Staatsfinanzen weiter sanieren

Rolf Obertreis

Die Ratingagenturen gelten als böse Buben in der ­Finanz- und in der euro­päischen Schuldenkrise. Erst haben sie US-Hypothekenpapiere faktisch falsch bewertet und damit 2008 das Übel angeblich mit herauf­beschworen. Dann haben sie zuvor kaum kritisierte Euro-Krisenstaaten für viele übertrieben herabgestuft. Gleichzeitig waren die „Ratingexperten“ mit Blick auf die kritische Lage der US-Staatsfinanzen lange zurückhaltend, was viele Kritiker wenig verwundert hat: S&P und Moody’s sind US-Unternehmen.

Also muss ein europäisches Gegengewicht her. Doch Banken und Großan­leger wollen dafür jetzt nicht genügend Geld herausrücken. Mehr als erstaunlich.

Weil es Jahre dauern würde, bis eine Europäische ­Ratingagentur Wirkung ­entfalten könnte, kann die Macht der US-Agenturen kurz- und mittelfristig nur über zwei Wege eingegrenzt werden: Die Euro-Staaten ­sanieren weiter ihre Staats­finanzen. Und nicht jeder ­Investor, jede Bank, jeder Fonds gründet seine Anlageentscheidung allein auf das Urteil von Moody’s, S+P und Fitch. Gesunder Menschenverstand hilft oft auch ein ­gutes Stück weiter.