Stiller Abzug nach großem Tamtam

„Fortschritt mit Tradition“ (links an der Eingangstür des Autos), so wirbt die Gemeinde Bönen für sich. Der Ölwechsel der Baubetriebshof-Fahrzeuge wird wohl auch in Zukunft in traditioneller Weise durchgeführt werden. Von Öl reinigen spricht kaum noch einer
„Fortschritt mit Tradition“ (links an der Eingangstür des Autos), so wirbt die Gemeinde Bönen für sich. Der Ölwechsel der Baubetriebshof-Fahrzeuge wird wohl auch in Zukunft in traditioneller Weise durchgeführt werden. Von Öl reinigen spricht kaum noch einer
Foto: Friedrich Westerhoff

Bönen.. Der Juli ist der Monat, in dem Mitarbeiter des Baubetriebshof routinemäßig den Ölwechsel bei ihren Fahrzeugen vornehmen.

Das ist im Prinzip nichts Besonderes, wäre da nicht im letzten September der überaus Medien wirksame Auftritt der Ke.La GmbH in Bönen gewesen, die mit großem Tamtam zu einem „revolutionierenden Verfahren“ in die Räume des Bauhofs an der Bachstraße eingeladen hatte. Mit der „Ölfilterung statt Ölwechsel“ sollte ein „Wundermittel“ präsentiert werden. Markus Kemper, Entwickler der Öldialyse – und damals auch noch am Birnenweg in Bönen zu Hause, versprach den zahlreichen Anwesenden: „Unser Verfahren ist in allen Bereichen der Motorschmierung und Hydraulik einsetzbar und kann letztlich Millionen Tonnen an Altölentsorgung einsparen. Dazu kommt: Öldialyse ist wesentlich billiger als Ölwechsel.“ Bürgermeister Rainer Eßkuchen setzte noch einen drauf: „Wir wollen damit auch als nordrhein-westfälische Klimaschutz-Kommune ein innovatives ökologisches Signal setzen, dass schonender mit der begrenzten Ressource Öl umzugehen ist. Denkbar ist für mich eine spätere Ausweitung der Öldialyse.“ Wer bei der Demonstration im Herbst vergangenen Jahres genau in die Runde geschaut hatte, konnte schon damals Stirnrunzeln bei einigen Besuchern beobachten. Hinter vorgehaltener Hand war sogar zu vernehmen: „So neu ist das Verfahren auch wieder nicht. Das gibt es doch schon…“

Inzwischen ist es ruhig geworden um das Pilotprojekt „Filtern statt Wechseln“. Zu ruhig. Es herrscht Funkstille zwischen der Ke.La GmbH und der Gemeinde. Von Markus Kemper hat man nichts mehr gehört und gesehen. Warum nicht?, fragen wir Roland Melbert, der derzeit Bauhofleiter Udo Lenk kommissarisch vertritt. Achselzucken.

„Uns haben viele Anrufe von Menschen erreicht, die das ,neue Verfahren’ in Frage stellen. Die Anrufer haben uns gesagt: Ölreinigen statt wechseln? Das machen wir schon lange so. Von einem Pilotprojekt könne keine Rede sein“, so Roland Melbert.

Und so verwundert es nicht, dass die Firma im Registergericht Hamm auftaucht – mit Betriebsaufgabedatum am 25. März 2010.

Sollten die Skeptiker also doch Recht behalten haben? „Aus Bönen hat sich bei mir keiner gemeldet“, sagt Markus Kemper, der „Entwickler“ der Öldialyse, auf Anfrage. „Also bin ich davon ausgegangen, dass der Test positiv ausgefallen ist und es keinen Anlass zu Beanstandungen gibt.“ Aber wo hätte sich der Betriebshof melden sollen, wenn er, Kemper, nicht erreichbar sei, wenn sogar von Betriebsaufgabe die Rede ist?

Markus Kemper erklärt: „Die Ke.La GmbH ist aus Bönen aufgrund des Ausscheidens eines Gesellschafters nach Erwitte/Kreis Soest verlegt worden. Im übrigen aber weiter voll geschäftsfähig und tätig.“

Seit März des Jahres laufe in einer „ostdeutschen Stadt ein umfangreicher Feldversuch unter wissenschaftlicher Begleitung“ mit 30 Fahrzeugen (Busse, Lkw, Pkw). „Die Ergebnisse werden wir im September veröffentlichen. Ich bitte um Verständnis, dass es schlecht möglich ist – und wir es nicht für sachgerecht halten – dazu vorläufige ,Wasserstandsmeldungen’ abzugeben“, so Markus Kemper.

 
 

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