junge Frauen dazu, sich vermehrt auch für technische Ausbildungsberufe zu bewerben. „Es macht Spaß, den Männern zu zeigen, dass wir es auch können und manches sogar besser können«, sagte sie und appellierte an die Girls-Day-Teilnehmerinnen: „Habt Mut etwas zu erlernen, was Spaß macht.“

 
 

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