Skeptisches Ja zu McCain

Essen. Ganz einverstanden ist Jeanne Smith mit beiden Präsidentschafts-Kandidaten nicht. John McCain immerhin hat politische Erfahrung, bezieht Stellung zu aktuellen Fragen und hat mit der Wahl Sarah Palins eine gute Entscheidung getroffen, sagt sie. Er bekommt ihre Stimme - als das geringere Übel.

1980 verließ ich die High School als idealistischer junger Mensch. Ich begann, mich politisch zu engagieren und dachte wirklich, ich könne etwas verändern. Während der nächsten zwanzig Jahre war ich als Wahlhelfer aktiv und zeitweise für die Überwachung und Organisation der Wahlen auf Bezirksebene zuständig. Später, als ich in Texas lebte, war ich Delegierte für den Republikanischen Parteitag. Ich war in zahlreichen Wahlen auf der bundesstaatlichen und der nationalen Ebene aktiv.

Diese Wahl allerdings habe ich aus der Ferne verfolgt. Ich bekomme zahlreiche E-Mails von Freunden in den Vereinigten Staaten, aber größtenteils bin ich sehr weit entfernt von all der normalen Wahlkampfrethorik. Seit den Vorwahlen habe ich Probleme mit beiden Kandidaten.

Obama versteckt sich hinter Schlagworten

Obama steckt voller Rhetorik, voller Schlagwörter und Phrasen. Er will Wandel, aber er will uns nicht verraten, worin dieser Wandel bestehen wird. Obama strapaziert die immer gleichen Schlagwörter, aber er weigert sich, uns Antworten auf wirkliche Fragen zu geben, die die Wirtschaft betreffen, Steuern, den Irak, Abtreibung und eine ganze Reihe anderer Dinge. Er weigert sich ebenfalls, Stellung zu beziehen in einem Bundesgerichtsverfahren, das seine Staatsangehörigkeit in Frage stellt und seinen Zugang zum Präsidentenamt.

Sein Vize ist eine gute, sichere Wahl. Er hat viel mehr Erfahrung als Obama. Für mich geht es auch um die Frage, wer die nächsten drei Richter beim Obersten Gerichtshof ernennen wird. Das wird einen viel längerfristigen Einfluss haben als einige der gegenwärtig drängenden Fragen.

McCain macht klarere Aussagen

McCain hat immer wieder geschwafelt. Er hat morgens etwas gesagt und etwas ganz anderes, nachdem er von seinem Mittagsschlaf aufgestanden war. Er hat versucht, Teilen seiner gehässigsten Rhetorik die Spitze zu nehmen. Von den beiden Kandidaten hat er mehr Informationen zu konkreten Themen gegeben.

Dennoch habe ich Vorbehalte. Nachdem ich so hart für George Bush gekämpft habe und dann zusehen musste, wie er sich in so vielen Fragen drehte, sind das letzte, was ich will, vier (oder acht) weitere Jahre “Bushismus”: Etwas beteuern und etwas anderes tun. Die Wahl Sarah Palins war eine gute Entscheidung, aber sie ist ein wenig zu geistesgegenwärtig für die liberalen US-Medien. Trotz all seines Geschwafels tut McCain seine Arbeit, sagt offen seine Meinung und wählt in Abstimmungen – etwas, das Obama bekannterweise nicht tut. McCain hat im Kongress gesessen, im Militär gedient und hat die außenpolitische Erfahrung, die Obama fehlt.

Entscheidung für das geringere Übel

Für mich stellt sich also die Frage: Welches der beiden Übel ist das geringere? Es geht nicht um die Frage, wer der Beste ist, sondern wer den geringsten Schaden anrichten wird. Wenn man die Wahl auf diese Frage herunter bricht, dann muss ich mich McCain anschließen. Erfahrung sticht Jugend in diesem Fall. Wenn uns Obama nur ein PAAR klare Antworten geben würde, könnte ich vielleicht überzeugt werden, aber ich habe mich bereits entschieden.

Jeanne Smith wohnt seit etwas mehr als einem Jahr in Essen. Sie und ihr Mann sind aktiv in der Unterstützung kleiner religiöser Gemeinschaften und arbeiten als Lehrer für Geschäftsenglisch.

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