So weit die Füße bei über 30 Grad tragen

1. Panorama-Marathon über die Bergkamener Bergehalden.
1. Panorama-Marathon über die Bergkamener Bergehalden.
Foto: WR

Bergkamen..  Trotz subtropischer Temperaturen und hohen Ozonwerten war am Samstag die Bergehalde Großes Holz Schauplatz des ersten Bergkamener Panorama-Marathonlaufs.

Die Luft flirrt vor Hitze. Unter den Füßen von Hartmut Hempel knirscht der Schotter. Die Hände zu Fäusten geballt und die Augen wegen der grellen Sonne zu Schlitzen verengt, trabt er im gleichmäßigen Laufrhythmus auf die Verpflegungsstation zu.

Drei Kilometer hat der 66-Jährige überwunden – fast 40 Kilometer liegen noch vor ihm. Beim ersten Bergkamener Panorama-Marathon auf der Berge Halde Großes Holz gibt es nur ein Ziel: „Lebendig ankommen.“

11 hartgesottene Sportler

Elf hartgesottene Sportler wollten es am Samstag wissen: Bei über 30 Grad Celsius starteten sie zum Marathonlauf über 43 Kilometer. „Damit ist das sogar ein kleiner Ultra-Marathon“, erklärt Organisator Jörg Gerlach. Denn die Distanz ist um 805 Meter länger als die der regulären 42,195 Kilometer-Strecke. Und nicht nur die schweißtreibenden Temperaturen machten die Veranstaltung zu einer besonderen Herausforderung. Auch die bergige Strecke – insgesamt mussten 400 Höhenmeter überwunden werden – rechtfertigte die Bezeichnung „Extremlauf“.

Erleichtert greift Hartmut Hempel zu einem der zahlreichen Plastikbecher an der Verpflegungsstation. Gierig stürzt er das Wasser herunter, benetzt seinen Kopf mit dem Rest der Flüssigkeit und trabt weiter. Seine Startnummer 7 auf dem Rücken wird immer kleiner, bis er in der flirrenden Hitze am Horizont verschwindet.

Kräfte einteilen, viel Flüssigkeit zu sich nehmen und auch schon einmal gehen wenn es sein muss. Das waren die Tricks, mit denen die Läufer den extremen Bedingungen begegneten. Schließlich waren sie allesamt keine Anfänger in der Sportdisziplin. Zur Sicherheit wachte dennoch Arzt Dr. Mustafa Madanoglu als Streckenposten über die Läufer. „Die sind alle erfahren, die übernehmen sich nicht“, betonte der Bergkamener Allgemeinmediziner, „außerdem geht es heute ja um nichts, hier gibt es nichts zu gewinnen.“ Flüssigkeit sei das A und O. „Im schlimmsten Fall könnten sie kollabieren“, erklärte Madanoglu, der selbst Marathonläufer ist.

Davon ist Hartmut Hempel als erfahrener Läufer weit entfernt. Der Schatten der Bäume lässt ihn aufatmen. Er hat sein Tempo gefunden. Dennoch ist er nicht ganz zufrieden: „Ich warte auf Regen“, murmelt der Kamener. Ein Blick Richtung Himmel erstickt jedoch alle Hoffnungen im Keim: Die Sonne brennt gnadenlos und Wolken sind nicht in Sicht.

Fast jedes Wetter ist der passionierte Läufer gewohnt. Jeden Tag joggt er über die Zechenbahntrasse von Kamen zur Halde, dreht dort sechs Runden und tritt dann wieder den Heimweg an. Jeden Tag 30 Kilometer, bei Wind und Wetter. „Aber selten habe ich solch eine Hitze erlebt.“

Am liebsten jeden Tag einen Marathon

Seit 15 Jahren läuft Hartmut Hempel. Angefangen habe er, um abzunehmen. Jetzt läuft er, weil es ihm Spaß macht. 7 000 Kilometer legt er in einem Jahr zurück. Erst kürzlich habe er einen 100-Kilometer-Lauf absolviert. Und drei weitere Marathons für 2010 stehen bereits in seinem Terminkalender.

Ebenso hartgesotten ist Peer Schmidt-Soltau aus Mettmann. Er würde am liebsten alle sieben Tage einen Marathon laufen: „Ich bin ein Viel-Läufer.“ Der 29-Jährige schmunzelt. Dieses Wochenende sei der Bergkamener Marathon der einzige in NRW, deshalb sei er gekommen. Aber auch, weil er mit seiner Teilnahme das Bergkamener Konzept unterstützen wolle. „Ein Marathon lebt von seinen Teilnehmern.“ Deswegen planen die beiden Organisatoren Jörg Gerlach und Frank Bartsch auch für Oktober, bei kühleren Temperaturen, eine Wiederholung des Bergkamener Panorama-Marathons. Dann wollen sie im Vorfeld aber noch mehr Werbung machen.

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