Studie sieht düstere Zukunft auf Energiemarkt

Gregor Boldt
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Essen. Deutschland verliert seine wirtschaftliche Bedeutung, humanitäre Krisen nehmen zu. Das sagen Forscher der Bundeswehr, weil das Erdöl knapp wird. Nach einer Studie ist in diesem Jahr der Höhepunkt der weltweiten Erdölförderung, der so genannte Peak Oil, erreicht.

Nach einer noch internen Bundeswehrstudie ist in diesem Jahr der Höhepunkt der weltweiten Erdölförderung, der so genannte Peak Oil, erreicht. Demnach wird die Förderung ab jetzt technisch aufwändiger und teurer. Das Papier des Zentrums für Transformation der Bundeswehr, das DerWesten vorliegt, beschreibt mögliche Folgen der knapper werdenden Ressourcen: Versorgungsengpässe, ein wirtschaftlicher Be­deutungsverlust westlicher In­dustrieländer, humanitäre Krisen und geopolitische Machtverschiebungen.

Warum ist Öl so wichtig?


95 Prozent aller industriell gefertigten Produkte hängen heute von der Verfügbarkeit von Erdöl ab. Erdöl ist nicht nur der Ausgangsstoff für die Produktion von Treib- und Schmierstoffen, sondern der wichtigste Rohstoff bei der Her­stellung von so unterschiedlichen Produkten wie Medikamenten, Computern, Handys, Kosmetika, Farbstoffen oder Textilien.

Wie lange reicht das Öl noch ?

Darüber trifft die Studie keine exakte Aussage, was Experten kritisieren. „Peak Oil heißt lediglich, dass eine bestimmte Menge an Ölvorkommen an­genommen wird. Wie lange diese noch die Nachfrage ab­deckt, hängt von der Gesamtmenge des aktuellen Verbrauchs ab“, sagt Hermann-Josef Wagner, Professor für Energiewirtschaft an der Ruhr-Universität Bochum. Erst wenn man den Verbrauch ins Verhältnis zu Menge setze, könne man eine Aussage treffen. Das Erdöl-Unternehmen BP schätzt, dass die Menge noch für die nächsten 40 Jahre ausreicht.

Woher kommt unser Öl?

Deutschland bezieht etwa 80 Prozent seines Erdöls aus sechs Staaten, unter denen Russland (35 Prozent) sowie Norwegen und Großbritannien mit 14 beziehungsweise zehn Prozent die größten Lieferländer sind. Den restlichen Anteil liefern Libyen, Kasachstan und Aserbaidschan. Auf den Nahen Osten entfallen sechs Prozent.

Was bedeutet der Peak Oil für die Weltwirtschaft?

Zur Bewältigung der Engpässe werde zunehmend Biokraftstoff eingesetzt. Dies würde jedoch Nahrungsmittel knapp werden lassen, da An­bauflächen fehlten. Das Komplettversagen der Märkte und humanitäre Krisen wären die Folge.

Und in Deutschland?

Da die politisch stabilsten Lieferanten Norwegen und Großbritannien nach Schätzung der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe ih­ren Peak bereits überschritten haben, wird Russland stärker in den Fokus rücken. Die Bundeswehr empfiehlt jedoch, die russischen Anteile an der Liefermenge nicht zu erhöhen, um nicht in größere Abhängigkeit zu dem schwierigen Partner zu geraten.

Die Alternativen?

Tunesien, Kongo, Äquatorialguinea sowie Turkmenistan, Usbekistan und der Sudan werden in der Studie als potenzielle Lieferanten mit erheblichen Ressourcen genannt. Staaten, die zum Teil diktatorisch regiert werden.

Wie sieht der Öl-Markt in der Zukunft aus?

Der globale Ölmarkt wird langfristig nur eingeschränkt den freien marktwirtschaftlichen Gesetzen folgen können. Bilaterale, konditionierte Lieferbeziehungen und privile-gierte Partnerschaften treten wieder in den Vordergrund. heißt es in der Studie. Dabei wird es auf attraktive Gegenleistungen ankommen. China sichert sich seinen Zugang zu Ressourcen in Afrika durch Waffenlieferungen.

Führt das zu Änderungen in der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik?

Möglich, da Deutschlands Öl- und Gasversorgung mittel- bis langfristig zu einem erheblichen Teil aus instabilen Re­gionen des Nahen und Mittleren Ostens, Zentralasiens und Nordafrikas kommen werden. Die Studie schließt nicht aus, dass es abhängig von der Versorgungslage zu Kompromissen in Fragen der Demokratisierung komme und sogar autoritäre Regime unterstützt werden könnten.

Wie lauten die Empfehlungen?


Eine gemeinsame Energiepolitik Europas unter besonderer Berücksichtigung des Ausbaus erneuerbarer Energien.