Steven Uhly distanziert sich von "einseitigem" ZDF-Beitrag über Jena

Charlotte Theile
An diesem Bahnhof drehte das ZDF den umstrittenen Beitrag, der die Jenaer derzeit verärgert. Foto: Jenapolis.de
An diesem Bahnhof drehte das ZDF den umstrittenen Beitrag, der die Jenaer derzeit verärgert. Foto: Jenapolis.de
Ein Beitrag des ZDF über die thüringische Stadt Jena hat deren Bewohner erzürnt. Nun distanziert sich auch Steven Uhly, dessen Angst vor dem Osten im ZDF illustriert worden war, von dem Jena-Bild, das im Fernsehen gezeigt wurde. Es ärgere ihn,"Bestandteil eines so einseitigen Fernseh-Beitrags" zu sein.

Jena. Der Konflikt zwischen dem thüringischen Jena und dem ZDF-Kulturmagazin "aspekte" geht in die nächste Runde. Am 18.11. hatte aspekte einen Beitrag gezeigt, in dem der Schriftsteller Steven Uhly, der durch seinen bengalischen Vater ein ausländisches Aussehen hat, Jena bereist. Tenor der Sendung: Menschen, die wie Uhly ausländisch aussehen, müssen in den neuen Bundesländern in ständiger Angst leben. Dies hatte in Jena für Proteste gesorgt. Nun distanziert sich der Schriftsteller von dem Beitrag.

In einem ausführlichen Brief "Wie Jena im ZDF zur Stadt der Angst wurde" erklärt Uhly in der "Thüringer Allgemeinen", wie der Dreh in der ostdeutschen Stadt abgelaufen ist - und warum er sich darin verkürzt dargestellt fühlt. Er habe Angst im Osten Deutschlands - und zwar wegen negativer Berichte Anfang der 1990er Jahre, Warnungen der Polizei und hoher Wahlergebnisse für die NPD.

Allein durch den Osten reisen, das würde Uhly nicht riskieren wollen

Uhly hat noch nicht viel Zeit im Osten verbracht, auch aufgrund dieser Berichte. Die Fragen "Würde ich allein die Stadt erwandern? Könnte ich problemlos in die Vororte gehen, allein aufs Land fahren?" beantwortet er mit einem verständlichen " Vielleicht, aber ich würde es nicht riskieren."

Dennoch sei der Umgang des TV-Senders mit Jena, einer Stadt in der sich der Schriftsteller während des Drehs grundsätzlich sicher gefühlt habe, nicht fair gewesen. "Ich bin von den Autoren des Beitrags auf diese Angst reduziert worden. Es tut mir leid für die Stadt Jena, dass sie auf äußerst suggestive Weise so negativ dargestellt wird. Es ärgert mich, dass ich nun Bestandteil eines so einseitigen Fernseh-Beitrags bin und es anfangs nicht wahrnahm."

"Weitere unangenehme Episode deutsch-deutscher Verwerfungen"

Als "Wessi" sei ihm beim ersten Anschauen des Beitrags die Suggestivkraft der Bilder und der Off-Stimme nicht aufgefallen. Nun, da er im Netz mit den Reaktionen der wütenden Jenaer konfrontiert wird, sieht er den "aspekte"-Beitrag und seine Folgen als "weitere unangenehme Episode deutsch-deutscher Verwerfungen". Diese folgten immer dem gleichen Mechanismus "Wessis, die nicht genau genug hinsehen, und Ossis, die sich so verkannt fühlen."

Das ZDF reagierte auf die Diskussion mit einer Stellungnahme und einem Video des Leiters der "aspekte"-Redaktion Christhard Läpple. Um die Wogen in Jena wieder zu glätten, wird dort am 5. Dezember eine Podiumsdiskussion stattfinden.