Spannende Gedankenspielereien

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Die gebürtige Dorstenerin Jacqueline Montemurri veröffentlicht ihren ersten Wissenschaftskrimi „Die Maggan-Kopie“

Dorsten..  Montemurri, der klangvolle italienische Nachname, der „Berghöhen“ verspricht, lässt im ersten Moment nicht unbedingt an Sachsen denken, und schon gar nicht an Dorsten, und doch sind genau das die Wurzeln von Jacqueline Montemurri. Die 43-jährige Schriftstellerin aus Velbert, die im Mai 2012 ihren Debüt-Roman „Die Maggan-Kopie“ veröffentlicht hat, verdankt ihren Familiennamen dem Ur-Urgroßvater, den es vor mehr als hundert Jahren aus den südlichen Gefilden „des Stiefels“ in die sächsischen Landstriche Hohenstein-Ernstthal zwischen Chemnitz und Zwickau zog. Und mehr noch, der Umstand, dass ihre 1949 geborene Mutter weiterhin die über zwei Generationen vererbte italienische Staatsbürgerschaft innehatte, erleichterte 1982 eine regulären Ausreise aus der DDR.

Begeisterung für Technik

Jacqueline kommt mit der Familie nach Dorsten-Wulfen, besucht die Gesamtschule. „Das war eher Zufall, wir wohnten einfach in Barkenberg. Und aus der DDR waren wir das gemeinsame Lernen bis zur zehnten Klasse gewohnt, meiner Mutter war es gar nicht so bewusst, dass es im Westen auch andere Gymnasien gab“, sagt Montemurri. „Im Nachhinein bin ich sehr froh darüber, habe das Gefühl in Wulfen optimal gefördert worden zu sein. Es war ein befreites ungezwungenes Lernen.“ In der Tat sprechen die Leistungskurse Mathematik und Kunst für große Interessens-Bandbreite schon als Jugendliche. Trotz der musisch-künstlerischen Neigung entschied sie sich nach dem Abitur 1989 für das Studium der Luft- und Raumfahrttechnik in Aachen. „Als Kind habe ich mit meiner Mutter immer die Fortschritte der sowjetischen Raumfahrt verfolgt, die in der DDR groß publiziert worden sind.

Diese Begeisterung für die Technik habe ich immer bewahrt.“ Das Studium in der Männerdomäne absolvierte Montemurri 1995 mit dem Diplom. Der Wunsch Pilotin zu werden lässt sich nicht verwirklichen. „Mit 1,68 Meter war ich damals jedenfalls zu klein“, schmunzelt die Maschinenbauingenieurin. Den „Leerlauf“ der Zeit der Bewerbungen und der Jobsuche überbrückt Montemurri mit dem Schreiben von Kurzgeschichten. Technische Neuerungen interessieren sie, beflügeln ihre Fantasie. So gibt die Geburt des Klonschafs Dolly am 5. Juli 1996 Anlass zur Gedankenspielerei grausiger Zukunftsvisionen, in denen Menschen Klone als „Ersatzteillager“ züchten lassen.

Diese eigene Vorlage von damals diente jetzt als Basis für den Thriller „Die Maggan –Kopie“. Natürlich weiß Montemurri heute, dass ebenfalls 1996 der Engländer Michael Marshall Smith den Roman „Spares“ mit der gleichen Thematik geschrieben hat, der 2005 durch die Hollywood-Verfilmung „Die Insel“ ein größeres Publikum erreicht hat. „Aber trotzdem ist die „Maggan-Kopie“ kein Abklatsch davon, sondern absolut meins. Damals lagen halt bestimmte Themen in der Luft“, erklärt Montemurri. Ihr Wissenschaftskrimi legt viel Wert auf das Entwickeln der Beziehung der Protagonistin und ihres Klons, verspricht spannende Unterhaltung und stimmungsvolle Landschaftsbeschreibungen aus dem hohen Norden. Schweden, Norwegen, nicht etwa das mediterrane Italien ihrer Vorfahren ? „Nein“ lacht die Autorin „Ich liebe Skandinavien und verbringe mit meinem Mann und meinen Söhnen Tristan und Niklas fast jeden Urlaub dort“.

Seit ihre Kinder nun mit elf und sieben Jahren selbstständiger sind, arbeitet Montemurri wieder im Projektmanagement einer Velberter Firma und hat auch die Zeit zum Schreiben wiedergefunden. Der zweite Roman ist in Angriff genommen, es geht um Nanotechnologie. Und weitere könnten folgen, denn viele Manuskripte und Ideen schlummern seit den 1990er Jahren in Montemurris Schublade.

Ihr Nachname hat sie nicht geprägt, vielleicht aber ist ihre Herkunft ein gutes Omen: Hohenstein-Ernstthal war Geburtsort von Karl May, Dorsten der von Cornelia Funke – beides Schriftsteller mit Millionenauflagen, die weit über die Grenzen von Deutschland hinaus bekannt geworden sind.

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