Spuren von Radioaktivität in Deutschland gemessen

Spuren von Radioaktivität sind in Deutschland gemessen worden. Das teilte das Bundesumweltministerium jetzt mit. An drei Mess-Standorten wurden Radionuklide aus Japan nachgewiesen.

Tokio.. In Deutschland sind an drei von vier Mess-Standorten Spuren von radioaktiven Stoffen gemessen worden. Das teilte das Bundesumweltministerium mit. Es seien Radionuklide aus Japan nachgewiesen worden. Bereits am Mittwoch hatte das Ministerium mitgeteilt: "In Deutschland können in den nächsten Tagen in der Luft Spuren radioaktiver Stoffe aus Japan gemessen werden. Gesundheitliche Auswirkungen für unsere Bevölkerung können jedoch ausgeschlossen werden."

Auch der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS), Wolfram König, rechnet nicht mit einer Gefahr für die deutsche Bevölkerung durch radioaktive Partikel aus Japan.

Angst vor belasteten Lebensmitteln aus Japan

Aus Angst vor kontaminierten Lebensmitteln in Folge des Atomunfalls in Japan verhängen immer mehr Länder Importbeschränkungen für japanische Produkte. Nachdem die USA Beschränkungen beschlossen hatten, stoppten am Donnerstag unter anderem auch Russland und Australien nach Behördenangaben den Import aus vier Regionen. Bei Versuchen, die Lage im Akw Fukushima unter Kontrolle zu bringen, wurden drei Arbeiter verstrahlt.

Wegen möglicher radioaktiver Belastung seien der Verkauf und die Verarbeitung von Nahrungsmitteln aus Regionen um das beschädigte Akw verboten worden, erklärte die russische Verbraucherschutzbehörde in Moskau. An der Grenze werde die Einfuhr ohne Strahlen-Tests gestoppt. Auch Australien beschloss ein Einfuhrverbot für Nahrungsmittel aus der Akw-Region. Singapur und die Philippinen verhängten ebenfalls Importverbote, Kanada kündigte schärfere Kontrollen an.

Radioaktives Cäsium in Gemüse

Japan selbst hatte bereits die Ausfuhr bestimmter Lebensmittel aus mehreren Regionen gestoppt und für weitere Gegenden Kontrollen angekündigt. Beim Blattgemüse Kukitachina stellte das japanische Gesundheitsministerium unterdessen 82.000 Becquerel radioaktiven Cäsiums fest - ein Wert, der die erlaubte Grenze um das 164-fache überschreitet. In zehn weiteren Gemüsesorten wurden ebenfalls erhöhte Wert gemessen.

"Die Frage nach der Lebensmittelsicherheit ist eine weitere Dimension der Katastrophe", hieß es in einer Erklärung dreier UN-Organisationen. Es werde jegliche vorhandene Expertise aufgebracht, um Japan zu helfen, teilten die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA), die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) mit. Mit Lebensmittelkontrollen, Strahlentests und der öffentlichen Bekanntgabe der Ergebnisse treffe Japan aber die richtigen Maßnahmen.

Im Tokioter Leitungswasser wurden indes deutlich verbesserte Werte gemessen. Der Wert sei für Neugeborene nicht mehr gefährlich, sagte ein Stadtvertreter. Die Behörden hatten am Mittwoch davor gewarnt, das Leitungswasser zur Zubereitung von Babynahrung zu nutzen, da die Radioaktivität örtlich mehr als das Doppelte des Grenzwerts betrug. Geschürt wurde die Angst in der Hauptstadt in der Nacht und am Morgen durch heftige Nachbeben, die die Bewohner daran erinnerten, dass ein Mega-Beben auch in Tokio seit Jahrzehnten als überfällig gilt.

Weißer Rauch über vier Reaktoren

Im Atomkraftwerk Fukushima stieg am Donnerstag weißer Rauch über vier Reaktoren auf, die Feuerwehr war weiter mit Löscharbeiten beschäftigt. Drei Arbeiter, die im Turbinengebäude von Reaktor 3 Stromleitungen verlegten, wurden laut japanischer Atomsicherheitsbehörde hoher Strahlung von 170 bis 180 Millisievert ausgesetzt. Zwei von ihnen seien in eine Pfütze getreten, und das verseuchte Wasser habe trotz Schutzanzügen die Haut an ihren Beinen erreicht. Da der direkte Kontakt zu Entzündungen führe, seien sie ins Krankenhaus eingeliefert worden.

Zu unserer Chronik

Während inzwischen alle sechs Reaktoren mit neuen Stromleitungen verbunden wurden, konnte der Kontrollraum von Reaktor 1 bereits wieder teilweise mit Strom versorgt werden. Über das neue Stromsystem sollen die Kühlsysteme wieder in Gang gebracht werden, die durch das Erdbeben und anschließenden Tsunami am 11. März zerstört worden waren. Nach neuen offiziellen Angaben stieg die Zahl der durch die Naturkatastrophe getöteten Menschen auf 9811. Weitere 17.541 werden vermisst. (afp)

EURE FAVORITEN

Weitere interessante Artikel