Tausende kommen nicht aufs Loveparade-Gelände

Loveparade 2010 in Duisburg. Foto: Ilja Höpping / WAZ FotoPool
Loveparade 2010 in Duisburg. Foto: Ilja Höpping / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool

Duisburg. Auf dem Gelände der Loveparade 2010 in Duisburg fahren die Floats, am Hauptbahnhof fuhr zeitweise nichts mehr. Die Komplett-Sperrung ist inzwischen aufgehoben, aber in den Straßen zum Gelände stehen die Menschen im Raver-Stau.

Die Loveparade rollt, die Floats schieben sich durch die Raver-Menge, die Partypeople strahlen wie die Sonne, die immer wieder an den Wölkchen vorbei lacht: In Duisburg wird gefeiert – ob in Schlaghose, mit Sonnenbrille in Herzform oder bauchfrei, dem Modegeschmack sind keine Grenzen gesetzt. Heute ist alles erlaubt. Schrill, bunt, aufgebrezelt oder mit nackten Brüsten und blanken Pos, so gehört sich das schließlich, wenn’s um die Kunst der Liebe geht.

Auf dem Gelände ist genug Platz zum Tanzen, in den Straßen geht teilweise gar nichts mehr

Das finden auch Timo, Vanessa, Magda und Tomy, die aus Wanne-Eickel angereist sind, um bei der Mega-Raver-Party auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs dabei zu sein. Die Jungs tragen Ganzkörper-Anzüge, die sie knallbunt und mit dem aktuellen Loveparade-Logo besprüht haben, ihre Freundinnen Hotpants mit Netzstrümpfen und etwas dezentere, weiße Tops mit dem Aufdruck „The Art of Love“. Auch wenn er privat andere Musik hört, ist die Loveparade für Timo ein Muss: „Wir waren auch schon in Essen und in Dortmund. Als Teil des Ruhrgebiets muss man bei so einem Mega-Event einfach dabei sein!“

Und so mischen sich unter die eingefleischten Techno-Fans auch viele Schaulustige, die sich das Party-Spektakel nicht entgehen lassen wollen. Auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs ist noch genug Platz zum Tanzen, auf den Straßen, die zum Gelände führen bewegt sich zum Teil gar nichts mehr.

Das sah anders aus, als die Party um 14 Uhr startete: Als die Eröffnungshymne „The Art of Love“ gespielt wird, hat Rainer Schaller, Veranstalter der Loveparade eine Gänsehaut. Von der Pressebühne aus kann er die extatisch tanzende Menschenmasse überblicken. „Das zu sehen ist ein irres Gefühl. Hinter diesem Event steckt ein Jahr harter Arbeit und ein Einsatz von drei Millionen Euro“, erzählt er. „Doch wenn ich das hier sehe, dann weiß ich, jeder Schweißtropfen und jeder Cent war es wert.“ Duisburg ist für Schaller die „ideale Location“ und der alte Güterbahnhof „eine super Kulisse, die nicht besser zur Musik passen könnte“. Was sich Schaller von der Loveparade in Duisburg erhofft? „Dass das Wetter so gut bleibt und die ganzen Leute hier friedlich zusammen feiern!“

„Duisburg vom Rest des Landes abgekoppelt“

16 Wagen aus sechs Ländern kreisen während der Parade um das Veranstaltungsgelände. Unter dem Motto „The Art of Love“ wechselt sich die internationale DJ-Elite an den Plattentellern ab. Bei der Abschlusskundgebung wird auch David Guetta auflegen. Loveparade-Veranstalter Rainer Schaller rechnet „wieder mit einer Zuschauerzahl im Millionenbereich“. Ein Höhepunkt ist für Schaller der Auftritt des Elektro Orchestral beim Abschlusskonzert. Dabei treffe erstmals bei einer Loveparade Klassik- auf Elektromusik. Zu DJ-Klängen spiele das Berliner Revue Orchester des Berliner Admiralspalastes.

Marko, Steffen und Christopher haben eine knapp zehnstündige Reise mit der Bahn aus Ueckermünde in Mecklenburg-Vorpommern auf sich genommen, um bei der Loveparade in Duisburg dabei zu sein. Doch von Reisestress ist bei den dreien nichts zu spüren: „Die Fahrt hat sich gelohnt, die Stimmung ist super und es macht einfach Spaß mit so vielen Menschen unter freiem Himmel bei guter Musik zu feiern“, sagt Marko. Deshalb wollen die drei Freunde auch im nächsten Jahr in Gelsenkirchen wieder dabei sein.

„Ein kontrolliertes Massenproblem“

„Duisburg ist vom Rest des Landes abgekoppelt“, meldete Bahn-Sprecher Udo Kampschulte kurz vor halb fünf und seufzte. „Es fährt kein Zug mehr nach Duisburg.“ Alle Bahnen Richtung Duisburg wenden in Essen, Oberhausen, Krefeld und Düsseldorf. Der Grund: „Es sind einfach zu viele Menschen auf den Gleisen“, so Kampschulte. Die Bundespolizei sei vor Ort. Die komplette Sperrung sei um 16.29 wieder aufgehoben worden, sagte Jürgen Karlisch, Sprecher der Bundespolizei auf DerWesten-Nachfrage, die Züge führen langsam wieder an. Außerdem seien aber auch Busse im Einsatz.

In einer Unterführung hielt die Polizei gegen halb fünf die Besucher zurück, damit der Druck der Menschenmassen vor dem Einlass nicht zu groß würde, berichtete Karlisch weiter: „Wir haben ein kontrolliertes Massenproblem.“

Dass sich vor dem Gelände der Stau bildet, hat vermutlich mit den Kontrollen zu tun: Keine Glasbehälter dürfen aufs Gelände. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass die Party-Gänger sie alle am extra für die Parade stillgelegten Busbahnhof entsorgen: Der glich schon um halb eins einem Scherbenmeer. Und vielleicht hätte man vom Still-Leben ein paar der 3000 Dixi-Klos abzwacken können, da gibt’s doch auch portable Pissoirs. Zu spät: Am Busbahnhof wird die Röhre, die sonst Fahrspur wird, zum Urinal umfunktioniert.

Nachdem die Loveparade viele Jahre in Berlin stattfand, feierte die Raverparty vor drei Jahren Premiere in Essen und findet seitdem im Ruhrgebiet statt. 2008 gastierte sie in Dortmund. Im vergangenen Jahr war die in Bochum geplante Loveparade abgesagt worden, da die Stadt den Besucherandrang nicht bewältigen konnte. Für die Loveparade 2011 laufen bereits die Vorbereitungen in Gelsenkirchen.

Erstmals gibt es zur Loveparade auch einen Live-Stream im Internet, der von Oliver Pocher und seiner Freundin Sandy Meyer-Wölden moderiert wird. Der WDR berichtet in Fernsehen und Radio mehrere Stunden über die Loveparade in Duisburg. Per Internet könnten Zuschauer zudem mit Hilfe von mehr als 30 Kameraperspektiven ihre eigenen Eindrücke von der Mega-Party sammeln.

 
 

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