Standorttag bietet nur einseitige Berufsinfo

Marcus Esser
Standorttag Glückauf-Kaserne: Stabsunteroffizierin Dana Uebel (links vorn) und Hauptgefreite Josephine Becker informieren sich über die Ausbildungsmöglichkeiten im Versicherungswesen.
Standorttag Glückauf-Kaserne: Stabsunteroffizierin Dana Uebel (links vorn) und Hauptgefreite Josephine Becker informieren sich über die Ausbildungsmöglichkeiten im Versicherungswesen.
Foto: WR

Königsborn. Im Zivilberuf Versicherungen oder Finanzanlageprodukte zu vermitteln, das scheint bei den Soldaten der Glückauf-Kaserne nicht besonders hoch im Kurs zu stehen. Beim Standorttag nutzen jedenfalls nur wenige der 180 Zeitsoldaten die Möglichkeit, sich am (einzigen) Stand des Bundesverbandes Deutscher Vermögensberater über die geförderte Ausbildung zum Kaufmann für Versicherung und Finanzen, oder ein BWL-Studium zu informieren.

Mit deutlich mehr Euphorie war zuvor im Offiziers-Kasino der Kooperationsvertrag zwischen dem Deutschen Bundeswehrverband (Gewerkschaft der Soldaten), der Wehrbereichsverwaltung West und dem Bundesverband Deutscher Vermögensberater (BDV) unterzeichnet worden. Ex-Kanzleramtsminister (Kabinett Kohl) und BDV-Vorsitzender Friedrich Bohl war dazu aus Frankfurt angereist.

Im Knappensaal war er dann nicht mehr dabei, wo die Verbandsvertreter vor den gespannt wartenden Soldaten die neue Chance anpriesen (durchaus angereichert mit Eigenwerbung), die sich durch die Kooperation ergebe: Eine fundierte dreijährige Ausbildung mit IHK-Zertifikat, beziehungsweise ein Bachelor-Studium, um die Berufschance auf dem privaten Arbeitsmarkt nach Ausscheiden aus der Bundeswehr zu erhöhen.

„Grundsätzlich finde ich es ja gut, dass sich der Bundeswehrverband darum kümmert, dass sich uns Zeitsoldaten eine zusätzliche Möglichkeit bietet, um im Zivilleben bessere berufliche Qualifizierungschancen zu haben“, sagt Christian Schäfer, dessen achtjährige Dienstzeit in zwei Jahren endet. „Der Beruf des Versicherungskaufmanns liegt aber wohl nicht so im Trend“, meint der Stabsgefreite, der sich als bereits ausgebildeter IT-Systemelektroniker beim Bund verpflichtete und hier auch seinen künftigen zivilen Berufsschwerpunkt sieht.

„Ich denke, das ist bei vielen Kameradinnen und Kameraden so, das sie nach dem Ausscheiden in ihre alten Berufe zurückkehren und sich lieber in diesen Bereichen weiterqualifizieren, als eine völlig neue Ausbildung anzufangen“, sagt Stabsunteroffizierin Dana Uebel. Sie selbst ist ausgebildete Bürokauffrau und will die Chance nutzen, sich zum Dienstzeitende mit Unterstützung des Berufsförderungsdienstes der Wehrverwaltung zur Bürofachwirtin fortzubilden.

Mehr Stände erwartet

Die 27-Jährige erzählt zudem von ihrem Mann, der als gelernter Elektriker nach 12 Jahren Zeitsoldat die andere Möglichkeit nutzte; eine zur Umschulung zum Fahrzeuglackierer. „Weil wir dachten, dass er da bessere Berufschancen hat.“ Der Betrieb habe ihn aber nach Ausbildungsende nicht übernommen, „da ist für seinen Chef ja auch die finanzielle Förderung von der Bund eswehr weggefallen“.

Man habe zum Standorttag mehr Angebote erwartet, zeigt sich auch Stabsunteroffizierin Madeleine Weklak enttäuscht. „Mit mehr Informationsständen wie bei einer Jobbörse und nicht nur einem Anbieter“.