So bekommt ganz Deutschland das schnelle Internet

Essen.  Das Rennen um das Mobilfunknetz der Zukunft ist er­öffnet: Vier Telekommunikations-Firmen bieten seit Montag für neue Frequenzen im deutschen Netz. Die sollen das mobile Internet schneller und überall in Deutschland zugänglich machen.

Was bringt die Versteigerung Mobilfunk-Kunden?


Sie dürfen sich auf schnelleres mobiles Internet freuen – und vielleicht sogar über sinkende Preise. Das Mobilfunk-Netz der vierten Generation (4G) macht Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 100 Megabit möglich – bis zu achtmal schneller als zurzeit gängige DSL-Festnetz-Anschlüsse. „Die Deutschen wollen in Zukunft im Monat nicht mehr als zehn bis 20 Euro für mobile Kommunikation ausgeben“, sagt Analyst Wafa Moussavi-Amin von der IT-Beratungsgesellschaft ITC.

Bis die 4G-Technik bundesweit eingeführt ist, vergehen aber noch einige Jahre. Die Bundesnetzagentur – die Aufsichtsbehörde der Telekombranche – schreibt Anbietern vor, bis 2016 auch in den ländlichen Regionen genügend Bandbreite anzubieten. „Wir rechnen schon eher damit, weil die Firmen ja auch Geld verdienen wollen“, sagt ein Behördensprecher. „Aber das ist nur möglich, wenn auch die Ballungsgebiete schnell angeschlossen werden.“

Kritik kommt von Verbraucherschützern. Mögliche Störungen durch die neue Mobilfunk-Technik etwa bei Antennen- oder Kabelfernsehbildern seien bisher nicht ausreichend erforscht, monieren sie.


Wer bietet mit?


Die größten Chancen auf Erfolg werden der Deutschen Telekom und Vodafone eingeräumt. Die Firmen haben laut Analyst Moussavi-Amin den größten Bedarf an neuen Frequenzen. „Im Gegensatz zu den kleineren Anbietern haben die Anbieter viel mehr Kunden, die mobile Datendienste mit hohen Bandbreiten nutzen.“ Auch E-Plus und Telefonica/O2 bieten mit. O2 hat hierzulande halb so viele Kunden wie Vodafone und Telekom – rund 16 Millionen. Der Bedarf an neuen Frequenzen ist laut Moussavi-Amin dadurch nicht geringer. „Die Zukunft der Kommunikation heißt Daten-Kommunikation.“ Daher seien auch diese zwei kleineren Anbieter gut beraten, an der Auktion teilzunehmen. Durch stetig steigende Bandbreiten würden auch sie spätestens in zwei Jahren an Kapazitätsgrenzen stoßen.



Was versprechen sich die Unternehmen von der Frequenzversteigerung?


Wer im Besitz der neuen Frequenzen ist, hat gute Chancen, beim Rennen um immer neue und leistungshungrigere mobile Internet-Lösungen die Nase vorn zu haben. Gerade die großen Mobilfunk-Anbieter leiden seit Jahren unter dem Preiskampf am Mobilfunk-Markt. Die Kosten für die 50 Milliarden Euro schwere UMTS-Versteigerung vor zehn Jahren sind laut Analysten noch immer nicht eingespielt. Neue Anwendungen und mobile Dienste versprechen deshalb auch wieder üppigere Einnahmen.

Die Firmen sind laut der Bundesnetzagentur dazu verpflichtet, ländliche Regionen und Städte mit bis zu 5000 Einwohnern zuerst an das neue Netz anzubinden. „Wir wollen so eine Netzabdeckung von 90 Prozent in Deutschland erreichen“, sagt ein Sprecher.


Welche Frequenzen werden versteigert?

Die Bundesnetzagentur versteigert Frequenzen in den Bereichen 800 MHz, 1,8 GHz, 2 GHz und 2,6 GHz. Diese Frequenzen wurden durch die Digitalisierung des Antennen-Fernsehens frei. Die 800-MHz-Frequenz eignet sich besonders dazu, ländliche Gebiete drahtlos und damit kostengünstiger als über Erdleitungen mit schnellen Internetzugängen zu versorgen.

 
 

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