Stimmgewaltiger Abschluss

Diethelm Textoris
Foto: Diethelm Textoris

Lünen. „Einmal vergeht der schönste Sommer“, heißt es in einem alten Schlagerlied. Und so endete am Sonntagnachmittag mit einem Abschlusskonzert unter dem Motto „Chormusik und Orgel“ auch der 13. Orgelsommer in der St.-Marienkirche. Diesmal trat die Orgel weit in den Hintergrund, dafür bildete der Domchor Paderborn den Programmschwerpunkt. Mehr als 60 Mitwirkende unter der Leitung von Domkapellmeister Thomas Berning waren angereist, um, wie Organistin Anne Roosmann betonte, Brücken von Bistum Paderborn zum Bistum Münster zu schlagen.

Vom 16. bis ins
20. Jahrhundert

Die Tradition des renommierten und weithin bekannten Domchores lässt sich bis in die Zeit Karl des Großen zurück verfolgen, als Hathumar zum ersten Bischof von Paderborn ernannt wurde. Auch wenn die mitgebrachte Musik nicht ganz so alt war, so wurde doch ein musikalischer Bogen von Giovanni Pierluigi da Palestrina aus dem 16. Jahrhundert über Mendelsson Bartholdy und Bruckner aus dem 19. bis zu Hubert Göbel aus dem 20. Jahrhundert gespannt.

Egal ob bei dem achtstimmigen „Frohlocket ihr Völker“ oder dem eher leisen und getragenen „Ubi caritas amor“ und dem schon fast an weihnachtliche Musik erinnernden „Regina Caeli“, immer brillierten die glockenklaren, wunderschönen Jungenstimmen, zu denen die tiefen der Älteren einen harmonischen Kontrast bildeten.

Der durchgehend inbrünstige Vortrag betonte die allen Stücken zu Grunde liegende Intention: Gesang zur Ehre und zum Lob Gottes.

Anne Roosmann forderte die Zuhörer auf, sich bei den von ihr auf der Orgel vorgetragenen Kompositionen von Théodore Dubois und Gaston Litaize auf zwei eher ungewöhnlichen Stücke einzulassen. Das eine begann leise mit hellen Stimmen, wurde zunehmend pulsierend und laut, das andere bot kräftige Dissonanzen, die schon fast an die Background-Musik eines expressionistischen Stummfilm der 2o-er Jahre erinnerten. Den Schluss bildete nach reichlichem Applaus der zahlreich erschienen Zuschauer das vom Chor vorgetragenen „Bleib bei uns Herr“, wobei der Domkapellmeister sich mit anerkennenden Gesten auch bei seinen Schützlingen für deren Leistung bedankte. „Ich habe alle Konzerte des diesjährigen Orgelsommers besucht“, meinte Zuschauer Armin Kobiella, „jedes Konzert hatte etwas Besonderes, war ein Höhepunkt für sich. Besonders toll fand ich, dass immer wieder auch weniger bekannte Stücke und Komponisten vorgestellt wurde. Ich freue mich schon jetzt auf die Saison im nächsten Jahr.“