Streng dich an, sonst gibt’s Fasan

Foto: WAZ FotoPool

Holsterhausen. Hektisch geht es zu an diesem Freitagabend in der Lehrküche im „Haus der Familie“ in Holsterhausen. Eigentlich nichts Neues, gibt doch ein bunter Kreis von – mehrheitlich – Hobbyköchinnen alle zwei Monate hier sein Stelldichein. Heute steht das 20-jährige Jubiläum der Gruppe ins Haus, oder besser gesagt: in die Küche.

„Im Jahr 1991 wurde unter dem Motto ‚Menü des Monats’ ein Kochkurs angeboten, damals noch im Paul-Gerhard-Haus“, erinnert sich Ursula Frach, die mit ihrer Tochter am Kurs teilnahm. Schon vor der großen Kochshow- und Öko-Nahrungswelle achteten Kursteilnehmer und die damalige Leiterin Erika Hülsbrink darauf, gesunde Lebensmittel der Saison zu verwenden. Nach dem Ruhestand der ersten Leiterin organisierte sich der Kurs zwei Jahre selbst.

„Aber wir wollten schnell wieder unter Anleitung kochen, in Eigenregie war das nicht so toll, weil alle zu unterschiedliche Vorstellungen hatten“, erinnert sich Ursula Frach. Zu viele Köche verderben eben manchmal wirklich den Brei. Ein Umzug ins „Haus der Familie“ brachte mit Gundi Otto eine neue Kursleitung, die Treffen wurden nun im zweimonatigen Rhythmus abgehalten. Im März 2007 schließlich übernahm Angela Potthast die Führung vor dem Herd. Die gelernte Hotelfachfrau arbeitet auch als „Mietköchin“ auf größeren Feiern, brachte also neue Erfahrungen und Rezepte mit. „Ein Rezeptbuch hat unsere Gruppe bisher nicht zusammengestellt“, so Potthast. Schade eigentlich, denn beim lauwarmen Kürbissalat mit Rauke, Basilikum und Ziegenkäse oder Schweinefilet a la Strindberg mit Gratin, die heute unter anderem auf der Speisekarte stehen, lädt schon der bloße Klang der Gerichte zum Nachkochen, -braten oder –dünsten ein. „Natürlich ist uns auch schon einmal das ein oder andere Gericht misslungen“, schmunzelt Ursula Frach. Vor allem ein „furztrockener Fasanenbraten“ ist im Kollektivgedächtnis der Kochgruppe haften geblieben. „Heute sagen wir immer: Streng dich an, sonst gibt’s bald wieder Fasan.“

In einem waren und sind sich alle Hobbyköche bis heute einig: „Wir essen alles.“ Vegetarier und Leute mit kulinarischen Sonderwünschen sind in der Gruppe nicht willkommen. „Mitgehangen, mitgefangen“ eben, oder auch „mitgekocht, mitgegessen“. Zur jetzigen Stammgruppe um Ursula Frach, Gertrud Homann, Burgi Bürgers, Margret Zihla, Roswitha Kuhna, Michaela Piehl, Brigitte Poloszyk, Birgit Schubert, Ruth Schmidt, Beate Book-Liebehenz und Dieter Eickelkamp stoßen nur selten neue Mitglieder. Über ihre Aufnahme wird im Plenum abgestimmt.

Als Hahn im Korb der 40- bis 65-jährigen sorgt Dieter Eickelkamp bei jeder Küchen-Session für einen Aperitif-Cocktail. Der heutige „Grand Maximilian“ schwappt tiefrot im Glas des gelernten Kaufmanns hin und her, während er durch die Küche eilt. „Als meine Neffen noch kleiner waren, hab ich sie oft mitgebracht. Einer von ihnen ist mittlerweile 24 und kocht mit mir zusammen zweimal in der Woche.“

Die Rezepte an diesem Tag stammen übrigens aus Kochzeitschriften des Jahres 1991. Eine Hommage an Erika Hülsbrink, die an diesem Abend keinen Finger rühren muss und es sich nur schmecken lassen kann. Fasan kommt zum Glück nicht auf den Tisch.