Trägheit, Falten, Dauerstress - was uns alt macht

Stillleben
Stillleben
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Essen. Niemand denkt beim Thema Altwerden an die Rente. Das ist eines der Resultate einer Umfrage von Forschern der Uni Duisburg/Essen. Beim Still-Leben auf der A40 hatten sie Bürger befragt, jetzt liegen die Ergebnisse vor.

Was macht das Altern aus? Eins jedenfalls nicht: die Rente. Niemand denkt beim Thema Altwerden an die Rente. Dies ist, etwas verkürzt, das Resultat einer Umfrage von Forschern des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Uni Duisburg-Essen. Die Forscher fragten Bürger im vergangenen Sommer während des „Stilllebens“, der Sperrung der A 40 für einen Tag. Das „Wissenschaftsforum Ruhr“ hatte in Essen zwei Tische angemietet. Bürger konnten spontan ihre Assoziationen zum Thema „Altern“ aufschreiben; die Antworten wurden an eine Pinnwand geheftet.

„Uns hat überrascht, wie wenig die Menschen das Thema Alter mit dem Thema Rente verbinden“, sagt Martin Brussig vom IAQ. Brussig ist Experte für den „Altersübergang“, die Zeit, in der die Rente beginnt. Der erste Jahrgang, für den die Altersgrenze von 67 Jahren gilt, wird im Jahr 2031 in Rente gehen können. „Überraschend viele Menschen“, hat Brussig festgestellt, “verbinden das Thema Alter mit dem Thema Last und Siechtum. Dass es auch ein Altern in Gesundheit gibt, wird so nicht gesehen.“ Brussig hält es für eine „gesellschaftpolitische Aufgabe“, die Assoziationen „Alter“ und „Siechtum“ voneinander zu entkoppeln: „Dazu braucht man aber Vorbilder, die ein ,cooles Altern’ vorleben.“

Für entsprechend notwendig hält es Brussig, Ältere vollständig einzubinden. Nicht in irgendwelche gut gemeinte Projekten, sondern in die „reale Arbeitswelt.“ Brussig: „Wir brauchen diese älteren Menschen als Arbeitnehmer, das hat kulturelle und materielle Gründe.“ Überraschende Antworten auf die Frage, wodurch man alt werde, gab es reichlich – und nur eine war vermutlich positiv gemeint: „Durch die Liebe“. Darin drückt sich der Wunsch aus, mit einem Partner gemeinsam alt zu werden – gesund, vital und noch offen für neues. „Älter zu werden und empfänglich für neue Eindrücke und Empfinden zu sein“, schlussfolgert Brussig, „scheint für viele unvorstellbar und dennoch ein nicht formuliertes Ideal zu sein.“ Die Ergebnisse der Aktion auf der A40 hätten zwar wissenschaftlichen Anspruch, seien aber keinesfalls repräsentativ, betont Brussig.

 
 

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