Stilles Abenteuer über Dorsten

Segelflug in der Abenddämmerung.                                                           Foto: Jo Gernoth
Segelflug in der Abenddämmerung. Foto: Jo Gernoth
Foto: WAZ

Dorsten. Die Segelflugsaison neigt sich dem Ende zu und es kommt die Zeit, in der in Luftaufsichtsbaracken und Hangaren Analysen über die ergangenen Flüge des Jahres angestellt werden.

Diese Gespräche haben natürlich auch das Abschneiden der Dorstener im so genannten OLC-Contest zum Inhalt und in Dorsten blickt man auf eine Bilanz, die sich sehen lassen kann.

Nico Rass, Johannes Lüning und natürlich Altmeister Dieter Gertzmann haben wieder tolle Flüge absolviert. Besonders freut man sich im Luftsportverein, dass auch zahlreiche Nachwuchspiloten beachtliche Leistungen erzielt haben. Die wohl erfreulichste Kopfnote der Bilanz ist jedoch die Sicherheit: Auch in diesem Jahr war die Fahrt mit dem Auto zum Flugplatz der gefährlichste Teil der Fliegerei. Die Fliegerei verlief unfallfrei.

Das spricht für die fundierte Ausbildung, die von den ehrenamtlichen Fluglehrern des LSV geleistet wird. Seit vier Jahren gibt es einen nationalen und internationalen Internetvergleich aller Segelflieger auf dieser Welt. Vorraussetzung für diesen Vergleich ist lediglich die unkomplizierte Registrierung und natürlich das entsprechende Wetter, um mit einem Segelflug Streckenflüge durchführen zu können. „Die OLC-Ligen sind neben den Wettbewerben des DAEC eine tolle Sache. Der Verein ist gefordert, denn es gewinnt immer nur ein Team. Das fördert den Streckenflug ungemein, denn jede noch so kleine Strecke, die von einem Anfänger geflogen wurde, zählt und kann am Ende über den Tabellenplatz entscheiden”, weiß Johannes Lüning vom Dorstener Luftsportverein.

So weit, so schön. Doch was verbirgt sich genau hinter dem Begriff Streckenflug und wie lassen sich Kilometer und Höhenflüge in Punkte umrechnen. Ohne Punkte keine Tabelle und ohne Tabelle keine Liga. Die Lösung dieses Problems ist eine Mischung aus Physik und Mathematik. Zunächst wird einmal das Fluggerät unter die Lupe genommen und mit einer so genannten Indexzahl versehen. Diese Indexzahl lässt sich mit dem Golf-Handicap vergleichen: Ein Super-Flugzeug hat einen höheren Faktor als der betagte Oldtimer. Einfache Gleichung: Tolles Flugzeug, weniger Punkte als der alte Vogel. Dann wird die Strecke gewertet.

Dabei gibt es dann eine Komponente, auf die leider kein Segelflieger der Welt den direkten Einfluss hat: Das Wetter. „Es war ein Wechselbad der Gefühle: Nach den ersten sensationellen Wetterlagen folgten lange Durststrecken, an denen Streckensegelflug nur bedingt möglich war. Dafür konnten wir ordentlich viele Schulstarts machen”, weiß Nico Rass, der in der Dorstener OLC-Mannschaft einmal mehr die meisten Flüge absolviert hat.

Neben den Wetterbeeinträchtigungen gibt es noch einen unsichtbaren Faktor, der manchem Streckenflug im Weg steht. Vor 20 Jahren gab es die Kontrollzone in Düsseldorf. Das war es. Heute ist der Luftraum im Osten von Dortmund begrenzt. Im Norden sind Enschede und Münster neben den militärischen Plätzen Rheine und Bentheim groß geworden.

Im Westen gibt es Weeze und Mönchengladbach. „Da muss man den Flieger mit Vaseline einreiben, um durch die kleinen Lücken zu fliegen. Diese Faktoren stellen die Flieger vor neue Herausforderungen“. weiß Heinz Kleine-Vossbeck, der seit fast einem halben Jahrhundert Fluglehrer ist.

Dennoch: Die Dorstener Segelflieger bleiben aktiv und während die Saison ausklingt, trifft sich das Team der Flugtagorganisatoren schon mal zu ersten Sondierungen, denn im kommenden Jahr werden nicht nur die weißen Vögel wieder über dem Marktplatz kreisen, sondern im Rahmen des Flugtages wieder im wahrsten Sinne des Wortes bunte Vögel die Lippestadt anfliegen.Fliegerchef Jürgen Salamon freut sich schon jetzt darauf, den Dorstener Bürgern das Spektrum der Fliegerei zu präsentieren.

 
 

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