Stars und Sterne funkelten in der Nacht

Foto: Barbara Höpping
War das eine Nacht! Sie begann um 19.30 Uhr in der Stiftskirche; die Sonne drängte noch durch die Gitterfenster ins Zentrum des mittelalterlichen Raumes. Sie endete um Null Uhr, erleuchtet vom Schein der Kerzen und dem Funkeln der Sterne am Firmament und der Stars um Mirijam Contzen. „...in die Nacht“ hieß das viereinhalbstündige Konzert am Freitag und war nicht lang genug. „Nach dem Messiaen könnt ihr doch jetzt nicht schlafen gehen!“, empörte sich ein völlig aufgelöster Gast und wollte seiner Familie, die nach Hause strebte, gar nicht folgen.

Cappenberg.. War das eine Nacht! Sie begann um 19.30 Uhr in der Stiftskirche; die Sonne drängte noch durch die Gitterfenster ins Zentrum des mittelalterlichen Raumes. Sie endete um Null Uhr, erleuchtet vom Schein der Kerzen und dem Funkeln der Sterne am Firmament und der Stars um Mirijam Contzen. „...in die Nacht“ hieß das viereinhalbstündige Konzert am Freitag und war nicht lang genug. „Nach dem Messiaen könnt ihr doch jetzt nicht schlafen gehen!“, empörte sich ein völlig aufgelöster Gast und wollte seiner Familie, die nach Hause strebte, gar nicht folgen.

Unter die Haut

In der Tat: Das „Quatuor pour la fin du temps“ (Quartett für das Ende der Zeit) von Olivier Messiaen, 1940/41 entstanden für Klarinette, Violine, Violoncello und Klavier ließ den Atem stocken. Lazslo Kuti (Klarinette), Mirijam Contzen (Violine), Mikayel Hakhnazaryan (Violoncello) und Herbert Schuch (Klavier) spielten als ginge es auch um ihr Leben. Messiaen komponierte das Quartett in einem deutschen Kriegsgefangenenlager. Die unübliche Besetzung war den verfügbaren Musikern im Lager geschuldet. Die Uraufführung fand 1941 in Görlitz vor den Gefangenen statt. Messiaen, so ist es aus dem wieder sehr erhellenden Programmheft zu entnehmen, saß am Piano.

Aber nicht nur das letzte Stück des nächtlichen Freitagskonzertes ging unter die Haut. Ob das Nachtstück von Robert Schumann mit Tobias Bredohl am Klavier, die Romanze von Max Bruch mit Wen Xiao Zheng als Solo-Bratschist, das Fest für vier Bratschen von Max Weinzierl oder die „Lerche“ Latica Honda-Rosenberg in der Komposition von Ralph Vaughan Williams – selbst hartgesottene Konzertgänger staunten über die selten gehörte Literatur und die geballte Starbesetzung. Das galt ebenso für die Interpretationen des Pianisten Herbert Schuch, unter anderem aus dem „Miroirs“-Zyklus von Maurice Rave. Schuch ist zum vierten Mal Gast in Cappenberg und sein Spiel immer wieder eine Offenbarung. Dabei zeichnet alle Künstler und Künstlerinnen vor allem ihre höchste Professionalität aus, gepaart mit authentischer Bescheidenheit.

Wo gibt es ein Festival, bei der sich die künstlerische Leiterin, die in nahezu allen namhaften Konzertsälen zu Hause ist wie Mirijam Contzen in die zweite Reihe begibt und sich über den Beifall ihrer eingeladenen Solisten freut wie die Applaus-Umtosten selber? Wo gibt es einen Intendanten wie Dr. Berthold Warnecke, der vor den Konzerten die Notenständer zurechtrückt und die Licht- und Tonkabel auf dem Boden festklebt? In Cappenberg!

Während der Pausen im Schlosshof gab es hier und da Gedränge, denn es ging um die Wurst oder den weißen oder roten Wein – aber ganz ohne Hast, denn die Musik hatte besinnlich gemacht.

 
 

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