Sprossen weiter unter Ehec-Verdacht

Auf einer Gurke aus einem Abfallbehälter in Magdeburg ist die gefährliche Form des Ehec-Erregers nachgewiesen worden. Experten bezweifeln aber, dass der Fund ein echter Durchbruch bei der aktuellen Suche ist. Gleichzeitig verdichten sich Hinweise, dass Sprossen eine wesentliche Quelle für die Ehec-Keime sind.

Berlin/Essen. Auf einer Gurke aus einem Abfallbehälter in Magdeburg ist die gefährliche Form des Ehec-Erregers nachgewiesen worden. Experten bezweifeln aber, dass der Fund ein echter Durchbruch bei der aktuellen Suche ist. Gleichzeitig verdichten sich Hinweise, dass die Sprossen eines Erzeugers im Kreis Uelzen eine Quelle für die Ehec-Keime sind. Die bisherigen Verzehrempfehlungen (keine Gurken, Sprossen, Tomaten,) gelten weiter.

In Niedersachsen wurden am Mittwoch zwei weitere Todesfälle im Zusammenhang mit Ehec bekannt. Die Zahl der Toten stieg damit bundesweit auf 26. In NRW gab es 329 gemeldete Ehec-Fälle - 20 mehr als am Vortag. Die EU-Kommission schlägt vor, Gemüsebauern mit 210 Millionen Euro zu entschädigen.

Die Nachricht verbreitete sich rasant: Ehec-Keim auf Gurke entdeckt! In einer Mülltonne in Magdeburg fanden Experten das gefährliche Bakterium vom Stamm 0104:H4. War das der Durchbruch?

Vermutlich nicht. Denn der Gurkenrest lagerte schon fast zwei Wochen in der Tonne. Niemand weiß, wann und auf welchem Weg der Ehec-Erreger in den Müll gelangte. Die Familie, zu der die Abfalltonne gehört, ist an Ehec erkrankt.

Vielleicht wird nie der Beweis geführt werden können

Viel heißer ist die Spur, die zu der bereits bekannten Sprossenzucht in Niedersachsen führt. „Acht verschiedene Krankheitscluster können auf den Betrieb im Landkreis Uelzen zurückgeführt werden“, sagte Verbraucherministerin Ilse Aigner. Allerdings konnte in den Proben aus Bienenbüttel bisher kein Erreger nachgewiesen werden. Das wird womöglich auch nie der Fall sein, weil die verseuchten Chargen längst verbraucht worden sind. Aber drei Beschäftigte sind erkrankt und auch Gäste von Restaurants, die der Hof mit Sprossen beliefert hatte.

Da der eindeutige Nachweis fehlt, halten Bund und Länder an ihren bekannte Warnungen fest. Die Konsumenten sollen auf den Genuss von rohen Tomaten, Gurken, Blattsalaten und Sprossen verzichten. „Wir müssen die Empfehlung aufrecht erhalten“, betonte Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) und verwies auf den schweren Verlauf der Epidemie. Mittlerweile sind 26 Menschen an dem durch den Ehec-Erreger ausgelösten Krankheitssyndrom HUS gestorben. „Weitere Todesfälle sind nicht auszuschließen“, befürchtet Bahr. 670 HUS-Patienten liegen in den Kliniken. 1900 Menschen sind infiziert.

Neuer Ehec-Schnelltest

Forscher der Universitäten Greifswald und Bonn glauben jetzt zu wissen, warum manche Menschen am HUS-Syndrom leiden und andere nicht. Auslöser für die epileptischen Anfälle oder Bewusstseinsstörungen könne die Bildung von Autoantikörpern sein, die Durchblutungsstörungen auslösten. Wissenschaftler aus China haben angeblich einen Schnelltest entwickelt, mit dem der gefährliche Ehec-Erreger innerhalb von zwei bis drei Stunden identifiziert werden kann.

Harte Kritik am Krisenmanagement von Bund, Ländern und nachgeordneten Behörden wollte nach einem Treffen aller Beteiligten mit EU-Gesundheitskommissar John Dalli niemand wagen. „Wir müssen die Lektion aus diesem Ausbruch lernen“, sagte der Malteser lediglich, nachdem die EU Deutschland zuvor heftig wegen der Kommunikationspolitik zum Ehec-Erreger kritisiert hatte. Nun wird der Streit vertagt, bis die Krise bewältigt ist.

Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) zeigte sich zuversichtlich: „Es gibt Anlass zum Optimismus, dass wir das Schlimmste jetzt hinter uns haben.“ Tatsächlich nimmt die Zahl der gemeldeten Neuerkrankungen ab. Misslich bleibt die Lage für Bauern und Handel. Gurken, Tomaten und Salat verkaufen sich praktisch nicht mehr. Die EU hatte zunächst, ein Hilfsprogramm von 150 Millionen Euro angekündigt, gestern war von 210 Millionen Euro die Rede.

Wirtschaftliche Sorgen belasten durch den großen Behandlungsaufwand jene Krankenhäuser in Norddeutschland, die sich um die Ehec-Patienten kümmern. Das Gesundheitsministerium hält die Klagen allerdings für unbegründet. Die Kliniken bekämen die Kosten von den Krankenkassen ersetzt, sagte Bahr.

 
 

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