Tiefe Sehnsucht nach alten Kfz-Kennzeichen

Prof. Dr. Ralf Bochert von der Hochschule Heilbronn hat eine Umfrage mit 11000 Personen ausgewertet. Ein Großteil wünscht sich die alten Kfz-Kennzeichen zurück. Foto: WAZ, Dirk Bauer
Prof. Dr. Ralf Bochert von der Hochschule Heilbronn hat eine Umfrage mit 11000 Personen ausgewertet. Ein Großteil wünscht sich die alten Kfz-Kennzeichen zurück. Foto: WAZ, Dirk Bauer
Foto: WAZ FotoPool

Gladbeck.  In Gladbeck und Castrop-Rauxel wünscht man sich die alten Kfz-Kennzeichen GLA und CAS zurück. Nun nimmt sich die Politik der Sache an.

Das waren noch Zeiten, als man am Kfz-Kennzeichen ablesen konnte, wo der Besitzer des Autos zu Hause war. Als CAS noch für Castrop-Rauxel stand, und GLA für Gladbeck. Beide müssen sich heute mit einem RE-Schild für den Kreis Recklinghausen abfinden.

Oder MO für das stolze Moers, untergegangen in WES für den Kreis Wesel. Für alle, die sich die auslaufenden Zeichen zurückwünschen, gibt es Hoffnung.

Natürlich gibt es wichtigere Themen, als beim Fahrzeugwechsel die Oldie-Kennzeichen wieder anschrauben zu dürfen. Doch die Sehnsucht nach dem Alten ist zweifellos vorhanden. So sprechen sich 87 Prozent von 239 befragten Gladbeckern für die Wiedereinführung des GLA-Kennzeichens aus. In Castrop-Rauxel waren es sogar 90 Prozent, die ihr CAS zurück wollen, in Bocholt 81 und in Erkelenz 75 Prozent. Überraschend: 71 Prozent der Altersgruppe von 16 bis 30 Jahre stehen auf die alten Kennzeichen, obwohl sie bei deren Abschaffung noch nicht geboren waren.

Für den Heilbronner Professor Ralf Bochert, Dekan des dortigen Studiengangs Tourismusmanagement, ist das alles keine Überraschung. Er hat im Frühjahr 11 000 Menschen in 51 deutschen Städten befragt – und überall zeigte sich eine ähnliche Tendenz. „Dahinter verbirgt sich der Wunsch nach Verortung, nach Identifikation. Ein Landkreis ist nun einmal keine Identifikationsebene“, sagt der Wissenschaftler. Auch die Sehnsucht nach überschaubaren Dingen verberge sich dahinter. Und viel Nostalgie. Den Städten wiederum böten sich Chancen, ihre Marke zu betonen und stärker wahrgenommen zu werden.

Wie geht die Politik damit um? Gladbecks Bürgermeister Ulrich Roland, in dessen Stadt noch 100 Fahrzeuge mit GLA unterwegs sind, das älteste ist ein Trecker, stellt fest, dass hier ein klares Votum „pro Gladbeck“ und nicht „contra Kreiszugehörigkeit“ erfolgte und sieht Handlungsbedarf. Jetzt kommt das Thema beim Treffen der Bürgermeister auf den Tisch. Dass die Sache ohne zusätzliche Verwaltungskosten funktioniert, hat Hanau vorgemacht. Die zum Main-Kinzig-Kreis (MKK) gehörende Stadt hat sich ihr eigenes Kennzeichen HU gesichert.

 
 

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